„Alpenliga ist eine super Idee“

Sport / 22.11.2015 • 21:39 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Österreichs Teamstürmer Marc Janko, derzeit FC Basel, kann der Idee einer gemeinsamen Alpenliga einiges abgewinnen. Foto: gepa/Fotomontage
Österreichs Teamstürmer Marc Janko, derzeit FC Basel, kann der Idee einer gemeinsamen Alpenliga einiges abgewinnen. Foto: gepa/Fotomontage

Österreich und die Schweiz in einer Liga? Für Marc Janko das Konzept der Zukunft.

Schwarzach. Österreich und die Schweiz – zwei Fußballnationen auf Augenhöhe. Das hat nicht erst der letzte Länderkampf bewiesen. In den Ligen haben die Klubs mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die besten Spieler gehen ins Ausland und Duelle zwischen Grödig und Admira oder Luzern und Vaduz holen keinen hinter dem Ofen hervor. Die Salzburger Marco Schober und Josef Gfrerer sind für eine visionäre Lösung. Eine gemeinsame Alps Premier League mit den jeweils acht besten Klubs beider Länder. „Auch Rapid gegen Salzburg ist beim vierten Mal im Jahr abgelutscht“, sagt Schober.

Die Idee einer Alpenliga gab es schon früher. Josef Gfrerer geht damit nun aber voll in die Offensive. Bei Salzburg, Rapid, Sturm und Austria ist der Wirtschaftsstudent und Küchenstudio-Besitzer mit seinem ausgekochten Plan schon auf offene Ohren gestoßen. Demnächst soll ein Gespräch mit Ligavorstand Christian Ebenbauer folgen. Über 8000 Fans auf Facebook, Heimo Pfeifenberger, Otto Konrad und Peter Schöttel hat er damit bereits begeistert.

Janko für Alpenliga

Nun hat die „Alps Premier League“ ihren prominentesten Fürsprecher gewonnen. Österreichs Teamstürmer Marc Janko – einst bei Österreichs Liga-Krösus Red Bull Salzburg und nun beim besten Schweizer Klub, FC Basel: „Eine super Idee. Das wäre eine Aufwertung unseres Fußballs, würde helfen, gute Spieler länger hier zu halten. Mit mehr Konkurrenz steigt zwangsläufig die Qualität. Das würde auch das Produkt attraktiver machen. Die Vermarktungrechte wären mehr wert – höhere TV-Gelder möglich.“ Freilich ist das aktuelle Format bis 2020 einzementiert: „Bis dahin kann das Konzept noch verfeinert werden. Natürlich würden kleinere Klubs etwas durch die Finger schauen, aber es ist auf Dauer ohnehin keine Lösung, dass sie bei den großen Klubs am Tropf hängen“, findet Janko.

Die Problemfelder

Was sagt die UEFA zur Idee? „Die würden sie mit Handkuss nehmen“, ist Schober nach einem Gespräch mit Salzburgs Fußballverbandspräsident Herbert Hübel überzeugt. Immerhin haben auch schon die Balkannationen und skandinavischen Länder ein ähnliches Modell angedacht. Bei Letzteren legten sich die Klubs quer, weil die Länder durch die Zusammenlegung massiv Europacupplätze eingebüßt hätten.

Herbert Prohaska merkt kritisch an: „Gäbe es in einer Alpenliga noch einen Schweizer oder österreichischen Meister?“ Altach wäre plötzlich in die Mitte einer solchen Liga. Sportdirektor Georg Zellhofer fehlt dennoch die Fantasie dafür: „Wir müssten erst einmal die Baustellen in unserer Liga und unserem eigenen Stadion beheben. Und wen würde es interessieren, wenn Thun gegen die Admira spielt?“ Dafür gäbe es Kracher wie Basel gegen Rapid. „Die Vorteile überwiegen“, so Jankos klares Fazit.

Die VN-Sportredaktion hat sich mit den zu erwartenden Vor- bzw. Nachteilen auseinandergesetzt und diese herausgearbeitet.

Größere Konkurrenz: Vor allem die finanzstärksten Vereine wie Red Bull und Basel wären mehr gefordert.

Mittelpunkt: Altach wäre von der Lage her sehr zentral gelegen.

Potenterer Ligasponsor: Eine Chance für Österreichs Liga, die zuletzt nur noch etwa zwei Millionen Euro im Jahr vom Namensgeber lukrierte.

Längere Winterpause: Die Frühjahrssaison müsste nicht schon Anfang Februar starten. 30 Runden verringern das Problem der Doppelbelastung für Euro-Starter. Eine Aufstockung auf 18 bzw. 20 Vereine wäre denkbar.

Mehr Abwechslung: Die Klubs würden in einer Saison nur noch zwei Mal aufeinandertreffen. Das würde die Spannung erhöhen.

Weniger Europacup-Plätze: Bei einer Zusammenlegung würden beide Länder zusammen etwa drei Europcupplätze verlieren.

Weniger Derbys: Die Liga wäre weiter zerstreut, es gäbe weniger Duelle zwischen Lokalrivalen.

Unterschiedliche Systeme: Die Lizenz- und Verbandssysteme müssten harmonisiert werden. Dazu kommt das Problem der unterschiedlichen Währungen.

Das wäre absolut eine Aufwertung unseres Fußballs.

Marc Janko

Fußball

Das Modell

Alps Premier League

16 Vereine, 30 Runden, maximal sechs EC-Plätze, drei Absteiger, steigen mehr Klub aus einem Land ab, hat es nächste Saison zwei Aufsteiger: Nimmt man jeweils die acht Teams mit dem größten Marktwert (Stand November 2015), ergäbe sich folgende Liga:

Vereine Stadionkapazität Fanschnitt Marktwert (in Mill. Euro)*

FC Basel 1893 38.500 28.900 62,7

FC RB Salzburg 32.000 9.600 46,1

BSC Young Boys 32.000 19.100 32,0

FC Sion 16.300 8.700 32,0

FC Zürich 26.500 8.700 22,9

SK Rapid Wien 24.200 (ab 2016) 18.100 21,1

Grashopper-Club Zürich 26.500 6.000 20,6

FC Luzern 17.000 11.400 18,2

FK Austria Wien 17.500 (ab 2018) 8.300 17,5

SK Sturm Graz 15.400 9.700 16,4

FC St. Gallen 19.700 12.700 16,0

FC Thun 10.400 6.100 12,5

SV Ried 7.700 4.200 10,0

Cashpoint SCR Altach 8.500 5.400 9,4

Wolfsberger AC 8.100 3.800 9,1

FC Admira Wacker Mödling 10.600 2.900 8,1

Schnitt:

tipico-Bundesliga 16.300 6.900 15,3

Super League 20.300 8.200 24,2

Hochrechnung:

Alps Premier League 19.400 10.200 22,16

Legende: * Quelle=Transfermarkt