Bach im Sturm der Entrüstung

27.07.2016 • 18:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Start der Rio-Mission: Thomas Bach und seine Gattin Claudia sind in Brasilien gelandet.  Foto: reuters
Start der Rio-Mission: Thomas Bach und seine Gattin Claudia sind in Brasilien gelandet. Foto: reuters

Kritik und Misstrauen begleiten den IOC-Präsidenten zu den Sommerspielen nach Rio.

Rio de JAneiro. Am Mittwochmorgen ist Thomas Bach in Rio de Janeiro gelandet. Zur Begrüßung am Flughafen warteten ein paar Fernsehkameras und einige strahlende olympische Helfer. Wie das so ist, wenn der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu Olympischen Spielen reist.Doch diesmal konnte dieser Präsident noch so viele Interviews geben oder freundlich lächelnd für Fotos der Volunteers posieren. Es lässt sich einfach nicht mehr davon ablenken, dass diese Spiele und vor allem das Image des deutschen IOC-Chefs schon schwer beschädigt sind, bevor das Olympische Feuer in gut einer Woche in Rio überhaupt entzündet wird.

Hang zum Taktieren

„Er lügt die Welt an, wenn er öffentlich predigt, es gelte für jeden Sportler die Unschuldsvermutung.“ Dieser Satz der Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein ist nach Diskuswerfer Robert Harting die nächste Kritik aus Sportlerkreisen, die Bach in Brasilien erreichte. „In meinem Fall hat nie die Unschuldsvermutung gegolten. Ich wurde zu Unrecht ohne jeden Beweis, nur aufgrund einer absurden Wahrscheinlichkeitsrechnung verurteilt.“ Seit das IOC verkündet hat, dass russische Sportler trotz eines gigantischen und staatlich gelenkten Dopingsystems in ihrer Heimat unter Auflagen doch in Rio starten dürfen, kommt solche Kritik von allen Ebenen der Sportwelt.

Zu Bachs Verteidigungsstrategie gehört der Hinweis, „dass wir bei dieser Entscheidung unterstützt wurden von den Nationalen Olympischen Komitees dieser Welt, von der Vereinigung der Sommersportarten und auch von Athletenkommissionen“, wie er betonte. Doch im Zentrum der Entrüstung steht allein er. Kritik und Misstrauen begleiten Bach, seit sein zielstrebiger Aufstieg vom Fecht-Olympiasieger 1976 bis zum IOC-Präsidenten begonnen hat. Doch so harsch wie jetzt war diese Kritik noch nie.

Seit der Starterlaubnis für russische Sportler holen den 62-Jährigen all die Vorwürfe ein, die es schon seit Jahren gibt. Seine Nähe zu Russland und den dortigen Machthabern in Sport und Politik. Sein Hang zum Taktieren und zur undurchsichtigen Hinterzimmer-Politik. Und die Meidung klarer Positionen, die so viele von ihm in der Russland- und Doping-Frage gefordert hatten. Der Umgang mit der aktuellen Krise folgt dem bewährten Muster des Lavierens. Die hoch umstrittene Entscheidung, in Julia Stepanowa ausgerechnet die Kronzeugin des Dopingskandals nicht in Rio starten zu lassen? Dazu haben wir unsere Ethikkommission befragt, sagte Bach. Welche Russen dabei sein dürfen? Das sei Sache der Fachverbände.

Kuwait kontra Russland

Bach persönlich bleibt bei all diesen Entscheidungen in der Deckung. Er fordert von der WADA, „das Anti-Doping-System noch einmal grundlegend zu überdenken“. Aber solange er noch Präsident des Deutschen Sportbundes war, hat er ein Anti-Doping-Gesetz immer zu verhindern versucht. Kuwait etwa darf bei den Spielen nicht dabei sein, weil die Politik in diesem Land zu großen Einfluss auf das Nationale Olympische Komitee nimmt. Russland und sein staatlich gelenktes Dopingsystem sollen dagegen nicht im Widerspruch zur Olympischen Charta stehen? Es sind Ungereimtheiten wie diese, die Bach zu einer so umstrittenen Figur machen.