Schnee, der auch im Sommer fällt

Sport / 19.11.2015 • 22:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In Klingenthal gibt es Schnee auch bei hohen Plusgraden. Foto: ap
In Klingenthal gibt es Schnee auch bei hohen Plusgraden. Foto: ap

Weltcup-Auftakt der Skispringer in Klingenthal dank moderner Technik.

Klingenthal. Mitteleuropa präsentiert sich dieser Tage wie auch in den Vorjahren in der zweiten Novemberhälfte alles andere als winterlich. Dennoch schafft Klingenthal in Deutschland dank moderner Technik des Systems „snowfactory 100“ einer Südtiroler Firma das Unmögliche: Ausreichend Schnee bei Temperaturen von bis zu 15 Grad Celsius zu produzieren.

200 Kubikmeter täglich

Schon vor etwa einem Monat wurden in dem sächsischen 9000-Einwohner-Ort zwei dieser Schneeproduktionsmaschinen aufgestellt. Die Maschinen laufen seither rund um die Uhr und produzieren täglich 200 Kubikmeter Schnee. Einiges sei ob der hohen Temperaturen wieder weggetaut, dennoch hat man genug Vorrat produziert.

„Aus einem Kubikmeter Wasser erhält man zwei Kubikmeter Schnee. Es gibt in den 13 Meter langen, zweieinhalb Meter breiten und drei Meter hohen Containern eine Doppelwand, die Kühlflüssigkeit beinhaltet“, erklärt Andi Rohn, der als Assistent von Schanzenchef Wolfgang Schlüter arbeitet. Vereinfacht dargestellt, müsse man sich das Ganze wie eine riesige Eistruhe vorstellen, die am Strom hängt. Auch beim Biathlon-Rennen „AufSchalke“ kommt die „snowfactory“ zum Einsatz.

Für Österreich sind diese Maschinen vorerst kein Thema. „Das ist mit großem finanziellen Aufwand verbunden“, sagt ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin. Er wünscht sich hingegen eine wesentlich verbesserte Eisspur für Innsbruck und/oder Bischofshofen. Seine „Adler“ mussten zuletzt zweimal für mehrere Tage nach Oberstdorf reisen, um sich dort mit 30 bis
40 Sprüngen auf einer Eisspur auf die Saison einzuspringen.

Eisspur macht den Unterschied

„Es ist irrsinnig wichtig, dass wir in Österreich die Möglichkeit haben, auf einer Großschanze um diese Zeit auf Schnee oder Eis zu trainieren“, erklärt der Kärntner. In Deutschland bekomme man eben nicht alle Termine, die man haben möchte. Man müsse die Spur entweder mit einer Kühlung so ausbauen, dass es funktioniert, oder sonst in die Richtung einer Kompaktspur gehen. „Dann könnte man bei plus 10, 12 Grad springen gehen, das wäre notwendig für den Monat“, bezieht sich Kuttin vor allem auf den November. Dass man zu dieser Zeit, außer bei aufwendigen Trips nach Skandinavien, nicht auf Schnee landen kann, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Doch die Eisspur ist für Kuttin „ein Riesenunterschied für die Athleten“. „Das ist ein ganz anderes Gefühl, dafür will ich mich starkmachen für die Zukunft.“