Nach Rio ist auch vor Tokio

Sport / 16.08.2016 • 23:38 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Elisabeth Baldauf (l.) und David Obernosterer lieferten bei ihrem Olympiadebüt eine solide Leistung ab, ein Satzgewinn blieb ihnen allerdings verwehrt. Fotos: gepa
Elisabeth Baldauf (l.) und David Obernosterer lieferten bei ihrem Olympiadebüt eine solide Leistung ab, ein Satzgewinn blieb ihnen allerdings verwehrt. Fotos: gepa

Spiele in Rio waren ein erster Schritt, der bis 2020 noch justiert werden muss.

Rio de Janeiro. (VN-jd) Aus Vorarlberger Sicht sind die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio Vergangenheit und der Blick gilt bereits dem Großevent in vier Jahren in Tokio. Gewehrschütze Thomas Mathis, der mit Rang 17 in Kleinkaliber-Liegendbewerb für die beste Platzierung sorgte, war nach seinem Olympiadebüt zwiegespalten: „Von der Ringanzahl war es im Vergleich zur Spitze eine solide, aber nicht ganz die vorgenommen herausragende Leistung. Um das erklärte Ziel, das Finale der Top Acht zu erreichen, wäre doch mehr notwendig gewesen. 2,4 Ringe Rückstand darf man sich bei der Leistungsdichte in dieser Disziplin nicht erlauben, wenn man vorne mitmischen will“, betont der 26-jährige Hohenemser selbstkritsch und fügt hinzu, dass er, sofern es der Spagat zwischen Sport und Beruf zulässt, auf jeden Fall in Tokio noch einmal olympische Luft einatmen möchte.

Im Gegensatz dazu ist noch offen, ob die Badminton-Asse Elisabeth Baldauf und David Obernosterer sich noch einmal die „Ochsentour“ der zwölfmonatigen unnd kräftezehrenden Qualifikation mit Turnieren rund um den Erdball antun. Sowohl die 26-jährige Eggerin als auch der um ein Jahr ältere Schwarzacher blieb trotz couragierter Leistungen bei ihrer Premiere im Zeichen der fünf Ringe ein Satzgewinn verwehrt. „Natürlich war im ersten Moment die Enttäuschung groß. Wenn man bei Olympia auf dem Court steht, will man sich einfach von der besten Seite präsentieren. Dies ist sowohl Lisi als auch mir leider nur phasenweise gelungen. Trotzdem denke ich, wir waren alles andere als Olympiatouristen und haben in Summe unser Land ehrenvoll vertreten“, erklärt Obernosterer stellvertretend für das privat liierte Duo.

Ob Olympia 202o für den BWL-Studenten und die angehende Pädagogin für Sport und Mathematik zu einem Thema wir hängt auch davon ab, ob ihre bis Herbst 2017 noch laufenden Verträge als Heeresleistungssportler verlängert werden. „Wir haben in den letzten Jahren für unserer Lebensziel knapp 30.000 Euro aus der eigenen Tasche bezahlt, und ich weiß nicht, ob ich die Kraft aufbringe, die Strapazen noch einmal auf mich zu nehmen, um dann vielleicht in Tokio ein Spiel zu gewinnen. Die Entscheidung hängt auch davon ab, ob es dem Fachverband gelingt, die Strukturen weiter zu verbessern. Der ÖBV hat seit London einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht, doch von idealen Bedingungen sind wir leider noch ein großes Stück entfernt.“

Unser Weg ist der richtige

Nicht unzufrieden mit den Leistungen seiner drei Rio-Aktiven zeigte sich Sebastian Manhart, der Chef im Olympiazentrum Vorarlberg. „Man muss die Kirche im Dorf lassen und die Resultate richtig einordnen. Ich denke, alle drei haben alles gegeben. Natürlich wäre mir eine bessere Ausbeute lieber gewesen, aber Olympia ist kein Wunschkonzert, sondern der Wettstreit der Besten der Besten.“ Bestätigt sieht sich Manhart aber bei den Bestrebungen, den Sport in Vorarlberg zu manifestieren: „Sämtliche Überlegungen, die auch von ÖOC-Präsident Karl Stoss und Sportminister Hans Peter Doskozil skizziert wurden, dokumentieren, dass die Entwicklung im Olympiazentrum Vorarlberg (Anm. Fokussierung auf den Spitzensport) und im Land Vorarlberg (Anm. Vereinfachung der Förderabwicklung) der richtige Weg ist. Es gilt, fokussiert und strukturiert weiter zu arbeiten.“ Gleichzeitg betonte der 41-jährige Bregenzer, dass vier Jahre ein langer Zeitraum für Prognosen und ein kurzer sind, um nachhaltige Erfolge der eingeschlagenen Reform zu pointieren. „Der Weg zu Olympia beinhaltet viele Unbekannte und die große Kunst ist es, die positiven Impulse herauszufiltern.“

Aussichtsreichste Kandidaten für Tokio 2020 sind für Manhart neben den drei Rio-Teilnehmern die beiden Segelduos David Bargehr/Lukas Mähr (470er), Benjamin Bildstein/David Hussl (49er), Radfahrer Matthias Brändle, Judoka Laurin Böhler und natürlich Karate-Lady Bettina Plank.

Wir sind auf dem richtigen Weg, aber noch nicht dort, wo wir hin wollen.

Sebastian Manhart
Sportschütze Thomas Mathis will 2020 in Tokio noch einmal bei Olympia durchstarten. Foto: gepa
Sportschütze Thomas Mathis will 2020 in Tokio noch einmal bei Olympia durchstarten. Foto: gepa