„Das Dengue-Fieber ist in Rio gefährlicher als das Zika-Virus“

28.07.2016 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Der Hohenemser Mediziner Dr. Marc Sohm gehört in Rio dem ÖOC-Ärzteteam an.

dornbirn. Bei den Europaspielen in Baku vor einem Jahr war Dr. Marc Sohm erstmals ein Olympier. In Rio de Janeiro geht es für den Sportarzt des Olympiazentrums in Dornbirn jetzt auf die große Bühne. Der 35-Jährige ist Teil des vierköpfigen Medizinerteams des Österreichischen Olympischen Komitees bei den Sommerspielen. Thema Nummer eins für Sohm und seine Kollegen im Vorfeld: das Zika-Virus. „Wir befassen uns schon länger mit dem Thema“, erzählt Sohm. „Es ist jetzt Winterzeit in Brasilien, daher ist das Risiko kleiner. Auch ist Rio von der Gelbfiebermücke weniger betroffen als z. B. das Amazonasgebiet.“ Das ÖOC hat früh Aufklärungsarbeit betrieben und neben allgemeinen Hygiene-Empfehlungen auf einem zweiseitigen Informationsblatt die Olympia-Teilnehmer auf das Zika-Problem hingewiesen. Als Vorsichtsmaßnahmen vor Ort wurden im Olympischen Dorf Brutstätten entfernt und Feuchtgebiete trockengelegt. „Und das ÖOC hat zum Schutz der Sportler zusätzlich vorgesorgt“, erklärt Sohm. So wurden in den Unterkünften Insektengitter an den Fenstern angebracht, ein Mückennetz gehört zur Olympia-Ausstattung. „Daneben gibt es sehr gute Anti-Mücken-Mittel mit einem hohen Schutzfaktor. Es wird empfohlen, sowohl die Kleidung als auch die Haut einzusprühen.“

Auf Symptome achten

Für Sohm ist aber nicht Zika das Problem für die Rio-Reisenden: „Das Dengue-Fieber ist vor allem für die Sportler im Moment gefährlicher als das Zika-Virus. Es ist seit Jahren weiter verbreitet und in Südamerika allgegenwärtig.“ Dengue wird ebenfalls durch Mückenstiche übertragen und hat weitreichende Auswirkungen. Es ist mit Übelkeit, Müdigkeit, Fieber, Gelenks- und Muskelschmerzen verbunden. „Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Infektion mit Dengue passiert, ist größer als bei Zika.“

Ein Insektenstich bedeute aber nicht automatisch, dass man mit einem Virus infiziert wurde. Sohm: „Man beobachtet zuerst, ob sich Symptome entwickeln.“ Während sich das Dengue-Fieber ziemlich rasch auf das Befinden des Menschen auswirkt, könne Zika mit Verzögerung auftreten. Eine direkte von Mensch-zu-Mensch-Übertragung findet überwiegend durch sexuellen Kontakt statt. In Brasilien wurden Schädelmissbildungen bei Neugeborenen als Auswirkung von Zika-Erkrankungen festgestellt.

Untersuchungen, durchgeführt bei den Testwettkämpfen vor den Sommerspielen, würden dem Virus allerdings die Dramatik nehmen. Sohm: „Es haben 44 Vorwettkämpfe stattgefunden, dabei hat es keinen positiven Zika-Test gegeben.“

Bei 44 Vorwettkämpfen hat es keinen positiven Zika-Test gegeben.

Dr. MArc Sohm