Zauberfüßchen Draxler so gar nicht abgehoben

Sport / 27.06.2016 • 21:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Explodierte gegen die Slowakei: Julian Draxler überzeugte im Dribbling, als Vorlagengeber und auch als Torschütze.
Explodierte gegen die Slowakei: Julian Draxler überzeugte im Dribbling, als Vorlagengeber und auch als Torschütze.

Trotz Superleistung bleibt der Wolfsburg-Spieler der nette Junge von nebenan.

Lille. Wird Julian Draxler zum entscheidenden Ass im Poker der deutschen Elf um den EM-Titel? Beim 3:0 über die Slowakei hat der Außenstürmer mit einem Tor und einem Assist seine Klasse bewiesen. Vor allem dürfte mit dem Wolfsburg-Spieler nun auch auf längere Sicht der Ersatzmann für den seit Monaten schwächelnden Mario Götze gefunden worden sein. Im Interview zeigte sich der 22-Jährige trotz seines persönlichen Hochs gar nicht abgehoben.

Ein Tor erzielt, eines aufgelegt – nicht schlecht für einen Spieler, der in der Partie davor noch auf der Ersatzbank gesessen ist.

Draxler: Es freut mich natürlich, dass ich einen so großen Teil zum Sieg beitragen konnte. Das ist aber immer auch eine Frage der Mannschaft.

Könnte dieses Spiel für Sie der ganz große Durchbruch in der Nationalmannschaft gewesen sein?

Draxler: Ich bin einmal froh, dass ich bei einem Großturnier ein solches Ausrufezeichen gesetzt habe, nachdem ich mich bei der WM in Brasilien oft hinten anstellen musste. Natürlich hoffe ich, dass ich in meiner Karriere noch viele solcher Spiele abliefern kann.

Sie haben in den ersten beiden Partien begonnen, waren dann Ersatz und waren jetzt wieder von Beginn an dabei. Ist das nicht nervenaufreibend?

Draxler: Der Trainer lässt sich bei der Aufstellung nie gerne in die Karten schauen. Ich habe es auch diesmal erst einige Stunden vor dem Spiel erfahren. Das gehört einfach dazu. Meine Argumente sind jetzt einmal gut, um in der Mannschaft zu bleiben. Die Entscheidung trifft aber der Trainer.

Woran lag es, dass mit Ihnen auch die deutsche Mannschaft so souverän aufgetreten ist?

Draxler: Es gab die klare Ansage des Trainers, dass er uns stärker im Eins-gegen-eins sehen möchte. Und wenn er das will, dann versucht man es auch zu zeigen. Wenn das bei den ersten beiden Versuchen klappt, dann steigt natürlich das Selbstvertrauen. Und dann spürt man auch, dass in einem solchen Spiel mehr gehen könnte.

Sie stehen in Konkurrenzkampf mit Mario Götze um einen Platz in der Startelf. Wie geht man da untereinander um?

Draxler: Das gehört dazu, wenn man Europameister werden will. Er hat mir vor dem Spiel Mut zugesprochen. Ich habe es vor dem Nordirland-Match umgekehrt genauso gemacht.

Wie viele Glückwunschmitteilungen bekommt ein deutscher Nationalteamspieler nach solch einer Partie?

Draxler: Ich habe sie nicht gezählt. Aber eines ist mir schon aufgefallen: Wenn man ein Spiel gewinnt und ein Tor schießt, dann hat man immer viele Freunde.

Ist Deutschland jetzt endgültig der große Titelfavorit?

Draxler: Ich möchte mich eigentlich nicht auf die Stärken anderer Teams festlegen. Es gibt jetzt nur noch große Fußballnationen in diesem Turnier. Darum ist es mir auch egal, wen wir in den nächsten Spielen als Gegner erhalten. Ich habe keine Lieblingsgegner – und lasse mich da gerne überraschen. Wir schauen auf uns – und werden optimal auf jeden Gegner eingestellt.

Wie angenehm ist es, mit Mario Gomez zu spielen?

Draxler: Bei ihm weiß man immer, dass er dort steht, wo man stehen muss.