Rosberg steht vor dem Déjà-vu

25.07.2016 • 19:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nico Rosberg parkte in Budapest seinen silberpfeil als Zweiter hinter Lewis Hamilton und büßte damit die ­Führung in der WM ein.  Foto: Gepa
Nico Rosberg parkte in Budapest seinen silberpfeil als Zweiter hinter Lewis Hamilton und büßte damit die ­Führung in der WM ein. Foto: Gepa

Hockenheim als Chance, doch der Trend spricht gegen den Deutschen.

Budapest. Die WM-Führung war verloren, und Nico Rosberg wollte nur noch weg. Rein in den Flieger, raus aus Ungarn und schnell zurück zu Frau und Kind. Die nächste Niederlage gegen Lewis Hamilton schmerzte, aber kurz vor der Abreise verwandelte sich seine Enttäuschung doch noch in Trotz, und der Mercedes-Pilot erklärte das anstehende Heimspiel als Chance zur Wende.

„Ich will das wieder geraderücken, in Hockenheim, mit Hilfe der Zuschauer“, sagte Rosberg. So gerne wäre er als Spitzenreiter zum Großen Preis von Deutschland am kommenden Sonntag gereist, „aber die Führung ist jetzt erst mal weg, ich muss das hinter mir lassen“.

Es ist ein langer Weg

Nicht wenige glauben, dass sie ein für alle Mal futsch und die WM bereits zum dritten Mal in Folge zugunsten von Hamilton entschieden ist. So spottete der Daily Telegraph, nachdem Rosberg binnen sechs Rennen satte 49 Zähler auf seinen Stallrivalen eingebüßt hatte: „Hamilton dachte wohl, es würde wie ein langer, beschwerlicher Aufstieg auf einen Berg werden, Nico Rosbergs kolossale WM-Führung aufzuholen. In Wirklichkeit schien es nicht viel härter zu sein als eine entspannte Joggingrunde an der Donau.“

Wie immer in solchen Situationen schaltete Rosberg um auf beinahe sturen Optimismus. „Nie habe ich erwartet, dass ich das ganze Jahr über mit 40 Punkten in Führung liege.“ Fast wie ein Mantra klang es, als Rosberg immer wieder versicherte, dass er „jetzt noch keine Punkte“ zähle, weil es „noch ein so langer Weg“ sei.

In der Tat erreichte die Formel 1 in Ungarn gerade erst die Halbzeit. Elf von 21 WM-Läufen sind absolviert, Rosberg könnte noch maximal 250 Punkte gewinnen und hat deshalb weiter alle Möglichkeiten, am Ende seinen ersten WM-Titel zu feiern.

Doch es sind ja nicht die sechs Punkte Rückstand auf Hamilton, die den Engländer längst zum Topfavoriten bei allen Wettanbietern machen. Es ist auch nicht diese eine Niederlage in Budapest, die Rosberg Sorgen bereiten sollte. Es ist viel mehr eine Entwicklung, die Mitte Mai ihren Anfang nahm, beim spektakulären Crash der Silberpfeile in Barcelona. „Spanien war der Wendepunkt“, sagte Hamilton nach seinem Ungarn-Sieg, dem fünften in den vergangenen sechs Rennen: „Damals wusste ich das natürlich nicht, aber heute ist es offensichtlich: Danach ging es bei mir nur bergauf. Und natürlich will ich jetzt auch in Deutschland gewinnen.“

Der Eklat von Spa

Bei Rosberg indes dürfte diese Situation unschöne Erinnerungen wecken. Vor knapp zwei Jahren sorgte der erste große Crash der Silbernen für einen Eklat beim Großen Preis von Belgien. Auch damals führte Rosberg die WM recht deutlich an, doch mit einem Mal gelang gar nichts mehr. Hamilton gewann Rennen um Rennen und holte knapp drei Monate später seinen ersten Titel für Mercedes. Rosberg hatte ihn damals nicht mehr stoppen können.