Harting „verabscheut“ Bach

Sport / 26.07.2016 • 21:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Robert Harting ist für starke Auftritte bekannt. Der Diskusriese empört sich über die IOC-Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss des russischen Teams von den Sommerspielen in Rio. Foto: ap
Robert Harting ist für starke Auftritte bekannt. Der Diskusriese empört sich über die IOC-Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss des russischen Teams von den Sommerspielen in Rio. Foto: ap

Diskus-Ass attackiert den IOC-Chef scharf: „Er ist Teil des Dopingsystems.“

Berlin. Diskusstar Robert Harting hat nach der Olympia-Zulassung für russische Sportler trotz massiven Dopingbetrugs den deutschen IOC-Präsidenten Thomas Bach scharf attackiert. „Ich persönlich verabscheue diesen Menschen mehr denn je und schäme mich sehr stark dafür, dass ich in indirekter Situation am Gleichen mit ihm arbeite“, sagte der Olympiasieger von London.

Ideale des Sports verraten

Bach habe keinerlei Interesse, den Schmerz der sauberen Athleten zu fühlen. „Er ist für mich Teil des Dopingsystems, nicht des Anti-Doping-Systems. Ich schäme mich für Thomas Bach“, sagte Harting. Nach der Entscheidung des IOC mit Bach an der Spitze sei für den 31-Jährigen ein Stück die Welt untergegangen. „Und ich kann das eigentlich nicht verstehen.“

Das IOC habe mit Bach an der Spitze für Harting „eine neue Enttäuschungsdimension erreicht“, meinte der Berliner, die Entwicklungen der vergangenen Tage, ein russisches Team trotz der Beweise für ein systematisches und staatlich geschütztes Dopingsystem nach Rio zu lassen, sei „einfach peinlich“. Dass die russischen Leichtathleten im Gegensatz zu Athleten anderer Sportarten weiter gesperrt sind, bezeichnete Harting als „richtige Maßnahme. Das ist vielleicht ein Weckruf“.

Bach hat den Beschluss verteidigt und die scharfe Wortwahl von Harting gegeißelt. „Es ist eine nicht akzeptable Entgleisung, wenn man jemanden, der nicht der eigenen Meinung ist, in derartiger Art und Weise beleidigt.“ Eine derartige Beleidigung bewertete er als „nicht hinnehmbar“.

Aus Protest gab der deutsche Spitzenfunktionär Hans Wilhelm Gäb seinen Olympischen Orden zurück. „Ich halte die Entscheidung für den bisher schwersten Schlag gegen die olympische Integrität und die olympischen Prinzipien“, sagte der langjährige Tischtennis-Präsident. „Ich möchte nicht die Auszeichnung einer Organisation tragen, welche die Ideale des Sports verrät.“

Dass dieser Ausschluss Russlands Sport ins Mark getroffen hat, ist zweifelsfrei. Den Restschmerz aber werden Wladimir Putin und Co. wohl gut aushalten können: Der Flurschaden hält sich nach dem IOC-Entscheid, die Verantwortung über weitere Sperren an die Weltverbände abzugeben, in Grenzen. Trotz der vermeintlich verschärften Zulassungskriterien wird ein großes russisches Team in Rio an den Start gehen. Vermutlich werden es 250 bis 300 Athleten sein. Noch liegen zwar längst nicht alle Entscheidungen der Weltverbände vor, wie viele Sportler wegen ihrer Verbindungen zum nachgewiesenen Staatsdoping in Russland gesperrt werden, doch dieser klare Trend zeichnet sich ab.

40 gesperrte Sportler

Bis gestern gab es 40 gesperrte Sportler, davon 22 Ruderer. Nur namentlich im McLaren-Report erwähnte sowie früher schon dopinggesperrte Sportler wurden bislang ausgeschlossen. Das größte Kontingent stellt der Schwimmverband, der trotz sieben gesperrter Schwimmer noch 66 Sportler entsendet. Hinzu kommen u.a. 30 Volleyballer, 16 Fechter, 14 Handballerinnen und elf Judoka.

Bei den Radsportlern hatte es 26 vertauschte Proben, bei den Ringern 28 gegeben. Auch die Entscheidung des Ringer-Weltverbandes UWW steht noch aus. Aber selbst, wenn es in diesen von der Manipulation besonders betroffenen Sportarten noch jeweils eine Handvoll Ausschlüsse gäbe, würde die Mannschaftsstärke wohl nicht unter 250 fallen. Für ein Land mit nachgewiesenem Staatsdoping eine beachtliche Zahl.

Das IOC hat eine neue Enttäuschungsdimension erreicht.

Robert Harting