„Lass dein Licht scheinen . . .“

18.08.2016 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dreifachsieg im Hürdensprint für die amerikanischen Damen: Brianna Rollins feierte Gold mit Nia Ali (r.) und Kristi Castlin. Foto: reuters
Dreifachsieg im Hürdensprint für die amerikanischen Damen: Brianna Rollins feierte Gold mit Nia Ali (r.) und Kristi Castlin. Foto: reuters

Gold Nummer zwei, Elaine Thompson ist die Sprintkönigin der Sommerspiele.

Rio de JAneiro. Als sich Elaine Thompson zur Sprint-Königin von Rio krönte, wurde selbst der große Usain Bolt zum Fan. Jamaikas Megastar ließ in den Katakomben des Olympiastadions die Journalisten stehen und hatte nur noch Augen für den Bildschirm, auf dem Thompsons Traumrennen über 200 m live gezeigt wurde – und beim Zieleinlauf flippte der Großmeister völlig aus.

Die Jamaikaner haben einen neuen Liebling, der Frauensprint hat eine neue Nummer eins: Als erste Leichtathletin seit der ebenso unerreichten wie umstrittenen Florence Griffith-Joyner vor 28 Jahren hat Thompson das olympische Sprint-Double gefeiert. Nach dem Triumph über 100 m rang die 24-Jährige über die doppelte Distanz in fabelhaften 21,78 Sekunden Favoritin Dafne Schippers (21,88) nieder. Eine Riesenvorstellung doch der anschließende Riesenrummel war der schüchternen Thompson sichtlich zuwider.

„Ich werde doch auch nach diesem Tag dieselbe Elaine bleiben. Nichts wird sich dadurch ändern“, sagte sie. Und wer auch immer auf flotte Sprüche der Marke Bolt hoffte, sah sich bitter enttäuscht. „Mein Schul-Motto war, lass dein Licht scheinen. Und heute Abend habe ich meines scheinen lassen“, sagte Thompson lächelnd. Mehr ging sie nicht aus sich heraus. Das musste sie auch nicht – sie hatte schon Taten sprechen lassen.

Sich selbst überrascht

„Für mich selbst ist dieser Sieg eine Überraschung“, sagte Thompson, die nach dem Zieleinlauf zunächst gar nicht registriert zu haben schien, dass sie vorne lag, ehe sie völlig baff war, „ich hatte im Frühjahr eine Oberschenkel-verletzung, bin nicht oft 200 m gelaufen. Aber ich bin eine Kämpferin.“

Die US-Frauen feierten über 100 m Hürden ihren ersten olympischen Dreifach-Triumph. Topfavoritin Brianna Rollins siegte bei Windstille in 12,48 Sekunden vor Nia Ali (12,59) und Kristi Castlin (12,61). Die neue Weltrekordlerin Keni Harrison (12,20) hatte sich bei den Ausscheidungen nicht qualifizieren können, London-Olympiasiegerin Sally Pearson (Aus) musste wegen einer Oberschenkelverletzung passen.

Weitsprung-Gold ging an die Amerikanerin und Weltmeisterin Tianna Bartoletta, die sich mit 7,17 m knapp vor Brittney Reese (USA/7,15) und Ivana Spanovic (Srb/7,05) durchsetzte. Auf Rang neun landete mit Darja Klischina die einzige zugelassene Leichtathletin des wegen Staatsdopings gesperrten russischen Verbandes. Klischina verzichtete auf Interaktion, bat das Publikum nicht um Unterstützung bei ihren Versuchen. Obwohl ein optischer Blickfang, war sie aber zumindest für die Zuschauer nur eine Nebenfigur an diesem Abend. Buhrufe blieben aus.

Staunt über die zweite Goldmedaille: Elaine Thompson. Foto: ap
Staunt über die zweite Goldmedaille: Elaine Thompson. Foto: ap