Bestmarke auf olympischer Bühne

20.07.2016 • 17:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein gewohntes Bild: Regina Branner oben am Siegerpodest.
Ein gewohntes Bild: Regina Branner oben am Siegerpodest.

Regina Branner holte sich mit Rekordstoß Rang sieben im Kugelstoßen.

Schwarzach. Es spricht für die exzellente Arbeit in der Vorarlberger Leichtathletik, dass mit Regina Branner und Reinelde Knapp gleich zwei Athletinnen zu den Olympischen Spielen 1956 entsandt wurden, obwohl seitens des ÖOC aus Kostengründen das Kontingent mit 29 Sportler(innen)n sehr niedrig gehalten wurde.

Branner war Mitte der 1950er-Jahre dank ihrer Qualitäten in den technischen Disziplinen eine der besten heimischen Mehrkämpferinnen. Bereits 1954 hatte die Athletin der TS Rankweil ihren ersten Staatsmeistertitel gewonnen und auch im Kugelstoßen triumphiert. Lohn war die Entsendung zur EM nach Bern gewesen, wo sie in ihrer Spezialdisziplin Elfte wurde. Innerhalb kurzer Zeit schaffte sie den Anschluss an die erweiterte europäische Spitze.

Anfang der Olympiasaison 1956 stand Branners österreichischer Rekord bei 13,50 m, aber mit einer wahren Leistungsexplosion steigerte sich die 25-Jährige innerhalb weniger Monate fast um einen Meter. Spätestens nach ihrer Anfang September in Gisingen aufgestellten Marke von 14,45 m hatte sie das Olympiaticket fix in der Tasche.

Mit Rekordwurf im Finale

In Melbourne fixierte Branner mit 13,87 m gleich im ersten Versuch problemlos den Finaleinzug. Die Entscheidung eröffnete sie mit einem Sicherheitsstoß auf 14,04 m. Beim zweiten Versuch explodierte die exzellente Technikerin dann aber förmlich, und die Kugel landete bei der neuen österreichischen Bestmarke von 14,60 m.

Damit hatte Branner nicht nur ihre Entsendung ins ferne Australien mehr als gerechtfertigt, sondern auch den Beweis angetreten, dass sie sogar mit den Weltbesten mithalten konnte. Als Siebte wollte sie dann beim dritten Versuch die Chance auf das Finale und drei weitere Versuche nutzen, was ihr mit einem ungültigen Stoß aber misslang. Ihr Rekord sollte dennoch über ein Jahrzehnt halten.

Dass die damals 25-jährige Rankweilerin zur absoluten Spitze – die sowjetische Olympiasiegerin Tamara Tyschkewitsch erzielte eine Weite von 16,59 m – knapp zwei Meter fehlten, muss relativ gesehen werden. Jahre später standen fast alle damaligen sowjetischen Athletinnen in der Kritik, auch die 120 kg schwere Olympiasiegerin und ihre zweit- und viertplatzierten Landsfrauen.

Nach dem Höhepunkt ihrer Karriere in Melbourne trat Branner vom aktiven Sport zurück

Branner war eine außergewöhnlich vielseitige Athletin . Fotos: Privat/2
Branner war eine außergewöhnlich vielseitige Athletin . Fotos: Privat/2

Zur Person

Regina Branner (verh. Egger)

Die Rankweilerin dominierte in den Fünfzigerjahren die nationale Leichtahletikszene in den Stoß- und Wurfdisziplinen .

Geboren: 5. September 1931

Erfolge: Olympische Spiele 1956 Siebente Kugelstoßen; Europameisterschaften 1954 Elfte Kugelstoßen; Österreichische Meisterin: Kugelstoßen 1954, 1955, 1956, Speerwerfen 1954, Fünfkampf 1954, 1956

Österreichische Rekorde: Kugelstoßen: 13,50 m/7. 8. 1954 in Linz, 13,77 m/27. 5. 1956 in Lindau, 13,99 m/27. 5. 1956 in Lindau, 14,11 m/3. 6. 1956 in Wien, 14,25 m/4. 8. 1956 in Wien, 14,45 m/5. 9. 1956 in Gisingen, 14,60 m/30. 11. 1956 in Melbourne; Fünfkampf: 4155 Punkte/22./23. 9. 1956 in Gisingen