Schladmings Wintermärchen steht in schlechtem Licht

Sport / 19.11.2015 • 22:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Förderung für den Skygate-Bogen war nicht zweckmäßig, sagt der Rechnungshof. Foto: gepa
Die Förderung für den Skygate-Bogen war nicht zweckmäßig, sagt der Rechnungshof. Foto: gepa

Rechnungshof übt heftige Kritik an der Organisation der
Ski-WM 2013.

Wien. Der Rechnungshof hat dem Nationalrat seinen Bericht über die öffentlichen Investitionen für die Alpine Ski-WM 2013 in Schladming vorgelegt. Darin kritisieren die Prüfer – wie schon im Rohbericht – fehlende Kontrolle und mangelnde Transparenz und zweifeln generell die Zweckmäßigkeit einzelner Investitionen an. Zudem habe im Hintergrund ein Zuständigkeitschaos geherrscht.

Mängel in der Organisation

Der Rechnungshof überprüfte für seinen mehr als 200 Seiten starken Bericht 16 ausgewählte Projekte in Hinblick auf ihre Wirtschaftlichkeit und bleibende Wirkungen. Insgesamt 415,78 Millionen Euro seien in infrastrukturelle Maßnahmen im Zusammenhang mit der WM investiert worden, 247,75 Mill. habe die öffentliche Hand beigesteuert. Davon sei das Land Steiermark mit 152,85 Mill. der mit Abstand größte Geldgeber gewesen. 24,01 Mill. der Fördermittel seien vom Bundesministerium für Landesverteidigung und Sport gekommen.

Die Prüfer stellten zahlreiche Mängel in der Organisation der Großveranstaltung fest. So sei kein Gesamtkonzept mit Zielen und erwarteten Wirkungen erstellt worden, ebenso habe letztlich keine der an der Vorbereitung und Durchführung der Ski-WM beteiligten Institutionen „einen Gesamtüberblick über die dabei entstandenen Kosten“ gehabt. Generell hätten sieben Gremien in mehreren Bereichen unabhängig voneinander agiert, was eine zielgerichtete, effiziente und wirtschaftliche Projektabwicklung verhindert habe.

Konkrete Kritikpunkte betreffen einzelne Projekte und vor allem den Weg der Entscheidungsfindung über deren Förderwürdigkeit. Das Land Steiermark und das Sportministerium hätten auch Projekte gefördert, die nicht Bestandteil der Bewerbung waren, oder Projekte, für die der Österreichische Skiverband (ÖSV) als Veranstalter ohnehin Finanzmittel vom Internationalen Skiverband (FIS) erhielt, heißt es dazu. Entscheidungen seien nicht vollständig dokumentiert, Wirtschaftlichkeitsberechnungen mangelhaft gewesen.

Kosten verdreifacht

Ein Beispiel: Wesentliche Grundlage für den Ausbau der Pisteninfrastruktur, der von Land und Bund laut Rechnungshof mit 30,52 Mill. gefördert wurde, sei offenbar ein Beschluss des ÖSV-Bauausschusses gewesen – einer Taskforce des Skiverbandes, mit dem Ziel, alle WM-relevanten Vorerhebungen vorzunehmen. Ein diesbezügliches Sitzungsprotokoll mit einer hinreichenden Begründung gibt es offenbar aber nicht.

Wenig nachvollziehbar sei auch die Entscheidung, das Zielstadion Planai im Umfang von 17,88 Mill. zu fördern. Laut Rechnungshof hätte hier eine Aufgliederung in WM-relevante und -nicht-relevante Projektteile erfolgen sollen, da das Talstationsgebäude hauptsächlich durch den Seilbahnbetrieb genutzt werde. Die Höhe der Förderungen für das Gesamtprojekt sei deshalb als „kritisch“ zu sehen. Außerdem hätten sich die Kosten von erwarteten elf Mill. ohne transparente Aufschlüsselung auf 29,38 Mill. fast verdreifacht.

Umweltschutz kam zu kurz

Auch beim Mediencenter seien die Kosten ohne Begründung von 12,6 Mill. auf 19,27 Mill. angewachsen. Dass Land und Bund den Skygate-Stahlbogen mit über zwei Mill. förderten, beurteilte der Rechnungshof als nicht zweckmäßig, da dieser ein „reines Marketinginstrument“ und keine Sportinfrastruktur sei. Die Konstruktion sei zudem ursprünglich gar nicht vorgesehen gewesen: „Erst nach dem Zuschlag stellte der ÖSV fest, dass ein Wahrzeichen entstehen soll.“ Von den geplanten Umweltschutzmaßnahmen im Ausmaß von 17,2 Mill. Euro wurde laut Rechnungshof indes nur wenig umgesetzt.

Hinsichtlich der nachhaltigen touristischen Wirkung der investierten öffentlichen Finanzmittel lasse sich übrigens noch kein eindeutiger Trend erkennen, hält der Rechnungshof fest. Die Nächtigungszahlen seien 2013, im Jahr der Ski-WM, zwar um insgesamt rund 99.000 Nächtigungen gegenüber dem Vorjahr gestiegen, jedoch hätten Beschäftigungsentwicklung und Bettenauslastung keinen Zuwachs gezeigt.