Brändle gab mit Titel-Doppelpack Votum für Olymia-Nominierung ab

Sport / 26.06.2016 • 20:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Matthias Brändle wurde zum vierten Mal nach 2009, 2013 und 2014 Zeitfahrmeister und fuhr zum ersten Straßentitel. Foto: Bettini
Matthias Brändle wurde zum vierten Mal nach 2009, 2013 und 2014 Zeitfahrmeister und fuhr zum ersten Straßentitel. Foto: Bettini

Hohenemser Radprofi holt sich die nationalen Titel im Zeitfahren und Straßenrennen.

strasswalchen. (VN-akp) Der Flachgau erwies sich als goldenes Pflaster für Matthias Brändle. Der 26-jährige Hohenemser sicherte sich bei der Rad-Staatsmeisterschaft im Einzelzeitfahren und im Straßenbewerb gleich beide Titel. Damit kürte sich der Ex-Stundenweltrekordler erstmals in seiner Karriere zum Meister auf der Straße. Im Kampf gegen die Uhr ist es bereits sein vierter Triumph nach 2009, 2013 und 2014.

Im Straßenbewerb waren neben den heimischen Teams alle österreichischen Auslandsprofis am Start. Nach acht Runden bzw. 202 Kilometern gewann der IAM-Profi den Sprint aus einer dreiköpfigen Spitzengruppe hauchdünn vor Gregor Mühlberger (NÖ) und Michael Gogl (OÖ). „Ich habe zehn Kilometer vor dem Ziel attackiert, wurde aber von meinen Fluchtgefährten eingeholt. Dann habe ich es bei der 1000-Meter-Marke nochmals versucht und durchgezogen. Ich habe mir das Rennen sehr gut eingeteilt und durfte mich auf die Hilfe von Pro-Cycle-Fahrer Max Hammerle verlassen“, führte Brändle aus und betonte: „Diese beiden Titel bedeuten mir sehr viel. Ich werde das Meistertrikot mit Stolz tragen. Ich hoffe, dass ich damit gezeigt habe, dass ich einen Start bei den Olympischen Spielen in Rio verdient habe.“

Nationaltrainer Franz Hartl will seine Nominerung in dieser Woche bekannt geben. Österreich hat lediglich zwei Startplätze für den Straßenbewerb zur Verfügung, einer der beiden ÖRV-Fahrer wird zusätzlich das anspruchsvolle Zeitfahren absolvieren.

Die Vorarlberger Tobias Wauch (Wibatech) als Neunter und Patrick Jäger (Team Vorarlberg) als Zwölfter, Rückstand jeweils +4:55 Minuten, sorgten für weitere gute Platzierungen bei den Straßentitelkämpfen.

Fahrt im Gewittersturm

Der Weg von Brändle zum Triumph im Kampf gegen die Uhr erwies sich als extremer Härtetest. Als die letzten zehn Starter, darunter alle Favoriten, auf die 22 Kilometer lange coupierte Strecke gingen, gab es einen Wetterumschwung. Sturmböen und Starkregen brachten Mensch und Material an ihre Grenzen. Brändle setzte sich mit einem Vorsprung von 42 Sekunden vor Clemens Fankhauser (T), der bei trockenen Bedingungen gefahren war, und Riccardo Zoidl (OÖ, +1:04 Min.) durch. „Ich habe nichts mehr gesehen und riss das Visier vom Helm. Mit aller Körperkraft musste ich gegen den Wind ankämpfen. Die Straße hatte sich in einen Bach verwandelt und in der letzten Kurve stand das Wasser 40 Zentimeter hoch“, beschreibt Brändle die schwierigen Umstände. Felix Großschartner (OÖ) wurde vom Wind buchstäblich in ein Feld verweht und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Er erlitt starke Prellungen am Oberschenkel. Tour-de-France-Starter Georg Preidler (St) stieg nach der ersten Zwischenzeit vom Rad. „Plötzlich lag ein Baum vor mir auf der Straße, ich konnte gerade noch ausweichen. Das war lebensgefährlich, daher bin ich ins Auto gestiegen“, so der Giant-Profi über die Titelkämpfe an der Grenze der Regularität. Auch Andreas Graf und Andreas Hofer (beide NÖ) kamen zu Sturz. Laut Reglement wird ein Rennen jedoch gewertet, wenn 80 Prozent der Fahrer im Ziel sind, was der Fall war.

Für einen weiteren Medaillengewinn aus heimischer Sicht sorgte Melanie Amann mit Bronze im Zeitfahren der Unter-23-Klasse Die 19-jährige Hohenemserin stand damit in ihrem ersten Antreten in dieser Altersstufe bei nationalen Titelkämpfen auf dem Podest.

Ich hoffe, dass ich mit diesen beiden Titeln gezeigt habe, dass ich einen Olympia-Start verdient habe.

matthias brändle