Russland ab sofort auf Bewährung

Sport / 14.06.2016 • 21:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Russische und englische Hooligans prügelten sich im Stadion von Marseille. Nun zog die UEFA Konsequenzen und droht Russland bei abermaligen Ausschreitungen mit EM-Verweis.
Russische und englische Hooligans prügelten sich im Stadion von Marseille. Nun zog die UEFA Konsequenzen und droht Russland bei abermaligen Ausschreitungen mit EM-Verweis.

UEFA droht mit Platzverweis. Russlands Verband muss 150.000 Euro Strafe zahlen.

Paris. Die UEFA hat die Rote Karte für Russland schon in der Hand, doch auch die letzte Ermahnung vor dem angedrohten Ausschluss von der EURO 2016 lässt die Provokateure kalt. Ein bekannter Rechtsaktivist reist mit russischer Akkreditierung durch Frankreich, ein hochrangiger Funktionär fordert weitere Opfer, Dutzende Hooligans rüsten sich schon für die nächsten Ausschreitungen: Am Tag, an dem die Disziplinarkommission der UEFA ihr Urteil fällte, erreichten weitere Horrornachrichten die Fußball-EM.

„Ich kann nichts Schlimmes an kämpfenden Fans finden. Eher im Gegenteil. Bravo, Jungs. Macht weiter so!“, twitterte Igor Lebedew, ein Vorstandsmitglied des russischen Verbandes RFS. Eigentlich unfassbar. Zeitgleich kämpft einer der britischen Fans, die am vergangenen Samstag bei den schweren Krawallen in Marseille schwer verletzt wurden, weiter um sein Leben. Von den Tätern fehlt weiter jede Spur.

Kurz vor dem Rauswurf

Die russische Nationalmannschaft muss auch deshalb mehr denn je drastische Sanktionen fürchten. Für die Krawalle nach dem 1:1 gegen England im Stadion verhängten die UEFA-Richter einen Ausschluss auf Bewährung. Heißt: Fliegen in einem der Stadien, in denen Russen bei der EM noch spielen werden, wieder die Fäuste, ist die Sbornaja raus. Zudem muss man 150.000 Euro Strafe zahlen. Russlands Verband hat alle Sanktionen akzeptiert.

Am Dienstag verzeichnete die französische Polizei einen Teilerfolg: Die Behörden griffen nahe Marseille eine kleinere Gruppe russischer Fans auf, die sich offenbar auf den Weg nach Lille machen wollte, wo Russland am Dienstag (15.00/ZDF) gegen die Slowakei spielt. Einige der Anhänger, die als „Risiko“ für die öffentliche Sicherheit identifiziert wurden, wurden sofort ausgewiesen.

Kampf gegen Windmühlen

Alle wird die Polizei aber kaum erwischen können, die russischen Hooligans sind offenbar perfekt organisiert und kampferfahren. Deshalb droht am zweiten Gruppenspieltag der nächste Schlagabtausch mit vielen Verletzten: Lens, wo einen Tag nach dem Spiel der Russen gegen die Slowaken England auf Wales trifft (15.00/ARD), ist gut eine halbe Stunde mit dem Auto von Lille entfernt.

„Auf eine solche Chance habe ich zehn Jahre gewartet. 120 Russen haben 2000 Engländer in die Flucht geschlagen, und die ganze Welt hat es gesehen“, sagte ein russischer Hooligan, der unerkannt bleiben wollte, der französischen Nachrichtenagentur AFP in einem Interview in Moskau: „Wir sind hingegangen und haben gezeigt, dass die Engländer Mädchen sind.“

Moskau verurteilt Gewalt

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow verurteilte die Ausschreitungen in Südfrankreich als „absolut unakzeptabel“. Russland richtet 2018 die WM aus – für den allmächtigen Staatschef Waldimir Putin ist die Frankreich-Krise deshalb ein PR-Desaster. Die russische Delegation in Frankreich scheint das nicht zu kümmern. Laut des britischen „Guardian“ reist der bekannte Rechtsaktivist Alexander Schprygin, Gründer einer sehr zweifelhaften Fanvereinigung und in der Vergangenheit unter anderem mit dem Hitler-Gruß aufgefallen, mit einer offiziellen Akkreditierung des Riesenreichs durch Frankreich. Er ist Lebedews Assistent.

Und für den Funktionär sind nicht die Fans Schuld an dem, was in Marseille geschehen ist, sondern die Unfähigkeit der Veranstalter.