Österreichs Medaillenchancen in Rio 2016

29.07.2016 • 20:19 Uhr / 8 Minuten Lesezeit

Badminton. Die in den Einzelbewerben antretenden Elisabeth Baldauf und David Obernos­terer sind Außenseiter. Bereits ein Sieg in der Gruppenphase wäre für das privat liierte Paar aus Vorarlberg ein schöner Erfolg.

Bogenschießen. Die gebürtige Luxemburgerin Laurence Baldauff ist bei Österreichs erster olympischer Teilnahme in dieser Sportart seit 1984 klare Außenseiterin. Die 41-Jährige hat aber schon einmal überrascht, mit der erfolgreichen Qualifikation.

Fechten. Rene Pranz zeigte bei der Zonenausscheidung in Prag Nerven und holte sich mit dem Turniersieg den Startplatz. Das Überstehen der ersten Runde hat sich der Wahlsalzburger zum Ziel gesetzt, danach könnte bereits ein ganz Großer warten.

Gewichtheben. Sargis Martirosjan ist im durch Dopingvergehen ausgedünnten Feld der Klasse bis 105 kg ein Spitzenergebnis zuzutrauen. Der EM-Dritte im Reißen hat sich sogar den Vorstoß unter die besten sechs vorgenommen.

Judo. So groß war das Olympia-Team seit 20 Jahren nicht mehr. Die Routiniers Sabrina Filzmoser (bis 57 kg) und Ludwig Paischer (bis 60 kg) haben bei ihren letzten Spielen nur Außenseiterchancen. Aus dem Debütanten-Trio zählen die aktuell jeweils Weltranglistensechsten Kathrin Unterwurzacher (bis 63 kg) und Bernadette Graf (bis 70 kg) zum erweiterten Kreis der Medaillenanwärterinnen. Ohne Druck steigt Daniel Allerstorfer (über 100 kg) auf die Matte.

Kanu. Corinna Kuhnle hat sich nach hartem Kampf in der teaminternen Qualifikation gegen Violetta Oblinger-Peters durchgesetzt. Die Ex-Weltmeisterin gilt auch diesmal als Medaillenanwärterin. Anders als vor vier Jahren, als sie Rang acht belegte, ist sie diesmal aber nicht eine der Top-Favoritinnen. Mario Leitner darf Erfahrungen sammeln. Das Flachwasser-Trio Yvonne Schuring/Ana Roxana Lehaci (Kajak-Zweier) und Viktoria Schwarz (Einer) hat wegen der erst am Dienstag erfolgten Nominierung nur wenig Zeit zur gezielten Vorbereitung. Schuring ist im Kajak-Einer über 500 m aber etwas zuzutrauen. Hier hatte sie u.a. mit WM-Gold 2011 ihre größten Erfolge.

Leichtathletik. Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger ist die Qualifikation für das Finale der Top 12 dank starker Vorleistungen zuzutrauen. Gute Platzierungen sind im Mehrkampf durch Siebenkampf-EM-Bronzemedaillengewinnerin Ivona Dadic und Zehnkämpfer Dominik Distelberger drinnen. Für die Langstreckenläuferinnen Andrea Mayr (Marathon) und Jennifer Wenth (5000) gilt es, im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu bleiben. Hürdensprinterin Beate Schrott ist heuer noch nicht richtig in Form gekommen und kann nach Rang sieben vor vier Jahren in London auch dieses Mal nur überraschen.

Pferdesport – Dressur. Victoria Max-Theurer wird es nach dem Wechsel auf ihr Ersatzpferd Della Cavalleria schwer haben. Ein 13. Rang wie 2012 in London ist für die Oberösterreicherin nicht möglich. Der Einzug in die Grand Prix Kür der besten 18 wohl ebenfalls kaum.

Rad – Straße, Mountainbike. Im Straßenrennen auf dem sehr schwierigen Rundkurs zählen Stefan Denifl und Georg Preidler zu den vielen Außenseitern mit Chancen auf Ergebnisse im vorderen Drittel. Im Kampf um die Medaillen werden sie aber wohl nicht eingreifen können. Bei den Damen tritt Martina Ritter als noch größere Außenseiterin an. Preidler bestreitet auch noch das Einzelzeitfahren, in dem er gegen die absoluten Spezialisten aber wenig auszurichten wird können. Im Mountainbiken ist Alexander Gehbauer der einzige Österreicher. Der Olympia-Neunte von London könnte bei idealem Verlauf in die Nähe des 2012 erreichten Resultats kommen, die Medaillen sind aber außer Reichweite.

Ringen. Ein einstelliges Ergebnis wäre Österreichs einzigem Vertreter Amer Hrustanovic eigentlich zuzutrauen. Bei Olympia in London war er Zehnter, bei der WM 2015 in Las Vegas Zwölfter. Allerdings bekam er für Rio erst „Last Minute“ einen Nachrückerplatz und verpasste wertvolle Vorbereitungszeit. Die bisher einzigen Medaillen für Österreich gab es mit zweimal Bronze für Nikolaus Hirschl (Schwer/Freistil und griechisch-römisch) 1932 in Los Angeles.

Rudern. Die Finalteilnahme ist für Europameisterin Magdalena Lobnig im Einer auf jeden Fall drinnen. Wie nah es an die Medaillenränge geht, wird auch von der Tagesverfassung abhängen. Die Brüder Bernhard und Paul Sieber führen im Leichtgewichts-Doppelzweier die durchwachsene Saison auf die volle Konzentration auf Rio zurück, wo sie ihre Karten aufdecken wollen.

Schießen. Die Gewehrschützen Olivia Hofmann, Gernot Rumpler, Alexander Schmirl und Thomas Mathis erhoffen den Einzug in die Finalentscheidungen der besten acht. Wie im Weltcup bereits bewiesen, sind aber auch die Medaillenränge im Bereich des Möglichen. Auch für Sebastian Kuntschik ist im Skeet durchaus ein Top-Ten-Platz möglich.

Schwimmen – Becken, Synchron, Wasserspringen. Für das Sextett der Beckenschwimmer hängen die Medaillen zu hoch. Die beste Chance auf eine gute Platzierung hat Felix Auböck über 400 m Kraul, der Einzug ins Finale ist für den EM-Vierten aber eine nur schwierig zu knackende Nuss. David Brandl ist auf dieser Strecke weniger hoch einzuschätzen. Gleiches gilt für Jördis Steinegger über 400 m Lagen. Auböck hat auch über 200 und 1500 m Kraul die Möglichkeit zu punkten. Für Lisa Zaiser und Lena Kreundl wäre der Semifinaleinzug über 200 m Lagen ein Erfolg. Birgit Koschischek braucht für den Aufstieg unter die Top 16 des Kraulsprints wohl ein optimales Rennen. Das Duett der Synchronschwimmerinnen Anna-Maria und Eirini Marina Alexandri hat trotz seiner erst 19 Jahre eine gute Chance auf das Finale der Top 12. Sollte Wasserspringer Constantin Blaha vom 3-m-Brett alles aufgehen, wäre die Teilnahme am 12er-Finale möglich. Die Medaillen sind aber im Normalfall für andere reserviert.

Segeln.Vier Boote – vier mehr oder minder große Medaillenchancen. Ganz hoch im Kurs stehen die 470er-Damen Lara Vadlau und Jolanta Ogar sowie das 49er-Duo Nico Delle Karth/Niko Resch, das heuer jeweils WM- und EM-Rang zwei zu Buche stehen hat. Aber auch der Nacra17 mit Thomas Zajac/Tanja Frank und der 470er mit Matthias Schmid/Florian Reich­städter hat genügend Revierkenntnisse, um das Medal Race der Top Ten zu erreichen und am Podest zumindest zu kratzen.

Tennis. Das Doppel Alexander Peya/Oliver Marach hält Österreichs Fahnen im Tennis hoch. Wenn sie auch nicht zu den ersten Medaillenanwärtern zählen, könnte gerade mit ihrer Routine einiges möglich sein. Ein Podestplatz ist nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich.

Tischtennis. Österreichs Herren-Team zählt als Europameister zu den Medaillenaspiranten. Viel kommt jedoch auf die Auslosung an, denn als Nummer neun der Setzliste könnte es schon früh auch gegen Goldbank China gehen. Das Damen-Team könnte durchaus mit einer guten Platzierung überraschen. Eine Medaille wäre aber ebenso eine Sensation wie im Einzel. In dem versuchen sich Liu Jia, Sofia Polcanova, Stefan Fegerl und Robert Gardos. Li Qiangbing bzw. Daniel Habesohn komplettieren die Mannschaften.

Triathlon. Lisa Perterer und möglicherweise auch Sara Vilic verfügen über die Möglichkeiten, unter die besten zehn zu kommen. In die Medaillenvergabe werden sie aber nur schwer eingreifen können. Thomas Springer wird sich mit einem Platz im Mittelfeld begnügen müssen.

Turnen, Rhythmische Gymnastik. Turnerin Lisa Ecker würde sich über das Erreichen eines persönlichen Punkterekords freuen, für Gymnastin Nicol Ruprecht scheint nach guter Saison ein besserer Platz als der 18. von Caroline Weber 2012 in London machbar.

Volleyball – Beachvolleyball. Clemens Doppler und Alexander Horst ist ein Vorstoß in die K.-o.-Phase zuzutrauen. Allerdings haben sie wie die Außenseiter Alexander Huber/Robin Seidl eine schwere Gruppenauslosung erwischt.