Fidschi ist nicht Österreich

Sport / 12.08.2016 • 23:00 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Das Rugby-Team von Fidschi bedankt sich mit einem Gebet für den Gewinn der Goldmedaille.  Foto: apa
Das Rugby-Team von Fidschi bedankt sich mit einem Gebet für den Gewinn der Goldmedaille. Foto: apa

Ein kleiner Inselstaat holt im Rugby in Rio das, was wir gerne hätten – Gold.

Rio de Janeiro. Geweint haben einige Männer, die wie Schränke gebaut sind, schon lange vor dem Schlusspfiff. Vor Freude. Denn das Rugby-Team der Fidschi-Inseln hat im Finale England geradezu zerlegt (54:14) und damit die Endstation Sehnsucht erreicht. Der Inselstaat hat jetzt das, was Österreich bei Olympia in Rio gerne hätte: eine Goldmedaille.

Dass die Fidschi-Inseln im neuen olympischen Bewerb des Siebener-Rugbys zum engeren Favoritenkreis zählten, war schon vor dem ersten Spiel klar gewesen. Rugby ist in dem 900.000-Einwohner-Land, das aus rund 300 Inseln besteht – etwa 100 davon sind bewohnt – eher eine Lebenseinstellung als ein Sport. Bei der Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele ging die Mannschaft des englischen Trainers Ben Ryan eigene Wege. Man hielt sich an strenge Ernährungspläne, drosselte etwa den Bierkonsum und stärkte den Teamgeist. Auch vom olympischen Dorfleben in Rio ließ man sich nicht ablenken. Ryan: „Wir haben gemeinsam gegessen und schalteten am Abend gemeinsam das Licht aus.“ Seit Donnerstagnacht bleibt bei den Insulanern das Licht an – Party-Alarm.

Reif für Hollywood

Dass man im Endspiel ausgerechnet England deklassierte, wirkt wohl als Durstbeschleuniger. Fünf der zwölf Fidschi-Spieler verdienen als Rugby-Profis in England ihr Geld. Die anderen sind Amateure. Noch. Man darf davon ausgehen, dass auch sie die erste olympische Goldmedaille in der Geschichte der Fidschi-Inseln demnächst irgendwie versilbern werden. Neben diversen Klubs könnte wohl auch Hollywood anklopfen.