Jakob Pöltl, Pionier in der NBA

Sport / 22.06.2016 • 22:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Großer Tag heute für Jakob Pöltl: der 20-Jährige bekommt als erster Österreicher einen Vertrag in der NBA. Foto: apa
Großer Tag heute für Jakob Pöltl: der 20-Jährige bekommt als erster Österreicher einen Vertrag in der NBA. Foto: apa

Der Basketballer aus Wien startet mit dem Draft in New York seine NBA-Karriere.

New York. Ein Vergleich mit Dirk Nowitzki geht Jakob Pöltl dann doch etwas zu weit. „Das ist vielleicht noch ein bisschen früh, wenn man bedenkt, was er geleistet und erreicht hat“, sagt der Ausnahme-Basketballer vor seinem Sprung in die NBA, freut sich aber natürlich über die Vorschusslorbeeren: „Ich nehme es einfach als Kompliment.“ Als „Alpen-Nowitzki“ wird der 20-Jährige in Anlehnung an den deutschen Superstar immer mal wieder bezeichnet. Und Pöltl ist tatsächlich etwas Besonderes. In der Nacht zum Freitag (1.00 Uhr) wird er beim Draft der Profiliga ganz früh ausgewählt und schreibt Geschichte. Pöltl ist der erste rot-weiß-rote Spieler, der es in die beste Liga der Welt schafft.

Von Aufregung keine Spur

Als Nummer neun nach Toronto? Als Nummer zehn nach Milwaukee? Oder vielleicht als Nummer elf nach Orlando im schönen Florida? Pöltl ist das ziemlich egal. „Ich habe nicht wirklich ein Wunschteam“, sagt er kurz vor dem großen Moment.

Es stehen ereignisreiche Tage bevor. Seit Anfang der Woche ist Pöltl in New York, wo die Talente wie in jedem Jahr auf die 30 Klubs verteilt werden. Er flog aus Salt Lake City ein, dort hat der Wiener zwei Jahre am College für die Utah Utes gespielt. Nun kommt eine größere Aufgabe, es geht in die NBA.

„Das ist eine Ehre. Es bedeutet mir sehr viel“, sagt Pöltl. Der 2,13-m-Hüne nimmt einen Weg, den noch keiner seiner Landsleute genommen hat, geschweige denn nehmen konnte. Darum wird der Pionier in gewisser Weise auch zum Entwicklungshelfer. „Basketball ist in Österreich nicht sehr populär. Die Liga ist nicht sehr stark im europäischen Vergleich“, sagt er und wünscht sich, dass durch seinen Aufstieg „auch einiges in dieser Richtung weitergehen wird“.

Dass Pöltl es als erster schafft, hat gute Gründe. Am College etablierte er sich schnell, kam in der abgelaufenen Saison im Schnitt auf 17,2 Punkte und 9,1 Rebounds. Für seine Leistungen erhielt er den prestigeträchtigen Kareem Abdul-Jabbar Award für den besten Center.

Kein Wunder, dass er beim Draft wohl als einer der ersten zehn Kandidaten ausgewählt wird und es in der öffentlichen Wahrnehmung Parallelen zu Nowitzki gibt. Pöltl ist hochtalentiert, genauso groß wie der Deutsche und kann auch auf dessen Position (Power Forward) spielen. Pöltl backt aber lieber kleine Brötchen, statt sich an den Großen zu orientieren: „Ich werde in den ersten Jahren versuchen, Fuß zu fassen. Ich muss mich reinleben in die Rolle.“

Drei Tage, 14 Teams

Im Vorfeld gab es viel Stress. „Ich wurde viel zu meinem Background befragt“, berichtete Pöltl, der innerhalb von drei Tagen mit 14 Teams redete, darunter den LA Lakers oder den Boston Celtics. „Es waren zum Teil hartnäckige Fragen mit psychologischem Hintergrund dabei, aber auch Rechenaufgaben und kuriose Fragen wie ‚Wie viele Basketbälle passen in diesen Raum?‘“, meinte Pöltl, der kürzlich bei der Agentur Creative Artists Agency unterschrieb.

Wo seine NBA-Karriere beginnt, erfährt er im teuren Barclays Center in Brooklyn. Mit einem Vertrag bei seiner persönlichen Nummer eins wird es für Pöltl wohl nichts. Die Boston Celtics sind erst an Position 16 dran. „Ich weiß gar nicht, ob ich jetzt noch ein Lieblingsteam haben darf“, scherzt Pöltl. Doch darum geht es ohnehin nicht: „Ich will zu einem Team, bei dem ich gescheit dazu passe.“

Ich will zu einem Team, bei dem ich gescheit dazu passe.

Jakob Pöltl

Basketball

Draft-Lotterie der NBA 2016

1. Philadelphia 76ers

2. Los Angeles Lakers

3. Boston Celtics (Recht von Brooklyn)

4. Phoenix Suns

5. Minnesota Timberwolves

6. New Orleans Pelicans

7. Denver Nuggets (von New York Knicks)

8. Sacramento Kings

9. Toronto Raptors (von Denver Nuggets)

10. Milwaukee Bucks

11. Orlando Magic

12. Utah Jazz

13. Phoenix Suns (von Washington Wizards)

14. Chicago Bulls

Der ORF überträgt den NBA Draft live in ORF SPORT + in der Nacht von Donnerstag auf Freitag um 1.00 Uhr