Fußball im Schatten des Terrors

Sport / 16.11.2015 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Frankreichs Antoine Griezmann, dessen Schwester den Anschlag überlebte, bei der Ankunft in London Foto: ap
Frankreichs Antoine Griezmann, dessen Schwester den Anschlag überlebte, bei der Ankunft in London Foto: ap

Marseillaise in Wembley. Der Fußball als Symbol für die Freiheit und die Demokratie.

Schwarzach. Es soll ein Symbol für die Verbundenheit mit Frankreich werden: Aus 90.000 Kehlen soll vor dem Länderspiel England gegen Frankreich in London die berühmte Marseillaise erklingen. Ob englische Fans oder neutrale Zuschauer, ob französische oder englische Spieler, im berühmten Wembleystadion soll die Fußball-Welt vier Tage nach den schrecklichen Attentaten von Paris und Saint-Denis französisch sprechen.

„Das Spiel wird eine ernsthafte Angelegenheit, aber eine, die zeigt, dass die Fußball-Welt vereint ist gegen solche Grausamkeiten“, betonte Englands Coach Roy Hodgson. Der Text der französischen Nationalhymne soll auf den Leinwänden im Stadion für alle zum Mitsingen eingeblendet werden. Wie der britische „Telegraph“ berichtete, planen die Spieler der englischen Mannschaft zudem eine gemeinsame Aktion für ihre Kollegen aus Frankreich. Nicht wenige aus dem Team des EM-Gastgebers im kommenden Jahr verdienen auf der Insel in der Premier League ihr Geld.

Reaktionen aus der französischen Mannschaft auf die Entscheidung, die Partie wie geplant auszutragen, gab es auch bis Montagmittag nicht. Seit dem 2:0-Sieg gegen Deutschland, der angesichts von mindestens 129 Toten und über 350 Verletzten keinerlei Bedeutung mehr hat, äußerte sich keiner der Akteure öffentlich. „Ich verstehe die Emotionen der Spieler“, sagte Frankreichs Verbandschef Noël Le Graët. Die Idee sei aber von allen akzeptiert worden. Was auch dadurch belegt scheint, dass selbst der persönlich unmittelbar betroffene Lassana Diarra zum selben 23-köpfigen Kader gehört, der auch schon gegen Weltmeister Deutschland von Trainer Deschamps nominiert worden war. Diarra betrauert den Tod einer Cousine bei den Anschlägen.

Ein klares Symbol

Von „Zuversicht vermitteln“ oder einer „Botschaft und klarem Symbol“ sprechen auch die Teamchefs von Österreich und Deutschland, Marcel Koller und Joachim Löw, vor den Heim-Länderspielen im Schatten des Terrors gegen die Schweiz bzw. die Niederlande.

Sportlich etwa misst der Weltmeister-Coach der Begegnung mit dem WM-Dritten kaum Bedeutung bei. Er wünsche sich, dass die sportliche Rivalität in den Hintergrund rücke und dass dieses Spiel stattfindet mit ganz anderen Werten und für andere Werte. „Wenn wir das Spiel so verstehen, haben wir unabhängig vom Ergebnis gewonnen.“