Nach Toyota-Drama erbt Porsche

Sport / 19.06.2016 • 19:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Japaner schieden in Le Mans kurz vor dem Ziel in Führung liegend aus. Jani-Team siegte.

Le Mans. (VN-dg) Was für ein Drama bei der 84. Auflage des 24-Stunden-Langstrecken-Klassikers für Toyota. Die Japaner standen mit ihrem neu konzipierten TS050-Hybrid-LMP1-Sportprototypen ganz nahe vor ihrem ersten Le-Mans-Sieg, doch es sollte einfach nicht sein. Fünf Minuten vor der Zielflagge funkte Kazuki Nakajima – mit 69 Sekunden Vorsprung auf Porsche komfortabel in Führung liegend – verzweifelt an seine Box, dass sein Auto keinen Antrieb mehr hat. Der „Nippon-Bomber“ wurde immer langsamer und blieb just auf der Start- und Ziel-Geraden stehen. 23 Stunden und 55 Minuten lief der Toyota wie ein Uhrwerk, hatte die Gegner von Porsche und Audi im Griff und dann das. In der Toyota-Box flossen die Tränen.

Die Toyota-LMP1-Sportprototypen TS050, die im Werk in Köln aufgebaut wurden, liefen rund. Schon nach wenigen Stunden hatten die Autos die Führung den beiden aus der ersten Startreihe – wegen starken Regens hinter dem Safety-Car – gestarteten Porsches abgeluchst. Praktisch im Formationsflug kontrollierten sie über weite Teile des Rennens das Geschehen, waren nur 14 Sekunden voneinander getrennt. In den frühen Morgenstunden setzte dann die stärkere Porsche-Mannschaft von Marc Lieb/Neel Jani/Romain Dumas mit vierfach-Stints (Drei-Stunden-Turns pro Fahrer) die Japaner erstmals mächtig unter Druck und konnte sich in der 18. Rennstunde auf Platz zwei setzen. Zwei Stunden vor Rennende führte der Toyota mit Sébastien Buemi/Kazuki Nakajima/Anthony Davidson mit nur 28 Sekunden Vorsprung auf den Porsche mit der Startnummer zwei.

Schlussdramatik pur

Zehn Minuten vor Rennende musste der zweitplatzierte Porsche-Schlussfahrer Neel Jani noch wegen eines schleichenden Plattfußes an einem Reifen nochmals seine Box ansteuern. Fünf Minuten später nahm die Toyota-Tragödie ihren Lauf. Im ersten Moment konnte niemand fassen, was da wirklich passierte. Weil der tragische Held Kazuki Nakajima für seine letzte Runde über elf Minuten benötigte (das Reglement schreibt sechs vor), scheinen er, Sébastien Buemi und Anthony Davidson nicht einmal im Endklassement auf. So erbten Neel Jani/Marc Lieb/Romain Dumas den Sieg. Für die zwei Erstgenannten war es der erste Le-Mans-Erfolg, für Dumas nach 2007 der zweite Sieg. Für Porsche war es der 18. Le-Mans-Triumph. Immerhin holte Toyota mit dem Schwesterauto mit Kamui Kobayashi/Michael Conway/Stéphane Sarrazin Rang zwei und tröstete die Japaner ein wenig über den sicher geglaubten Sieg hinweg.

Enttäuschung gab es bei Audi: Mit den Rängen drei und vier war man nie auf Schlagdistanz zu Toyota und Porsche. In der GT-Klasse setzte sich Ford im Duell mit Ferrari durch.