„Politik hat im Sport nichts verloren“

16.08.2016 • 21:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Sportminister Doskozil will neue Dachorganisationen für Spitzensport schaffen.

rio de janeiro. Gut gelaunt präsentierte sich Sportminister Hans Peter Doskozil gestern in Rio de Janeiro den Journalisten. Dabei hätte er genügend Gründe gehabt, das nicht zu sein: Den Vormittag hatte der ehemalige Landespolizeikommandant Burgenlands in einem verirrten Shuttle-Auto verbracht, das ihn zu einer verwaisten Wettkampfstätte chauffierte. Nichts wurde es mit dem Besuch des olympischen Kanu-Bewerbs. Österreichische Medaillen hätte er dort ohnehin keine feiern dürfen – peinlich? „Nein, mir ist es nicht peinlich, dass wir noch nichts gewonnen haben. An unsere Athleten, die alles geben, kommt kein Vorwurf“, meinte der 46-Jährige. Das hebt ihn positiv von seinem burgenländischen Landsmann, Vorvorgänger und Parteikollegen Norbert Darabos ab.

Doskozil hatte seit seinem Amtsantritt im Jänner wohl noch wenig Möglichkeit, sich in die Materie Sport einzuarbeiten. Terror, Flüchtlingskrise, Bundesheer – da blieb für den Mann in der Funktion des Verteidigungsministers wenig Zeit für Strukturveränderung. „Ein wenig Einblick bekam ich allerdings schon“, meinte er. Das klang wenig erfreut, Doskozil war das auch nicht. Denn was die Struktur im heimischen Sport anbelange, gebe es einiges zu tun. Doskozil formuliert so etwas gerne positiv und spricht von „Verbesserungsbedarf“. Wo liegt der?

» Die Politik hat im Sport nichts verloren: Doskozil plant eine Institution, die sich ab Herbst zentral um Spitzensport-Belange wie Förderungen kümmert. Eine Kapitalgesellschaft sei „eine Möglichkeit“. Dafür würden er und sein Ressort alle seine Fördermöglichkeiten opfern, diese Kompetenzen würden an sportnahe Personen und nicht Politiker ausgelagert. „Nur die Kontrolle würde im Ministerium bleiben, schließlich geht es um öffentliche Gelder.“ Noch bedarf das Ansinnen, eine „kapitale Entflechtung“, der Zustimmung des Koalitionspartners. Bestrebungen wie das Projekt Rio (20 Mill. Euro für vier Jahre) würden damit verschwinden.

» Die Rollenverteilung der Dachverbände muss diskutiert werden: ASKÖ, ASVÖ und Union seien historisch gewachsen, und hätten ihre Berechtigung – in erster Linie seien sie aber für den Breitensport zuständig. Darüber werde man sich aber unterhalten müssen.

» Nur 40 Prozent der Fördergelder kommen bei der Basis an: Das verblüffte selbst den Sportminister, der trotz einer gesetzlichen Regelung mit einer Quote von „70 bis 80 Prozent“ gerechnet hätte. Wo der Geldfluss versiege, müsse genauso eruiert werden wie die Frage, wie man das System optimieren könne. Und dass das Förderwesen im Spitzensport angesichts zahlreicher Töpfe eine Wissenschaft für sich darstelle, „könne auch nicht sein“.

» Wir wollen den Heeressport ausweiten: Derzeit verfüge man über 190 Planstellen, um heimische Sportler ohne größeren finanziellen Background sozial abzusichern. Im Herbst kämen weitere fünf Plätze für Behindertensportler hinzu, das sei ihm ein Anliegen.

» Die tägliche Turnstunde soll umgesetzt werden: Im Burgenland sei ab 1. September ein Pilotprojekt im Gange, fast alle Pflichtschulen würden mit der Unterstützung von 20 Sport-Lehrwarten aller drei Dachverbände zur Umsetzung schreiten. Ein Modellversuch, der auf alle Bundesländer ausgeweitet werden soll. Österreichweit würde das 30 Millionen Euro pro Jahr kosten, bis 2019 sei die Finanzierung gesichert. Mit diesem Thema wolle man auch in die Regierungsverhandlungen gehen.

» Für Olympia 2026 liegt der Ball in Tirol: Den Plan, Olympische Winterspiele 2026 in Österreich abzuhalten, hat Hans Peter Doskozil vernommen. Doskozil wurde konkret: Jetzt gehe es darum, ein „rundes Meinungsbild“ zu erhalten, der Ball liege jetzt beim Land Tirol.