Die Sowjetrussen verhinderten eine Medaille

21.07.2016 • 20:40 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hans Sauter war der Grandseigneur der nationalen Turnszene.
Hans Sauter war der Grandseigneur der nationalen Turnszene.

Der Turner aus Bregenz landete bei den Sommerspielen 1952 auf dem sechsten Platz.

Schwarzach. Hans Sauter war der überragende österreichische Turner der 1950er-Jahre und nahm zwischen 1948 und 1960 vier Mal an Olympischen Spielen teil. Schon die ersten Sommerspiele in London waren für den Bregenzer ein vor allem persönlich einzigartiges Erlebnis gewesen. Aus sportlicher Sicht wurden jedoch die Spiele von Helsinki zum Karriere-Höhepunkt.

Auf dem Weg zu seinen zweiten Spielen hatte der damals 27-jährige Sauter die nationale Konkurrenz um Längen distanziert und holte bis 1952 nicht weniger als insgesamt 22 Staatsmeistertitel. 1951 gelang Sauter sogar der totale Triumph: Meister im Mehrkampf und an allen sechs Geräten. Am Ende seiner Laufbahn standen 43 Goldene bei ÖFT-Titelkämpfen zu Buche.

Die Eleganz in Person

Auftritte bei Turnfesten, darunter 1953 in Hamburg vor 30.000 Zuschauern, zeigten, dass der Aktive der TS Bregenz-Vorkloster durchaus zur erweiterten europäischen Spitze zählte, und so war die Nominierung für das österreichische Olympia-Aufgebot reine Formsache. Für den Ausnahmeturner war in Helsinki aber urplötzlich alles anders, denn die erstmalige Teilnahme sowjetischer Turner sorgte unter allen Athleten für Staunen und Verwunderung, weil sie die Konkurrenz mit völlig neuen Übungsteilen schockten. Sauter ließ sich jedoch nicht entmutigen und turnte das, was er konnte. Er zeigte äußerst konstante Leistungen und belegte im Teambewerb mit seinen Kollegen (darunter auch die Vorarlberger Friedrich Fetz, Franz Kemter und Hermann Klien) den elften Platz. Im Mehrkampf landete der 27-Jährige nach sechs Geräten auf dem 22. Platz, womit er 40 Ränge vor dem zweitbesten Österreicher lag.

Im Pferd-Finale dabei

Die absolute Sensation war jedoch, dass Sauter am Seitpferd der Sprung ins Finale der besten sechs gelungen war. Mit einer Note von 9,60 Punkte hatte er sich hauchdünn für den Kampf um die olympischen Medaillen qualifiziert. Auch hier war die Überlegenheit der Sowjets erdrückend, sie hatten gleich vier Athleten ins Finale gebracht. Aber der Bregenzer zeigte an seinem Paradegerät seine ganze Klasse, war mit 9,55 Punkten Viertbester im Finale, wurde aber wegen der schlechtesten Vorkampfnote als Sechster gereiht. Vor ihm lagen vier russische Athleten und der Schweizer Mehrkampf-Dritte Sepp Stalder.

Bei seinem einzigen EM-Start 1955 konnte Sauter, der zudem 1956 und 1960 an Olympischen Spielen teilnahm, an die Bravourleistung von Helsinki anschließen und gewann Bronze am Seitpferd.

Hohes Ansehen erlangte der 2014 im Alter von 89 Jahren verstorbene auch durch sein bescheidenes und vorbildliches Auftreten.

Sauter holte insgesamt 43 Staatsmeistertitel. Fotos: Privat/2
Sauter holte insgesamt 43 Staatsmeistertitel. Fotos: Privat/2

Zur Person

Hans Sauter

Der 44-fache Staatsmeister war ein Jahrzehnt Österreichs überragender Kunstturner.

Geboren: 6. Juni 1925 in Bregenz

Gestorben: 1. Oktober 2014

Erfolge: Olympische Spiele: 1948: 9. Team, 66. Mehrkampf (36. Seitpferd, 57. Reck, 63. Barren, 70. Boden, 86. Ringe, 88. Pferdsprung); 1952: 11. Team, 22. Mehrkampf (6. Seitpferd, 23. Barren, 29. Reck, 32. Ringe, 54. Pferdsprung, 71. Boden); 1956: 60. Mehrkampf (38. Ringe, 43. Barren, 47. Pferdsprung, 62. Reck und Seitpferd, 63. Boden); 1960: 16. Team, 79. Mehrkampf (65. Seitpferd, 72. Reck, 73. Pferdsprung, 79. Ringe, 83. Barren, 99. Boden); WM 1954: 13. Team; EM1955: 14. Mehrkampf (3. Seitpferd); 43-facher Staatsmeister (darunter acht Mal zwischen 1949 und 1959 im Mehrkampf)