Weltmeister zwischen Comedy und Poolsieg

Sport / 20.06.2016 • 20:55 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seiner Unzufriedenheit verlieh Deutschlands Torhüter Manuel Neuer nach der Nullnummer gegen Polen Ausdruck.
Seiner Unzufriedenheit verlieh Deutschlands Torhüter Manuel Neuer nach der Nullnummer gegen Polen Ausdruck.

Vor dem Spiel gegen Nordirland entbrannte eine Debatte um die Führungsspieler.

Paris. Das erste Ziel heißt Lille. Der Weltmeister will mit Raffinesse und Selbstbewusstsein als Gruppensieger ins Achtelfinale stürmen – doch vor dem abschließenden EM-Vorrundenspiel gegen Nordirland wurde die deutsche Nationalmannschaft auf ihrem Weg vom beschaulichen Evian nach Paris weiter von der Debatte um die Führungsspieler verfolgt.

Während Bundestrainer Joachim Löw auf die Kritik gelassen reagiert, ging Sami Khedira vor dem Gruppen­finale im Pariser Prinzenpark ungewohnt forsch in die Offensive. „Dass man bei so vielen Persönlichkeiten, die führen wollen und führen können, eine Führungsspieler­debatte anfängt, ist ja Comedy“, sagte der 62-malige Nationalspieler dem kicker. Noch nie sei eine DFB-Elf so breit aufgestellt gewesen, was Führungsspieler betrifft.

Auch die Einschätzungen, dass Deutschland seinen bei der WM in Brasilien gezeigten spielerischen Glanz verloren habe, nannte Khedira (29) „plumpe Urteile“. Man könne von der Auswahl nicht erwarten, dass sie gegen solch defensiv eingestellte Teams wie die Ukraine oder Polen Feuerwerke abbrennt.

Der Bundestrainer ist nach wie vor von seiner Strategie überzeugt und lässt trotz des holprigen Starts keine Zweifel am Gruppensieg. „Wir wollen gegen Nordirland gewinnen – und wir werden gewinnen. Wir werden die Gruppe gewinnen“, sagte ein entschlossener Löw. „Wir müssen aus unterschiedlichen Positionen in der Spitze präsent sein und nicht nur mit einem sturen Mittelstürmer spielen. Wenn wir dem Gegner so Stress bereiten, können wir Tore machen“, forderte Löw von seinen Offensivkräften. Grundsätzlich sieht der Bundestrainer aber kein Problem in der Offensive.

Dies beurteilt der in bislang sieben EM-Spielen torlose Thomas Müller ähnlich. „Wir wünschen uns offensiv natürlich mehr Durchschlagskraft und mehr Torchancen.“ Gegen kampfstarke Nordiren werde es aber keinen Spaziergang und auch kein Schützenfest geben, fügte Müller hinzu und warnte vor überzogenen Erwartungen: „Wir wollen gewinnen, wir sind der Favorit gegen Nordirland. Wir können es aber nicht garantieren.“

Für Nordirlands „Dorf-Fußballer“ ist es das größte Spiel seit 30 Jahren. „Die Bühne ist bereit, Paris eine tolle Stadt, das Stadion fantastisch und der Gegner der Weltmeister in einem großen Turnier. Geht es besser?“, fragt Kapitän Steven Davis. Deutschland solle sich auf einen Kampf einstellen, sagte Jamie Ward: „Wir sind ein hart arbeitendes Team, lassen dem Gegner nicht viel Zeit am Ball. Das wird für die Deutschen vielleicht etwas ungewohnt“, sagt der Stürmer: „Wahrscheinlich sorgen sie sich nicht besonders um uns – aber wir werden ihnen Probleme bereiten.“

Trainer Michael O’Neill weiß, wie Deutschland zu besiegen ist. Der Ex-Nationalspieler stand 1982 in der Startformation, als der große Außenseiter die DFB-Auswahl in der EM-Qualifikation mit 1:0 bezwang. Damals wie heute sollen eine beinharte Abwehr und schnelle Konter die Schlüssel zum Erfolg sein.