Mit der „Brigantia“ an einer Medaille vorbeigesegelt

Sport / 26.07.2016 • 21:45 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Karl Geiger verpasste mit Werner Fischer in Tokio Edelmetall nur knapp.

Schwarzach. Schon als Teenager kam Karl Geiger durch seinen Schulkollegen Werner Fischer zum Segeln. Die beiden setzten sich in einen Flying Dutchman und starteten 1960 bei ihrer ersten gemeinsamen Regatta, die gleich mit einem Mastbruch endete. Aber bereits drei Jahre später holte sich das Duo auf dem Attersee seinen ersten Staatsmeistertitel. Damit meldeten sie ihre Anwartschaft auf einen Olympiastart in Tokio an, für den eigentlich der mehrfache Staatsmeister Christian Ludwig Attersee vorgesehen war, der sich später als experimentierfreudiger Künstler einen Namen machte. Die Entscheidung sollte bei der EM 1964 fallen, wo Geiger/Fischer sensationell Bronze gewannen und damit das Olympiaticket lösten.

Wettfahrt zwei beendet Traum

Die Olympiakonkurrenz in der Sagami Bay mussten Geiger und sein Vorschoter Fischer mit einem völlig neuen Boot, der „Brigantia“, bestreiten, das alte war wegen deutlich sichtbarer Werbung nicht „olympiatauglich“. In der ersten Wettfahrt waren die beiden mit Rang 14 nur im Mittelfeld der 21 Boote angekommen. In der zweiten wurden die Bregenzer dann vom Dänen Hans Fogh gerammt, kamen aber wieder auf Touren; dennoch endete diese Fahrt mit einem herben Rückschlag: Wegen einer vermeintlichen Berührung des kanadischen Boots kam es zu einer umstrittenen Disqualifikation, die bereits das Ende aller Medaillenträume bedeutete.

Ohne Druck zeigten dann die jungen Segler vom Bodensee, dass sie durchaus Chancen auf Edelmetall gehabt hätten. Für den Sprung ganz nach vorne, wie er den ebenfalls schlecht gestarteten neuseeländischen Olympiasiegern Pedersen/Wells gelang, reichte es allerdings nicht. Geiger/Fischer waren an den folgenden Tagen nie schlechter als Zehnte, zweimal kamen sie als Dritte sogar in der absoluten Spitze an. Aufgrund des frühen Missgeschicks belegten sie aber schließlich nur den achten Platz, der auch für sie selbst angesichts der realistischen Chance auf eine Medaille eine Enttäuschung war.

In den folgenden Jahren bestätigte Geiger mehrfach seine Extraklasse und hatte 1967 sein bestes Jahr, als er jeweils Dritter bei der WM in Montreal und bei der EM in Bendor wurde. Bei seinem zweiten Olympiastart 1968 vor Acapulco landete der inzwischen 27-Jährige ohne einen Spitzenplatz nur auf Rang 17.

Eine umstrittene Disqualifikation kostete Karl Geiger bei den Sommerspielen in Tokio die Chance auf einen Spitzenplatz. Fotos: privat
Eine umstrittene Disqualifikation kostete Karl Geiger bei den Sommerspielen in Tokio die Chance auf einen Spitzenplatz. Fotos: privat

Zur Person

Karl Geiger

nahm bei zwei Olympischen Sommerspielen an Segelbewerben teil

Geboren: 17. März 1937 in Feldkirch

Erfolge: Olympische Spiele, 1964: Achter Flying Dutchman (14/dq/3/10/9/6/3)

1968: 17. Flying Dutchman (18/15/10/16/ 16/12 /11). Weltmeisterschaften: 1965: Vierter Flying Dutchman. 1967: Dritter Flying Dutchman. 1969: 21. Flying Dutchman . Europameisterschaften: 1964: Dritter. 1966: Sechster. 1967: Dritter, 1968: Fünfter. 1970: Zehnter. Internationale Erfolge: Sieger: San Remo 1965, Ammersee 1966, Ammersee 1967, Ammersee 1969, Alpsee 1974. Zweiter: San Remo 1964, Kieler Woche 1966, Kieler Woche 1967, Kieler Woche 1970. Österreichische Meisterschaften: Staatsmeister Flying Dutchman 1963, 1965, 1966, 1967, 1969, 1970, 1973. Staatsmeister Drachen 1986.