Dopingalarm nimmt kein Ende

Sport / 22.07.2016 • 22:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bislang waren 98 der insgesamt 1243 nachgetesteten Dopingproben von Peking und London positiv.  Foto: ap
Bislang waren 98 der insgesamt 1243 nachgetesteten Dopingproben von Peking und London positiv. Foto: ap

Weitere 45 Athleten bei Olympischen Spielen 2008 und 2012 positiv getestet.

Lausanne. Der Dopingschrecken nimmt kein Ende. Kurz vor seiner Entscheidung über einen Ausschluss aller russischen Sportler von den Sommerspielen in Rio de Janeiro vermeldete das Internationale Olympische Komitee (IOC) weitere 45 positive Proben bei Nachtests der Spiele 2008 in Peking und 2012 in London. Unter den 30 überführten Dopingsündern von Peking befinden sich 23 Medaillengewinner!

„Die neuen Nachanalysen zeigen einmal mehr das Engagement des IOC im Kampf gegen Doping“, erklärte IOC-Präsident Thomas Bach. Die betreffenden Sportler, Nationalen Olympischen Komitees und Weltverbände wurden informiert. Namen der Sportler nannte das IOC nicht, die Öffnung der B-Proben steht noch aus. Alle überführten Athleten müssen mit einer Sperre sowie dem Aus für die Spiele in Rio (5. bis 21. August) rechnen.

Zurückhaltung beim ÖOC

Das Österreichische Olympische Komitee (ÖOC) hält sich in der Beurteilung der Sachlage zurück und verweist auf eigene Anstrengungen im Anti-Doping-Bereich. „Man muss die endgültige Entscheidung des IOC abwarten“, meinte ÖOC-Präsident Karl Stoss vor den Beratungen der IOC-Spitze in Lausanne. Parallel dazu betonte ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel, dass man diesbezügliche keine Mitteilung des IOC erhalten hat. „Wir wissen von nichts, gehen davon aus, dass kein Österreicher betroffen ist.“

Als wahrscheinlich gilt, dass erneut zahlreiche russische Sportler überführt worden sind. Bei der ersten Nachuntersuchung von Peking stammten von 30 erwischten Athleten alleine 14 aus dem größten Land der Erde, darunter wohl zehn Medaillengewinner. Von den 23 positiven London-Proben im Mai stammten acht aus Russland. Weitere positive Fälle aus Russland wären auch Öl ins Feuer derjenigen, die nach der Veröffentlichung des McLaren-Reports über staatlich gestütztes Doping vehement einen Ausschluss Russlands von den Spielen in Rio fordern.

Nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS am Donnerstag bereits den Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten bestätigt hatte, steht das Internationale Olympischen Komitee nun vor einer folgenschweren Entscheidung. Am Sonntag berät die 15-köpfige IOC-Exekutive in einer Telefonkonferenz darüber, ob erstmals in der Geschichte ein Land wegen Staatsdopings von den Spielen verbannt wird. Bis spätestens Dienstag will IOC-Chef Bach dann eine Entscheidung verkünden.

Anordnung von Putin

Vor dem wegweisenden Urteil des Olymp startete Staatspräsident Wladimir Putin einen erneuten Versuch, die Weltregierung des Sports doch noch auf seine Seite zu ziehen. In seinem klaren Anti-Doping-Bekenntnis heißt es: „Die offizielle Position der russischen Regierung, des Präsidenten und uns allen ist, dass es im Sport keinen Platz für Doping gibt und geben kann“, sagte Putin, der seinen Ministern auftrug, eine Anti-Doping-Kommission zu installieren.

Die zwei Wochen vor Beginn der Rio-Spiele vom IOC veröffentlichten Zahlen sind das Ergebnis der zweiten Welle der Nachuntersuchungen von Proben der vergangenen beiden Sommerspiele. Im Blickpunkt standen dabei erneut jene Athleten, die für einen Start in Brasilien infrage kamen. Die positiven Fälle von Peking kommen aus vier Sportarten und betreffen acht Länder. Die 15 auffälligen Ergebnisse von London stammen von Aktiven aus zwei Sportarten und neun Ländern.

Damit sind in den ersten beiden Durchgängen der Nachuntersuchungen bislang insgesamt 98 positive Fälle bekannt geworden. Im Mai waren in der ersten Welle 30 Sportler bei den Spielen 2008 und 23 bei denen vor vier Jahren nachträglich überführt worden.

Paralympics auch betroffen

Russlands Sport droht wegen der aktuellen Ereignisse auch der Ausschluss von den Paralympics in Rio de Janeiro. Das Internationale Paralympics Komitee (IPC) beschloss am Freitag bei einer Telefonkonferenz seines Verwaltungsrates die Eröffnung eines Ausschlussverfahrens.

Da es vom IOC diesbezügliche keine Mitteilung gab, denke, ich, dass kein ÖOC-Aktiver betroffen ist.

Peter Mennel