Razzia in UEFA-Zentrale, auch FIFA-Chef im Visier

Sport / 06.04.2016 • 19:19 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
FIFA-Präsident Gianni Infantino ist durch die „Panama-Papers“ in große Erklärungsnot geraten. Foto: afp
FIFA-Präsident Gianni Infantino ist durch die „Panama-Papers“ in große Erklärungsnot geraten. Foto: afp

Infantino bestreitet angeblich zweifelhafte Geschäfte während seiner Zeit beim Europäischen Verband.

Zürich. Razzia in der UEFA-Zentrale und ein Strafverfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft: Der neue FIFA-Präsident Gianni Infantino gerät nur sechs Wochen nach seiner Wahl massiv in Bedrängnis und Erklärungsnot. Nach Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ unter Berufung auf die „Panama-Papers“ über angeblich zweifelhafte Geschäfte des früheren UEFA-Generalsekretärs durchsuchte die Schweizer Bundespolizei am Mittwoch die Zentrale der Europäischen Fußball-Union in Nyon. Die Beamten forderten Einsicht in die Verträge zwischen der UEFA und der Briefkastenfirma Cross Trading.

Polizei nannte keine Namen

Wenig später teilte die Schweizer Bundesanwaltschaft mit, wegen des „Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung und eventuell der Veruntreuung“ in einem Strafverfahren zu ermitteln. Diese richtet sich derzeit allerdings nicht gegen eine konkrete Person. Es stehe „in Zusammenhang mit dem Erwerb von TV-Übertragungsrechten und richtet sich gegen unbekannte Täterschaft“. Bei der Razzia in der noblen Verbandszentrale am Genfer See und an einem weiteren unbekannten Ort sollten Beweise sichergestellt werden.

Die UEFA, die tags zuvor noch ebenso wie Infantino in teils drastischer Wortwahl die Vorwürfe zurückgewiesen hatte, sicherte den Behörden ihre Zusammenarbeit zu. „Natürlich stellt die UEFA der Bundespolizei alle relevanten Dokumente in ihrem Besitz zur Verfügung und wird vollumfänglich kooperieren“, hieß es in einer Mitteilung.

Die „SZ“ hatte berichtet, dass Infantino 2006 in seiner Funktion als Direktor der UEFA-Rechtsabteilung Verträge mit dem Unternehmen Cross Trading unterzeichnet haben soll, deren Eigentümer zwei der heutigen Angeklagten im FIFA-Skandal waren. Dabei ging es um Fernsehrechte. Die südamerikanischen TV-Rechtehändler Hugo und Mariano Jinkis sollen mit den Verträgen damals TV-Rechte für die Champions League erworben und diese mit hohem Gewinn in Lateinamerika weiterverkauft haben.

Versprechen schon hinfällig

Keine zwei Monate nach seiner Wahl zum Nachfolger des gesperrten früheren FIFA-Chefs Joseph Blatter wurde das Versprechen Infantinos ad absurdum geführt. „Ich will eine neue Ära bei der FIFA einläuten, bei der der Fußball wieder ins Zentrum rückt“, hatte der Schweizer Ende Februar gesagt. Doch nun dominiert schon wieder das Geschehen abseits des Platzes die Schlagzeilen. Der ebenfalls durch die „Panama Papers“ in Bedrängnis gebrachte Anwalt Juan Pedro Damiani aus Uruguay trat am Mittwoch aus der FIFA-Ethikkommission zurück. Er soll drei Angeklagten im FIFA-Skandal zu Offshore-Firmen verholfen haben, über die möglicherweise Fußball-Funktionäre bestochen worden sein sollen. Die UEFA reagierte bestürzt auf die Medienberichte und suggerierte „nicht nur einen traurigen Tag für den Fußball, sondern auch einen traurigen Tag für den Journalismus“.

Falsche Aussagen

Infantino gab an, niemals mit Cross Trading oder deren Eigentürmern verhandelt zu haben. Der Bieterprozess sei damals nach einer offenen Ausschreibung der UEFA-Marketingabteilung geführt worden, ergänzte die UEFA. „Die Rechte wurden an Teleamazonas/Cross Trading vergeben, da dies der Höchstbietende auf dem Markt war“, teilte die UEFA mit. Einige Medien würden die Sachverhalte falsch darstellen und die Öffentlichkeit in die Irre führen, hieß es.

Vorwerfen lassen müssen sich UEFA und Infantino, dass sie zunächst falsche Auskünfte gegeben haben. Zunächst hatte die Konföderation im September 2015 der „SZ“ verneint, dass es geschäftliche Beziehungen mit Angeklagten im FIFA-Skandal gegeben hätte. Erst vor gut einer Woche habe die UEFA eingeräumt, dass es einen Vertrag mit der Firma von Jinkis gab.

Es gibt kein Anzeichen für ein Fehlverhalten von UEFA oder mir.

Gianni Infantino