Zwischen irregulär und Doping

Sport / 17.08.2016 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Weiche Landung von Darja Klischina in der Weitsprunggrube nach den harten letzten Tagen mit der Diskussion zu ihrer Rio-Startberechtigung.  Foto: reuters
Weiche Landung von Darja Klischina in der Weitsprunggrube nach den harten letzten Tagen mit der Diskussion zu ihrer Rio-Startberechtigung. Foto: reuters

Russlands Weitspringerin Darja Klischina behagt die einsame Rolle nicht.

Rio de JAneiro. Das schöne Gesicht von Darja Klischina wirkte vor dem Einspringen angespannt. Der Kampf um das Sonderrecht, als einzige russische Leichtathletin bei den Rio-Spielen starten zu dürfen, hatte Spuren hinterlassen. Aus der Bahn hat er die Weitspringerin aber nicht geworfen. „Die vergangene Woche war wirklich hart für mich, aber ich bin glücklich, bei den Olympischen Spielen zu sein“, sagte die 25-Jährige nach dem erfolgreichen Finaleinzug. Mit dem ersten Sprung über 6,64 Meter gelang ihr der fünftweiteste Sprung des Vorkampfs, nach dem sie wortlos verschwand.

Die Ad-hoc-Kommission des Internationalen Sportgerichtshofes CAS hatte erst am Montag in Rio dem Einspruch der Athletin gegen ihren nachträglichen Ausschlusses durch den Weltverband IAAF stattgegeben. Die seit drei Jahren in den USA lebende Athletin konnte begründen, dass sie sich in dieser Zeit vollständig konformen Dopingkontrollen unterzogen hatte und nicht in Russland getestet wurde. Die IAAF hatte dies auf Grundlage neuer Informationen kurzfristig noch einmal angezweifelt.

Als Verräterin beschimpft

„Ich versuche, die vergangene Woche zu vergessen“, meinte die Hallen-Europameisterin von 2011 und 2013. „Ich musste auf die Entscheidung warten, konnte nicht trainieren.“ Allerdings behagt ihr die Rolle, als einzige Russin bei den Rio-Spielen dabei zu sein, nicht wirklich. „Es ist eine irreguläre Situation, weil ich mir lieber ein großes russisches Team um mich herum wünschen würde“, sagte Klischina. In ihrer Heimat wurde sie wegen ihres olympischen Alleingangs sogar als Verräterin beschimpft. „Ich bin alleine hier und das ist eine große Verantwortung.“

Nur zwei Stunden vor dem Weitsprungauftritt von Klischina war der russischen 4×100-Meter-Staffel der Frauen die Goldmedaille von den Peking-Spielen 2008 aberkannt worden. Julia Schermoschanskaja war bei den Nachtests positiv auf Anabolika getestet worden.

Conseslus Kipruto, der kenianische Olympiadebütant, hat Gold über 3000 m Hindernis geholt. Der 21-jährige Weltjahresschnellste hatte das Rennen an der Spitze mitbestimmt und gewann mit Olympia-Rekord von 8:03,28 Minuten exakt eine Sekunde vor dem US-Amerikaner Evan Jager und 1,19 vor Kenias Star Ezekiel Kemboi.

Omar McLeod war über 110 m Hürden nicht zu schlagen. Der 22-Jährige triumphierte in 13,05 Sekunden. Es war das erste olympische Gold Jamaikas in dieser Disziplin. „Auf den Hürdenstrecken geht alles über den Charakter. Ich habe hart gearbeitet, fest gebetet und den Moment genützt“, so McLeod.

„Es schmeckt sehr süß“

Im Hochsprung sicherte sich der Kanadier Derek Drouin nach WM- auch Olympia-Gold. Als einziger Hochspringer überwand er die Höhe von 2,38 m. „Es schmeckt sehr süß. Ich habe einige Opfer gebracht, aber ich habe mich auf meine mentale Stärke immer verlassen können.“

Nicht ins Finale geschafft hat es der zweifache Hammerwurf-Weltmeister Pawel Fajdek. Der Pole kam in der Qualifikation nur auf 72,00 m und Platz 17. 1,47 m fehlten ihm auf das Weiterkommen. Die Bestmarke des 27-Jährigen steht bei 83,93. Sein Landsmann Wojciech Nowjicki war mit 77,64 m Bester der Qualifikation.

Die Woche war hart für mich. Aber ich bin glücklich, da zu sein.

Darja Klischina