„Der Sport gehört in eine Hand“

Sport / 19.08.2016 • 22:13 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Karl Stoss, ÖOC-Chef
Karl Stoss, ÖOC-Chef

Die ÖOC-Analyse kurz vor Ende der Sommerspiele fiel kurz aus, zu beschönigen gab es nicht viel.

Rio de JAneiro. (VN-fm) Eine Medaille –die Segler Thomas Zajac/Tanja Frank dürfen nun auch die Fahne während der Schlussfeier tragen; dazu 17 Top-Ten-Plätze: Das Österreichische Olympische Komitee hat schon glücklicher bilanziert. Und wenn Karl Stoss zur Analyse schreitet, kann der Vorarlberger seinen wirtschaftlichen Hintergrund nicht verleugnen: Begriffe wie „Zero Base Budgeting“ oder „Return on investment“ werden strapaziert, die Stoss-Richtung ist klar. Der 6o-Jährige will wie sein Generalsekretär Peter Mennel Erfolg kalkulieren – doch der blieb mit Ausnahme des Wintersports und des Österreich-Hauses bisher aus.

Die Ursachenforschung erfolgte noch nicht, es war am 15. Wettkampftag der Spiele in Rio notgedrungen ein Schnellschuss: Manche hätten ihre Leistung nicht gebracht, was sollte man auch sonst sagen. Die zweite Ebene: Die geforderte Vereinfachung der Sportstrukturen passierte in Österreich (noch) nicht, Fördergeld fließe aus mehreren Töpfen – und das Olympische Komitee steckt mittendrin in einem Dschungel an Aufgaben. „Wir sind Dienstleister des Spitzensports“, definiert Peter Mennel und fügt an: „Und wir sind so dumm, im Österreich-Haus auch Aufgaben des Tourismus zu übernehmen.“

Ein breites To-do jedenfalls, um im Wirtschaftsenglisch zu bleiben. Denn der seit dem zweiten Weltkrieg in Parteifarben aufgeteilte Sport kann nicht von heute auf morgen einen neutralen Anstrich erhalten. „Der Spitzensport gehört in eine Hand“, fordert Mennel einmal mehr. Diesem Wunsch sollte der österreichische Sport, will er jemals im Sommer von Erfolg gekrönt sein, Folge leisten. Keine Parteipolitik, kein Funktionärs-Unwesen im Sinne der Selbstbeweihräucherung. Ein erster Schritt erfolgte bereits: Die Akkreditierung von Verbandsverantwortlichen wurde seit der Ära Wallner/Jungwirth drastisch zurückgefahren, Pfründe also beseitigt.

Es dauert acht bis zehn Jahre

Bei den Winterspielen 2018 erspart sich die Spitze des ÖOC wohl Fragen zum System, der Skiverband garantiert Medaillen im zweistelligen Bereich. Aber spätestens 2020 in Tokio wird das Lamento von Neuem beginnen, Stoss verweist auf wirtschaftliche Kenngrößen. „Return on investment darf man sich nicht in einem so kurzen Zeitraum erwarten, das kann acht bis zwölf Jahre dauern.“

Österreichs Probleme mögen klein erscheinen, ein wirkliches haben augenblicklich die Australier. Bis gestern waren es nur 27 Medaillen, man hätte sich mehr erwartet. Die gescheiterten Sportler können sich zu Hause auf einiges gefasst machen, grobe Strukturreformen stehen bevor. So gesehen bleibt Österreich ein Land der Seligen, Neuerungen muss auf die Schnelle wohl keiner befürchten . . .