IOC verletzt das Gleichheitsprinzip

Sport / 25.07.2016 • 21:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Olympia-Sportler mit Dopingvergangeneheit: Tennisspieler Marin Cilic, Fechter Andrea Baldini, Radler Alejandro Valverde, Schwimmer Sun Yang, Sprinter Justin Gatlin und Schwimmer Ning Zetao. Foto: ap
Olympia-Sportler mit Dopingvergangeneheit: Tennisspieler Marin Cilic, Fechter Andrea Baldini, Radler Alejandro Valverde, Schwimmer Sun Yang, Sprinter Justin Gatlin und Schwimmer Ning Zetao. Foto: ap

Der Ausschluss russischer Ex-Doper widerspricht Urteilen des Sportgerichts CAS.

LAusanne. Das Internationale Olympische Komitee hat russischen Athleten mit Doping­vergangenheit die Teilnahme an den Sommerspielen in Rio verweigert. Dieser dritte Punkt der IOC-Stellungnahme zum russischen Dopingskandal steht aber im Gegensatz zu Urteilen des Obersten Sportgerichts in Lausanne.

Dieses hatte 2011 eine drei Jahre zuvor beschlossene IOC-Regel („Osaka-Regel“) gekippt, wonach Dopingsünder nach einer mehr als sechsmonatigen Sperre nicht an den folgenden Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Das Schiedsgericht stellte nach einem Einspruch des NOK der USA fest, die Regel widerspreche den Bestimmungen des Welt-Anti-Doping-Codes. Man werde das Urteil akzeptieren, sagte IOC-Chef Thomas Bach damals. Zudem hob das Sportgericht in Lausanne vor den Spielen 2012 einen Beschluss des britischen olympischen Komitees auf, wonach Dopingsünder auf Lebenszeit aus dem Team ausgeschlossen würden. Sprinter Dwain Chambers durfte daraufhin in London antreten.

Im russischen Team sind laut dem NOK-Chef Alexander Schukow acht Athleten von der IOC-Entscheidung betroffen, unter anderem die Schwimmerin Julja Jefimowa. Anfechten wolle man diese laut Schukow aber nicht. „Dazu bleibt nicht genug Zeit“, sagte der NOK-Chef.

Sanktionen für alle

Nicht nur der deutsche Leichtathletik-Verbandschef Clemens Prokop hält die IOC-Entscheidung für rechtswidrig: „Das ist eine Verletzung der Rechtsprechung des CAS und des Gleichheitsprinzips.“ Die britische Marathonläuferin Paula Radcliffe meinte, wenn es eine Sanktion gegen frühere Dopingsünder gebe, müsse diese auf alle Länder ausgeweitet werden. „Wenn ich eine Entscheidung, frühere Doper an der Teilnahme zu hindern, begrüße, dann darf sie nicht nur die Russen betreffen. Eine starke Botschaft für einen sauberen Sport wäre es gewesen, alle auszuschließen, die betrogen haben“, sagte Radcliffe.

Dies würde u. a. auch die US-Leichtathleten LaShawn Merritt und Justin Gatlin, die ersten zwei der Saison-Bestenliste über 200 m, betreffen. Gatlin, 100-m-Olympiasieger von 2004, war für insgesamt fünf Jahre gesperrt und läuft nun mit 34 schneller als je zuvor; Merritt war 2010 und 2011 für fast zwei Jahre gesperrt. In Rio antreten dürfen im Gegensatz zu den Russen trotz früherer Dopingvergehen u. a. auch Spaniens Radstar Alejandro Valverde und der chinesische Schwimmweltmeister Ning Zetao (100 m Kraul).