Diagnose-Schock: Müller querschnittgelähmt

Sport / 15.01.2016 • 19:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Informierten die Öffentlichkeit: das Ärzteteam Dr. Philipp Metnitz, Dr. Gernot Brunner und Dr. Franz-Josef Seibert (v. l.). Foto: gepa
Informierten die Öffentlichkeit: das Ärzteteam Dr. Philipp Metnitz, Dr. Gernot Brunner und Dr. Franz-Josef Seibert (v. l.). Foto: gepa

Der Skispringer erlitt eine inkomplette Querschnittlähmung, weshalb eine fixe Prognose nicht seriös ist.

Graz. Laut Unfallchirurgie-Vorstand Franz-Josef Seibert sei Lukas Müller, der wegen einer Luxationsfraktur an der unteren Halswirbelsäule zwischen dem sechsten und siebenten Wirbel noch am Mittwoch operiert worden war, wach, ansprechbar und habe die Diagnose „relativ gefasst“ aufgenommen. „Jetzt ist seine Genesung absolut im Vordergrund. Daher steht Müller derzeit für Interviews nicht zur Verfügung“, sagte Gernot Brunner, ärztlicher Direktor des LKH Graz.

Der Eingriff zur Stabilisierung der Wirbel ist laut Seibert gut und komplikationslos verlaufen. Donnerstagfrüh wurde der ÖSV-Springer problemlos von der künstlichen Beatmung genommen, der Schlauch wurde entfernt. Müllers untere Extremitäten und die Rumpfstabilität sind von der Lähmung beeinträchtigt, auch die Atemmuskulatur ist betroffen, aber er kann bereits selber atmen. Es gebe Fälle, bei denen nach langer Rehabilitation Rückbildungen möglich seien, doch laut Brunner werde man erst „in Monaten oder in einem Jahr sehen“, wie das Ganze ausgehe.

Mobilisierungsmaßnahmen

Dem 23-Jährigen gehe es laut seinen Ärzten den Umständen entsprechend gut, seine Beine kann er aber momentan nicht bewegen. Erste Mobilisierungsmaßnahmen wurden bereits getroffen und auch für eine Rehabilitation wurden schon Kontakte geknüpft, sagte Seibert. Der Patient sei sich seiner Situation bewusst. Aus intensivmedizinischer Sicht ist „heute nicht konkret abschätzbar“, welchen Verlauf die Folgen nehmen werden, erklärte der Leiter der klinischen Abteilung für Allgemeine Anästhesiologie, Philipp Metnitz. Weil eine „Rückenmarkverletzung auf dieser Höhe und in diesem Umfang“ über Tage hinweg auch die Organe beeinträchtige, bleibe Müller vorerst „zur Überwachung und Stabilisierung auf der Intensivstation“, sagte Metnitz.

Brunner schilderte eingangs den Ablauf der Rettungskette: „Schon am Unfallort gab es den dringenden Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung. Der Notarzt entschied daher, den Patienten in ein Traumazentrum bringen zu lassen.“ Nach dem Eintreffen im LKH Graz wurde eine umfassende Computertomografie durchgeführt, um Begleitverletzungen auszuschließen. Zu dem Zeitpunkt war er auch ansprechbar, sagte Seibert. Die Untersuchungen bestätigten schließlich den Verdacht einer schweren Verletzung an der Wirbelsäule. Schon am Unfallort hatte der Villacher seine Beine nicht bewegen können.

Dritter Sportler seit Juni 2015

Im Vorjahr hatte der US-Amerikaner Nick Fairall bei einem Sturz in der Qualifikation zum Vierschanzen-Tournee-Finale in Bischofshofen einen Lendenwirbelbruch erlitten. Seither ist der 26-Jährige an den Beinen gelähmt. „Ich habe etwas Gefühl in den Beinen und kann sie etwas bewegen“, erklärte Fairall bei seiner Rückkehr nach Bischofshofen, und er arbeite hart an seiner Rehabilitation.

Müller ist nach der bei den Europaspielen von einem Bus überfahrenen Synchronschwimmerin Vanessa Sahinovic und der im Training verunglückten Stabhochspringerin Kira Grünberg der bereits dritte österreichische Sportler seit Juni des Vorjahres, der querschnittgelähmt ist. „Alles Gute, Lukas, ich denke an dich. Egal, was kommt, nicht aufgeben!“, richtete Grünberg bereits eine Botschaft an Müller.

Alles Gute, Lukas, ich denke an dich. Nicht aufgeben.

Kira Grünberg