Der Volksheld auf Bubkas Spuren

16.08.2016 • 20:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Thiago Braz da Silva ist Brasiliens neuer Leichtathletik-Held. Der Stabhochspringer entschied das Duell mit Renaud Lavillenie für sich. Fotos: ap
Thiago Braz da Silva ist Brasiliens neuer Leichtathletik-Held. Der Stabhochspringer entschied das Duell mit Renaud Lavillenie für sich. Fotos: ap

Brasilien ist aus dem Häuschen. Thiago Braz da Silva holte Gold im Stabhochsprung.

RIo de Janeiro. Brasilien hat einen neuen Volkshelden. Schon die Qualifikation für das Finale hatte Thiago Braz da Silva als „Wunder“ bezeichnet. Und dann springt er mit 6,03 Meter olympischen Rekord im Stabhochsprung, als erster Südamerikaner über sechs Meter. Sein großes Vorbild Sergej Bubka gehört zu den ersten Gratulanten.

Beim Olympiadebüt zu Gold

In der Qualifikation hatte er zunächst zwei Mal die 5,45 Meter gerissen und stand vor dem Aus. Wieder so eine olympische Geschichte, das zweite Gold für Brasilien, nach dem Judo-Sieg der in einer Favela aufgewachsenen Rafaela Silva. Den Favoriten, Weltrekordhalter (6,16 Meter) Renaud Lavillenie, geschlagen. Das Stadion ein Hexenkessel, was den ausgebuhten Lavillenie zu einem fragwürdigen Vergleich veranlasste. „1936 war die Menge gegen Jesse Owens“, sagte er mit Blick auf die Hitler-Spiele in Berlin und den schwarzen US-Olympiasieger. „Wir haben so etwas seitdem nicht mehr erlebt.“ Der Franzose entschuldigte sich später für die Aussage.

Die Geschichte von Thiago Braz da Silva ist eine des Aufstiegs mit eisernem Willen aus schwierigen Verhältnissen, aufgewachsen bei den Großeltern. Eine Geschichte, was der Sport aus einem machen kann. Geboren in Marilia im Bundesstaat São Paulo, ging der 22-Jährige 2014 für einige Zeit nach Italien, um sich dort von Vitali Petrow, Mentor der Stabhochsprung-Legende Bubka, trainieren zu lassen. Da Silva nennt Petrow seinen „Adoptivvater“, wie „O Globo“ berichtet.

Kurz nach dem Rekordsprung in dem Olympiastadion meldete sich Bubka via Twitter und gratulierte da Silva „und meinem Coach“ Petrow. „Was für ein fantastischer Wettkampf“, so Bubka, Olympiasieger 1988 in Seoul. Inspiriert von ihm, hatte da Silva mit 14 mit dem Stabhochsprung angefangen. Ausgerechnet bei den Heimspielen in Rio sprang er als neunter Mensch über sechs Meter und löste einen Jubelsturm aus, bisher war vielen Brasilianern dieser Sport ziemlich unbekannt.

Dramatischer Zielsprint

Dramatisch endeten die 400 m der Frauen. Die lange in Führung liegende Shaunae Miller von den Bahamas wurde von der heranstürmenden Allyson Felix (USA) arg in Bedrängnis gebracht, strauchelte auf der nassen Laufbahn. Da setzte Miller zum Sprung an, flog durch die Luft– und landete bäuchlings als Olympiasiegerin im Ziel. „Das Einzige, woran ich gedacht habe, war die Goldmedaille“, sagte Miller, die sich nach 49,44 Sekunden mit sieben Hundertstelsekunden vor Felix ins Ziel gerettet hatte.

Christian Taylor, der Freund von Hürdensprinterin Beate Schrott gewann wie 2012 Olympiagold im Dreisprung. Der Weltmeister und Weltjahresbeste gewann bei den Sommerspielen in Rio mit 17,86 Metern vor seinem Landsmann Will Clay (17,76) und dem Chinesen Dong Bin (17,58).

Es ist unglaublich. Es ist mein erstes Mal über sechs Meter.

Thiago Braz da Silva
Mit einem Bauchfleck zu Gold: Shaunae Miller rettet über 400 Meter auf der Ziellinie gegen Allyson Felix (r.) den Olympiasieg. Fotos: APA
Mit einem Bauchfleck zu Gold: Shaunae Miller rettet über 400 Meter auf der Ziellinie gegen Allyson Felix (r.) den Olympiasieg. Fotos: APA
Christian Taylor, Freund von Beate Schrott, holte Dreisprung-Gold.
Christian Taylor, Freund von Beate Schrott, holte Dreisprung-Gold.