Winnetou-Filme als Initialzündung

Sport / 03.08.2016 • 16:17 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Sportschütze Thomas Mathis feiert in Rio sein Debüt auf der olympischen Bühne und wird dabei von Lehrmeister Wolfram Waibel jun. unterstützt. Foto: Steurer
Sportschütze Thomas Mathis feiert in Rio sein Debüt auf der olympischen Bühne und wird dabei von Lehrmeister Wolfram Waibel jun. unterstützt. Foto: Steurer

Gewehrschütze Thomas Mathis auf den Spuren seines Idols Wolfram Waibel jun.

Hohenems. Winnetou ist die berühmteste Figur in den Romanen des deutschen Autors Karl May. Dem Bestseller ist zu verdanken, dass Vorarlberg nach zwölfjähriger Unterbrechung wieder mit einem Sportschützen auf der olympischen Bühne vertreten ist. Der Hohenemser Thomas Mathis qualifizierte sich im Kleinkaliber-Liegend-Bewerb für die Sommerspiele in Rio de Janeiro.

Wünsche erst später erhört

Der 26-jährige Olympiadebütant war schon in frühester Kindheit von der Geschichte des Häuptlings der Apachen und dessen Silberbüchse fasziniert. „Sobald ich von der Schule nach Hause gekommen bin, habe ich mir die Geräusche der Silberbüchse und des legendären Bärentöters auf dem Kassettenrekorder angehört“, erinnert sich Mathis. Doch die Wünsche des Sechsjährigen wurden zunächst nicht erhört und er fand wenig Gefallen am Geschenk der Cowboy-Ausrüstung die eine Pistole beinhaltete: „Ich wollte um jeden Preis ein Gewehr und bin meinen Eltern so lange in den Ohren gelegen, bis ich endlich eines bekommen habe.“

Der Kontakt zum Schießsport erfolgte dann aber eher zufällig. „Mein Vater hatte erfahren, dass das Bundesheer in Hard einen Tag der offenen Tür veranstaltet. Da sind wir hingegangen und ich habe mir von Wolfram Waibel, der 200 Meter von uns entfernt wohnt, ein Autogramm geholt.“ Von diesem Moment an war klar, dass Thomas einmal diesen Sport ausüben will. Im Dezember 1999 nahm Waibel den Burschen aus der Nachbarschaft erstmals mit zu einem Training nach Alt­ach. „Ich glaube, seit damals hat Thomas kein einziges Training ausgelassen“, erinnert sich Mutter Edith.

Drei Wegbegleiter

Der Beginn der Karriere von Mathis wurde von drei Personen maßgeblich geprägt: Der heute 84-jährige Dornbirner Reinhold Huber, Mitglied der Schützengilde Hohenems, adaptierte „Bubi“, wie er Mathis seit jeher ruft, das für den schmächtigen Burschen viel zu lange Kleinkalibergewehr. Daneben waren es aber Vater und Sohn Waibel, die immer wieder bei Trainings mit Ratschlägen und Tipps zur Seite standen und früh das große Potenzial des von Energie und Wille außergewöhnlich geprägten Nachwuchsschützen erkannten. „Thomas war kein Weg zu weit und keine Arbeit zu streng, wenn es um den Schießsport ging. Ich kenne nur wenige Schützen, die in diesem Alter mit einer ähnlichen Akribie und Fokussierung zu Werke gegangen sind“, betont Wolfram Waibel jun.

Der unermüdliche Trainingsfleiß, gepaart mit dem großen Talent, machte sich schnell bezahlt. Bei seiner ersten Europameisterschaft 2005 holte der 15-Jährige Gold im Teambewerb (Kleinkaliber Liegend) und bei der ersten Luftgewehr-EM 2007 durfte sich Mathis über Silber in der Mannschaft freuen. Im Oktober 2008 erfolgte dann der Wechsel ins Heeresleistungssportzentrum in Dornbirn. Die erste Duftmarke in de Männerklasse setzte Mathis dann 2010 mit Bronze im Teambewerb der KK-Dreistellung, wo er mit dem besten Kniend-Ergebnis des gesamten Feldes sein Potenzial aufblicken ließ. Der Rückschlag beim Weltcup in München, wo er als Fünfter mit persönlicher Bestleistung um zwei Zehntelringe den Olympia-Quotenplatz für London verfehlte, brachte den Hohenemser nicht aus der Spur.

Auch nicht der Wechsel in die Privatwirtschaft im April 2012 zur Firma Fröwis Jagd- Sport-Optik. „Für mich war es eine einmalige Chance, Beruf und Hobby miteinander zu verbinden. Gleichzeitig war es die Herausforderung, zu beweisen, dass es möglich ist, Ziele, die eigentlich nur als Berufssportler zu erreichen sind, zu schaffen.“ Der erste Podestplatz als Dritter beim Weltcup 2013 in München und die Qualifikation für das Weltcupfinale im Kleinkaliber-Liegend-Bewerb waren klare Beweise dafür, dass sich Mathis auch als Amateur in seiner Paradedisziplin KK-Liegend an der Weltspitze behaupten kann.

Seinem Debüt auf der olympischen Bühne blickt Mathis optimistisch entgegen: „Für mich war die Qualifikation für Rio in psychischer Sicht wesentlich schwieriger. Doch ich habe dem Druck standgehalten und mir mit der Nominierung meinen großen sportlichen Traum erfüllt. Dass ich gemeinsam mit Wolfram die Mission Rio erleben darf, verleiht der Freude über die Teilnahme das berühmte Tüpfchen auf dem ,i‘. Er ist seit Beginn meiner Karriere mein Trainer und Mentor und hat sicher einen ganz wesentlichen Anteil daran, dass ich es geschafft habe. Jetzt hoffe ich, mich in Brasilien mit einer Extraleistung bei meinem Lehrmeister gebührend für seine jahrelange Unterstützung revanchieren zu können.“

Ich hoffe, mich mit einer Extraleistung in Rio bei Wolfram Waibel für die jahrelange Unterstützung revanchieren zu können.

Thomas Mathis
Der Dornbirner Reinhold Huber hat das erste KK-Gewehr für Mathis adaptiert.
Der Dornbirner Reinhold Huber hat das erste KK-Gewehr für Mathis adaptiert.
Der elfjährige Mathis beim Training mit dem Kleinkalibergewehr auf der Anlage der Schützengilde Hohenems in der Ledi.
Der elfjährige Mathis beim Training mit dem Kleinkalibergewehr auf der Anlage der Schützengilde Hohenems in der Ledi.
Besonders stolz war Mathis, als er 2005 das Gewehr von Wolfram Waibel bekam.
Besonders stolz war Mathis, als er 2005 das Gewehr von Wolfram Waibel bekam.
Drei Hohenemser Olympiastarter im Schießen: Wolfram Waibel junior und senior 2004 mit dem damals 14-jährigen Thomas.
Drei Hohenemser Olympiastarter im Schießen: Wolfram Waibel junior und senior 2004 mit dem damals 14-jährigen Thomas.
Am perfekten Schwung für die zukünftige Golfkarriere wird bereits eifrig geübt.
Am perfekten Schwung für die zukünftige Golfkarriere wird bereits eifrig geübt.
Mathis arbeitet als Fachverkäufer bei der Firma Fröwis Jagd-Sport-Optik in Feldkirch.
Mathis arbeitet als Fachverkäufer bei der Firma Fröwis Jagd-Sport-Optik in Feldkirch.

Zur Person

Thomas Mathis

Der Hohenemser ist der einzige Nicht-Berufssportler im vierköpfigen der ÖSB-Schütze bei Olympia in Rio.

Geboren: 25. April 1990 in Feldkirch

Wohnort: Hohenems

Größe/Gewicht: 1,78 m/63 kg

Ausbildung: Matura am BORG Götzis

Beruf: Fachverkäufer Firma Fröwis Fachgeschäft für Jagd Sport Optik in Feldkirch

Familienstand: ledig

Familie: Mama Edith, Vater Toni, keine Geschwister

Verein: Schützengilde Hohenems

Trainer: Hubert Bichler, Wolfram Waibel jun., Hermann Rainer

Hobbys: Golfen, Wandern, Formel 1

Website: www.facebook.com/thomas.mathis.96

Weltrangliste: 21. (Kleinkaliber-Liegend), 123. (Kleinkaliber-Dreistellung)

Europarangliste: 17. (Kleinkaliber-Liegend), 76. (Kleinkaliber-Dreistellung),
146. (Luftgewehr)