Sie.

17.08.2016 • 20:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Sie. Schüchtern, zurückhaltend. Tanja Frank schien ihre Medaille gefasster aufzunehmen als Mutter Liese, die durch den öffentlichen Bereich des olympischen Segelreviers wirbelte: „Ich kann es nicht glauben“, stammelte die Besitzerin einer Segelschule ein ums andere Mal. Ihre Tochter weilte zeitgleich bei der Dopingprobe und ließ die anderen warten. Erst abends im Österreich-Haus, als der Feiermarathon seinen Ausgang nahm, sprach auch die Wienerin vom „Erfüllen eines Lebenstraums“. „Es dauert wohl noch eine Weile, bis ich das kapiert habe.“ Dabei kapiert sie sonst schnell: Ein Wunderkind sei sie nämlich immer gewesen, die mittlerweile 23-jährige Tanja Frank – immer schon. Ihr Intelligenzquotient soll bei 137 liegen, der in Mathematik und logischem Denken gar bei 158 (Durchschnitt 100). Doch da gab es auch die andere Tanja Frank: Mit zweieinhalb Jahren am Boot, mit fünf bei der ersten Regatta am Start. Wie auch nicht, wenn die Mutter eine Segelschule am Neusiedlersee betreibt. In der Schule erweist sie sich als begabt: Eingeschult mit fünf in die zweite Volksschulklasse, Lesen und Schreiben beherrscht sie schon. Als 14-Jähriger sollen ihr die Lehrer empfohlen haben, zusätzlich die Uni zu besuchen (Biologie, Ernährungswissenschaften). Und zwischendurch wird die Matura – mit ausgezeichnetem Erfolg – nachgeholt. Ein Wunderkind? „Das will sie nicht sein“, widerspricht David Hussl, seit Herbst 2014 ihr Freund und selbst Juniorenweltmeister (49er). Der Tiroler verfolgte das entscheidende Bronze-Rennen zuhause in Terfens mit Familie, Verwandten und Nachbarn. Ein kurzer Anruf nach dem Rennen, dann abends noch einmal, sonst hatte man wenig Kontakt. „Vielleicht geht sich im September ein Urlaub aus.“

Ihren sportlichen Partner findet das Energiebündel Frank (168 cm/55 kg) – im Alter von 18 Jahren Jugendweltmeisterin mit Kollegin Lara Vadlau am Boot (420er) – erst vor drei Jahren. Ein olympisches Mixed-Doppel auf dem Wasser, bei dem sie als gelernte Steuerfrau zur Vorschoterin mutiert. „Er hat mehr Erfahrung, also war das nie ein Diskussionspunkt“, meint Tanja Frank über Thomas Zajac, immerhin Vizeweltmeister 2009 im Tornado. Stur sei sie, direkt. Und mit Männern an Bord sei es vielleicht auch deshalb einfacher: „Die nehmen es nicht so persönlich, wenn du im Ärger einmal was sagst, das du gar nicht so meinst.“