„Beide haben die Führungsqualität“

Sport / 20.07.2016 • 21:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Der Chef ist auch mit 33 Jahren gut in Schuss: Sebastian Brandner (Zweiter von rechts) mit seinen Torleuten Andreas Lukse, Benjamin Ozegovic und Martin Kobras (v. l.). Fotos: VN/Stiplovsek
Der Chef ist auch mit 33 Jahren gut in Schuss: Sebastian Brandner (Zweiter von rechts) mit seinen Torleuten Andreas Lukse, Benjamin Ozegovic und Martin Kobras (v. l.). Fotos: VN/Stiplovsek

Neo-Tormanntrainer Brandner ist voll des Lobes über Martin Kobras und Andreas Lukse.

Altach. Kaum einer kennt den Altacher Cheftrainer Damir Canadi so lange wie Sebastian Brandner. Er war sein Coach, als der Vorarlberger 2004 nach Wien ging, um Architektur zu studieren und er dann beim SV Donau in der Stadtliga anheuerte. Davor stand er als Profi beim FC Lustenau zwischen den Pfosten und spürte schon damals, dass er durchaus seine Probleme mit der Nummer-eins-Position hatte. Seit sechs Jahren ist Brandner nun schon beim Cashpoint SCR Altach, Walter Hörmann holte ihn einst aus Wien zurück. „Eigentlich wollte ich in Wien bleiben, heute will ich nicht mehr weg aus Vorarlberg“, lacht Brandner, wenn er Anekdoten aus dieser Zeit erzählt. Seit dieser Saison nun ist er neu im Trainerstab, als Coach der Torleute. Die dafür notwendige Ausbildung wird er ab Herbst angehen.

Seit Sommer sind Sie wohl der jüngste Torhütertrainer Österreichs. Haben Sie bei dem Angebot lange überlegt?

Sebastian Brandner: Länger (schmunzelt) . . ., weil die Konstellation doch so war, dass ich noch relativ jung bin und sportlich das eine oder andere noch erreichen wollte. Ich habe mich mit meiner Freundin und Familie besprochen. In der Überlegungsphase habe ich dann gespürt, dass ich mich in der ersten Reihe vielleicht nicht so wohl fühle. Letztendlich war der Schritt nicht so groß, weil der Prozess schon länger in mir keimte.

Das heißt, Sie können sich vorstellen, langfristig als Tormanntrainer zu arbeiten?

Brandner: Durchaus, zumal es ja nicht wirklich alltäglich ist, dass man als dritter Torhüter gleich zum Tormanntrainer aufsteigt. Aber schon im Vorjahr durfte ich in der Jugend und bei den Amateuren das Training der Torhüter leiten. Im Nachhinein war das eine extrem lehrreiche Saison für mich, weil ich viele unkonventionelle Dinge probieren durfte und merkte, was funktioniert und was nicht.

Wie ging der Wechsel vom Spieler zum Trainer vonstatten?

Brandner: Wichtig war, dass wir drei, ich spreche jetzt Martin Kobras und Andreas Lukse an, stets einen respektvollen Umgang hatten und uns schon als Athleten immer ausgetauscht haben. Das war eine gute Basis, aber natürlich habe ich viele Gespräche geführt, um eine neue Vertrauensbasis zu schaffen.

Gespräche sind also wichtig, auch in der täglichen Arbeit?

Brandner: Absolut, auch um den Spielern zu vermitteln, dass sie sich in verschiedenen Bereichen noch verbessern können.

Mit Kobras und Lukse hat Altach eigentlich zwei Einsergoalies im Kader. Können Sie die beiden vielleicht ein wenig charakterisieren?

Brandner: Jedenfalls sehe ich sie anders, als sie in der Öffentlichkeit – Kobras, der Arbeiter, und Lukse, der Talentierte – wahrgenommen werden. Martin ist unheimlich talentiert, mit dem Fuß und mit den Händen. Andreas dagegen ist der Wettkampft schlechthin. Ich kenne keinen, der so ruhig im Spiel ist, sein Flow zustand ist gigantisch.

Hat auch die Torhütergruppe in Altach eine Zielsetzung.

Brandner: Natürlich haben wir uns Ziele gesetzt, wie die Mannschaft, wie andere kleinere Gruppen. Aber diese behalten wir bei uns. Nur so viel: Sie sind nicht so hochtrabend, sondern realistisch.

Als Torhütertrainer entscheiden Sie auch in Sachen Aufstellung mit. War das schwierig für Sie?

Brandner: Das war bislang sicher meine größte Herausforderung. Diese Geschichte war nicht einfach. Natürlich hilft es, dass wir in Altach jetzt eine Konstellation im Trainerteam haben, die zusammen Verantwortung tragen. Letztendlich muss es Entscheidungen geben. Diese obliegen in letzter Instanz dann dem Cheftrainer.

Sie haben das Architektur-Studium abgeschlossen und auch selbstständig als Architekt gearbeitet. Nun sind Sie in das Altacher Stadiumprojekt maßgeblich miteingebunden. Eine spannende Aufgabe?

Brandner: Für mich eine wunderbare Aufgabe, weil ich auch mich dadurch aus der Sicht eines Spielers einbringen kann. So erfährt unser Stadionarchitekt Konrad Hänsler, wie Funktions- und Organisationsabläufe einer Mannschaft in der Vobereitung auf ein Spiel oder bei Trainingseinheiten aussehen. Deshalb haben wir auch das Gesamtkonzept des Campus Altach noch einmal überarbeitet. Wir versuchen jetzt Schritt für Schritt die Umsetzung voranzutreiben, was natürlich ein längerfristiger Prozess ist.

Zur Person

Sebastian Brandner

Seit Juni 2016 Trainer der Torhüter des Cashpoint SCR Altach

Geboren: 8. Februar in Bludenz

Ausbildung: Sportgymnasium/Matura, Studium an der TU/Architektur

Familie: Freundin Stefanie

Laufbahn: Dornirner SV, FC Lustenau, SV Donau, First Vienna FC, SCR Altach (bis 2016)

Bundesliga-/Erste-Liga-Spiele: 3/13