Wogen glätten und weitersegeln

19.08.2016 • 20:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Flaute auf dem Wasser bei den 470er-Seglerinnen Lara Vadlau und Jolanta Ogar – nach Platz neun gab es Kritik an der Betreuung. Foto: reuters
Flaute auf dem Wasser bei den 470er-Seglerinnen Lara Vadlau und Jolanta Ogar – nach Platz neun gab es Kritik an der Betreuung. Foto: reuters

Scharmützel im österreichischen Segellager nach enttäuschten Medaillenhoffnungen.

RIo de JAneiro. Nach den enttäuschten Medaillenhoffnungen gab es im österreichischen Segellager kleinere Scharmützel in sozialen Medien. Das Projekt Tokio 2020 steht für manchen auf der Kippe.

Als das olympische Segel-Team zum letzten gemeinsamen Abendessen dieser Sommerspiele im Österreich-Haus zusammentraf, war die Stimmung sichtlich angespannt. Das gesamte Team mit Ausnahme des 470er-Clans um Lara Vadlau und Jolanta Ogar saß auf der einen Seite, die Kärntnerin mit ihrer Vorschoterin auf der anderen – allein, isoliert. Ein Fernsehinterview der Doppelweltmeisterin hatte den Stein ins Rollen gebracht: Die Betreuung sei schlecht gewesen, die Trainer schlecht bezahlt, ein verlorener Protest verschenkt gewesen. Und ihr Vater Ernst, der sein Herz gerne auf der Zunge und in diesem Fall in den Fingern trug, attackierte in einem Facebook-Posting Segel-Sportdirektor Georg Fundak: Der Olympia-Teilnehmer von 1980 habe seine Tochter von Beginn an aus der Ruhe gebracht und falsche Entscheidungen getroffen. Der Ungar selbst wollte das zunächst nicht kommentieren und freute sich über das Erreichen des Minimalziels: „Unser Ziel war zumindest eine Medaille zu holen, das haben wir geschafft.“

Schon während der WM 2015 in Israel gab es Ärger, damals ging es um die von Vadlau initiierte und gegen den Willen des Verbands erfolgte Verpflichtung des US-Trainers Larry Suter. Damals hegte man die Angst, vertrauliche und für die Olympia-Kampagne wertvolle Informationen könnten nach außen gelangen, die Zusammenarbeit musste in der Folge beendet werden.

Nicht in die Spur gefunden

Nico Delle Karth zählt zu jenen, die sein Ziel nicht erreicht haben. Zusammen mit seinem Partner Niko Resch hätte er mit einer Medaille spekuliert, die blieb den Vizeweltmeistern jedoch verwehrt. Schuld dran trage man in erster Linie selbst, bekräftigte Delle Karth. „Deshalb finde ich die Kritik von Lara auch absolut gehaltlos. Uns wurde für diese Olympia-Kampagne in Rio jeder Wunsch von den Augen abgelesen, wir hatten alles, was wir brauchten.“ Mehr wollte der 32-Jährige nicht dazu sagen, doch aus Insiderkreisen waren zuletzt auch andere Informationen durchgesickert: Segel-Briefings hätten mehrmals ohne die Jugend-Olympiasiegerin Vadlau stattgefunden, die dazu schlichtweg nicht erschienen sei. Wie Fundak indes das Scheitern der heimischen Favoriten erklärt? „Wenn die Sportler zu sehr im olympischen Medaillenrausch sind, was bei zwei von unseren Booten der Fall war, besteht die Gefahr, dass du nach einem nicht so optimalen Start zu viel riskierst oder nicht mehr zurück in die Spur findest.“

Wie die Zukunft aussieht, sei in allen vier Fällen ungewiss, selbst die Bronzemedaillengewinner Thomas Zajac/Tanja Frank wollen sich dafür „Zeit nehmen“. Vadlau/Ogar wollen ein Team bleiben: „Wenn wir weitermachen, dann zusammen.“ Möglicherweise in einer anderen Klasse, etwa dem 49er FX. Gleiches gilt für ihr männliches 470er-Pendant Matthias Schmid/Florian Reichstädter, die nicht mehr „von der Hand in den Mund“ leben wollten. Bei diesem Duo spielt wie auch bei Delle Karth/Resch die Weiterverpflichtung im Bundesheer eine Rolle. Zwar stellte Sportminister Hans Peter Doskozil zuletzt eine Verlängerung in Aussicht, die Heeressportzentrale in Wien hatte aber anderes angedeutet: Nur im Fall eines Medaillengewinns dürfe man mit einer Verlängerung rechnen, sonst würde man lieber andere zum Zug kommen lassen.

„Es muss sich was verändern“

Delle Karth, dem der jüngste Auftritt in Rio ganz besonders zu schaffen macht, will sich noch nicht damit auseinandersetzen: „Wir sind enttäuscht, aber wir werden wieder aufstehen.“ Und er versprach: „So werden wir unsere Segelkarriere nicht ausklingen lassen.“ Die Fragezeichen: Ob es mit Partner Resch weitergeht? Ob man dem olympischen Segelsport erhalten bleibe? Einzig der America’s Cup, die Königsdisziplin des Sports, sei wohl kein Thema, „da sind alle Plätze doppelt vergeben“. Für Delle Karth steht nur fest: „Es fühlt sich an, als müsste sich was verändern.“ Nur in welche Richtung, das wisse er noch nicht. Die Vorbereitung Richtung Sommerspiele 2020 in Tokio läuft jedenfalls bereits. „Wir haben im Frühsommer 2016 mit der Recherche begonnen, wir haben keine Zeit zu verlieren“, erklärt Sportdirektor Fundak. Das gilt einzig für das Segelrevier, mit Teams und Bootsklassen muss sich der 63-Jährige noch gedulden.