Viele Reden in Russland, keine Kritik

Sport / 28.07.2016 • 22:33 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Moskau sieht sich als Opfer von Intrigen, Olympia-Teilnehmer wurden verabschiedet.

Moskau. Trotzig schickt Russland seine wegen Dopingsperren reduzierte Mannschaft zu den Olympischen Sommerspielen nach Rio de Janeiro. Kranzniederlegung am Grabmal des Unbekannten Soldaten, Empfang bei Präsident Wladimir Putin im Kreml – das war das Programm. Dann flog gestern eine große Gruppe von Sportlern Richtung Brasilien. Viele Reden wurden gehalten, aber kaum ein selbstkritisches Wort war zu hören über das staatlich organisierte Doping, das die Welt-Anti-Doping-Agentur Russland vorhält. Das Internationale Olympische Komitee hat nur in einer umstrittenen Entscheidung einen Totalausschluss der Sportgroßmacht Russland für Rio abgewendet.Stattdessen sieht sich Moskau sportpolitisch im Belagerungszustand, als Opfer von Intrigen. „Es ist eine zielgerichtete Kampagne gegen unsere Sportler“, gab Putin den Ton vor. Der Angriff verstoße gegen alle Rechtsnormen und die Olympische Idee.

112 werden in Rio fehlen

Unter den Sportlern im Kreml waren sowohl die Glücklichen, die fahren dürfen, wie auch die Unglücklichen, die zuhause bleiben müssen. Sie alle trugen die erstmals präsentierte Olympia-Uniform in den Nationalfarben Weiß, Blau und Rot. Die Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, Opfer der Kollektivsperre für die Leichtathleten, vergoss vor Putin bittere Tränen. Die russischen Zeitungen zählen die Verluste: Von knapp 390 Athleten, die nach Rio fahren sollten, traf der Bannstrahl bis Donnerstag 112.

Von 68 Leichtathleten darf nur die in den USA trainierende Weitspringerin Darja Klischina antreten. Acht Kanuten fehlen, sieben Schwimmer, vier Radfahrer, drei Gewichtheber. Fortsetzung folgt.