Der Fußball musste sich dem Terror beugen

17.11.2015 • 22:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Symbol der Solidarität im Londoner Wembley-Stadion vor dem Duell zwischen England und Frankreich. Foto: epa
Symbol der Solidarität im Londoner Wembley-Stadion vor dem Duell zwischen England und Frankreich. Foto: epa

„Konkrete Gefährdungslage“: Länderspiel Deutschland gegen Niederlande abgesagt.

Hannover. Es sollte ein Fußballspiel als „Symbol für Freiheit und Demokratie“ werden, doch der Sport musste sich dem Terror beugen: Vier Tage nach den Terroranschlägen von Paris ist das Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande knapp anderthalb Stunden vor dem geplanten Anpfiff aus Sicherheitsgründen abgesagt worden. Deutschlands Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat nach der Absage des Länderspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover keine Details zu den Hintergründen genannt. Die Absage sei „aus Gründen des Schutzes der Bevölkerung“ erfolgt. „Die Hinweise auf die Gefährdung des heutigen Fußballspiels haben sich im Laufe des Abends so verdichtet, dass wir nach Abwägung dringend empfohlen haben, dieses Länderspiel abzusagen“, sagte de Maizière während einer Pressekonferenz in Hannover: „Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung möchte ich nicht weiter kommentieren.“

Nach Angaben des niedersächsischen Innenminister Boris Pistorius (SPD) gab es in Hannover keine Festnahmen. Es sei auch kein Sprengstoff gefunden worden. Gerüchte, Sprengstoff sei in einem Krankenwagen deponiert worden, ließen sich bislang nicht bestätigen.

Konkreter Hinweis

Die Polizei Hannover sprach von einer „konkreten Gefährdungslage“. Polizeipräsident Volker Kluwe erklärte, dass es einen konkreten Hinweis gegeben habe, „dass im Stadion ein Sprengstoffanschlag geplant gewesen ist. „Wir nehmen den Hinweis sehr, sehr ernst, deshalb hat diese Maßnahme gegriffen, die uns nicht leicht gefallen ist, aber konsequent war.“ Kluwe sprach von einer „konkreten Gefahrenlage für ganz Hannover“: „Was diejenigen, die etwas geplant haben im Stadion, ansonsten noch planen, ersatzweise, das wissen wir nicht. Deswegen versuchen wir, auch in der Stadt überall präsent zu sein.“ Das Stadion wurde evakuiert, von Verletzten war zunächst nichts bekannt. Nach den Vorfällen von Paris galt für die Begegnung gegen den WM-Dritten aus den Niederlanden in Hannover die höchste Sicherheitsstufe. Unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und weitere hochrangige Politiker hatten ihr Kommen angekündigt. Manche von ihnen waren zum Zeitpunkt der Absage bereits im Stadion und wurden ebenfalls wieder herausgeführt. Die deutsche Mannschaft war noch auf der Fahrt in die Arena. „Wir sind auf dem Weg ins Stadion von der Polizei umgeleitet worden und an sicherem Ort. Mehr können wir derzeit nicht sagen, Bitte um Verständnis“, twitterte Nationalmannschafts-Sprecher Jens Grittner.

Nur teilweise Panik

Schon eine Stunde zuvor hatte die Polizei wegen des Fundes eines verdächtigen Gegenstandes einen Bereich vor dem Stadion abgesperrt. Nach eingehender Kontrolle wurde gut zwei Stunden vor dem Anpfiff Entwarnung gegeben: „Der verdächtige Gegenstand an der Robert-Enke-Straße hat sich als ungefährlich herausgestellt“, teilte die Polizei Hannover zu diesem Zeitpunkt mit. Die Zuschauer wurden nach der Absage gebeten, das Stadion ruhig, aber zügig zu verlassen. Rund ums Stadion waren überall Blaulicht und Sirenen. Panik entstand nur teilweise, größtenteils verlief die Evakuierung zügig und ruhig.

Die Quelle und das Ausmaß der Gefährdung möchte ich nicht weiter kommentieren.

Thomas de Maiziére
In Hannover blieb das Stadion leer. Die Zuschauer wurden von Polizisten gebeten, nach Hause zu gehen. Foto: ap
In Hannover blieb das Stadion leer. Die Zuschauer wurden von Polizisten gebeten, nach Hause zu gehen. Foto: ap