Es gibt überall Nachholbedarf

Sport / 22.08.2016 • 19:16 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Österreich hinkt ähnlich großen Ländern hinterher. Rio-Debütanten als Hoffnungsträger für Tokio 2020.

Rio de Janeiro. Mit der Einwohnerzahl kann Österreichs bescheidene Medaillenausbeute bei den Sommerspielen in Rio nur bedingt zu tun haben. Zahlreiche andere Länder, die entweder über kleinere oder nur wenig größere Bevölkerungen verfügen, haben im Medaillenspiegel erfolgreicher angeschrieben. An vorderster Stelle Ungarn, das mit acht Gold-, drei Silber und vier Bronzemedaillen auf Rang zwölf des Medaillenspiegels landete und ähnlich gut wie vor vier Jahren in London abschnitt. Eine solche Bilanz hat Österreich bei Sommerspielen noch nie auch nur annähernd zustande gebracht. Ungarn ist gemeinsam mit Jamaika (16./6 Gold/3 Silber/2 Bronze), Kroatien (17./5/3/2), Kuba (18./5/2/4), Neuseeland (19./4/9/5), der Schweiz (24./3/2/2), Griechenland (26./3/1/2), Dänemark (28./2/6/7) und Schweden (29./2/6/3) eines von neun Ländern mit bis zu zwölf Millionen Einwohnern, die im Medaillenspiegel in den Top 30 rangieren.

Insgesamt gelang 43 Ländern mit zwölf Millionen oder weniger Einwohnern mindestens eine Medaille, 35 davon schnitten besser ab als Österreich. Neben Kroatien haben auch einige kleine Nachbarländer wie die Slowakei (2/2/0), Slowenien (1/2/1) und Tschechien (1/2/7) erfolgreicher abgeschnitten als Rot-Weiß-Rot. Selbst die Kleinstaaten Bahamas (325.000), Fidschi (909.000), Grenada (111.000), Estland (1,27 Mill.) oder Bahrain (1,35 Mill.) durften sich über Medaillen freuen. Grenada war in Rio das Land mit den meisten Medaillen pro Einwohner, gefolgt von den Bahamas, die dank Gold auch die höchste Dichte an Olympiasiegern haben. Dritter in dieser Wertung ist Neuseeland mit 18 Medaillen bei 4,4 Millionen Einwohnern.

Debütanten als Lichtblicke

Die Leistungen einiger junger Debütanten geben Anlass zur Hoffnung, dass die rot-weiß-rote Olympia-Medaillenbilanz in vier Jahren in Tokio wieder erfreulicher aussehen könnte. Schützin Olivia Hofmann und Judo-Lady Bernadette Graf (jeweils 5.) sowie Diskuswerfer Lukas Weißhaidinger (6.) und Judoka Kathrin Unterwurzacher (7.), allesamt 24 Jahre alt, fehlte in Rio nicht viel auf Edelmetall.

Auch einige andere der 45 Olympianeulinge im 71-köpfigen ÖOC-Team schlugen sich im Vergleich mit deutlich Erfahreneren beachtlich. Diese Lichtblicke sorgten bei den Spitzenfunktionären bei all dem Bedauern über das Ausbleiben von mehr Medaillen als Segelbronze des Nacra-Duos Thomas Zajac/Tanja Frank für Zweckoptimismus. „Es freut uns, dass einige Debütanten eine großartige Leistung gezeigt und ihr Können ausgepackt haben“, betonte ÖOC-Präsident Karl Stoss. Auch der scheidende Rio-Projektkoordinator Peter Schröcksnadel verwies auf starke Auftritte und sprach davon, „dass diese Plätze viel wert sind“.

Vielversprechende mit Langfrist-Perspektiven und diesmal noch nicht qualifizierte Zukunftsaktien wie U-20-Siebenkampfweltmeisterin Sarah Lagger sollen künftig noch gezielter gefördert werden, betonten die Verantwortlichen unisono. „Ich bin glücklich, dass so gute junge Athleten nachkommen, die wir weiter forcieren werden“, bekräftigte Stoss. Dadurch soll der für Edelmetall nötige nächste Schritt gelingen, wie Schröcksnadel ergänzte: „Sie haben jetzt vier Jahre Zeit, das aufzuholen.“

Ob und in welcher Form es überhaupt ein Nachfolgeprogramm für das mit 20 Millionen Euro dotierte Rio-Förderprojekt geben wird, ist noch offen. Stoss und das Sportministerium wollen noch im Herbst darüber verhandeln. Auf einen Um- und Ausbau der Förderung hoffen freilich auch die Fachverbände, die sich wie das ÖOC außerdem eine Entflechtung und Bündelung der Förderstrukturen wünschen.

Wir müssen rasch alle Hebel in Bewegung setzen, damit wir bis 2020 diesen Rückstand aufholen.

Karl Stoss

ÖOC-Platzierungen in Rio de Janeiro

Die Top-17-Platzierungen der 71 ÖOC-Athleten bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro

Bronze (1)

Thomas Zajac/Tanja Frank Segeln/Nacra 17

5. Plätze (6)

Bernadette Graf Judo/bis 70 kg

Olivia Hofmann Schießen/Kleinkaliber-Dreistellung

Corinna Kuhnle Kanu/Kajak-Einer

Oliver Marach/Alexander Peya Tennis/Doppel

Liu Jia/Li Qianbing/Sofia Polcanova Tischtennis/Team

Stefan Fegerl/Robert Gardos/Daniel Habesohn Tischtennis/Team

6. Plätze (2)

Magdalena Lobnig Rudern/Einer

Lukas Weißhaidinger Leichtathletik/Diskus

7. Platz (1)

Kathrin Unterwurzacher Judo/bis 63 kg

8. Platz (1)

Matthias Schmid/Florian Reichstädter Segeln/470er

9. Plätze (3)

Liu Jia Tischtennis/Einzel

Clemens Doppler/Alexander Horst Beach-Volleyball

Alexander Huber/Robin Seidl Beach-Volleyball

Lara Vadlau/Jolanta Ogar Segeln/470er

10. Plätze (2)

Olivia Hofmann Schießen/Luftgewehr

Amer Hrustanovic Ringen/griechisch-römisch bis 85 kg

11. Plätze (3)

Bernd Wiesberger Golf

Sargis Martirosjan Gewichtheben/bis 105 kg

Yvonne Schuring/Ana-Roxana Lehaci Kanu/Kajak-Zweier 500 m

12. Plätze (3)

Bernhard und Paul Sieber Rudern/Leichtgewichts-Doppelzweier

Nico Delle Karth/Niko Resch Segeln/49er

Anna Maria und Eirini Alexandri Schwimmen/Synchron-Duett

13. Platz (1)

Mario Leitner Kanu/Kajak-Einer

15. Platz (1)

Alexander Schmirl Schießen/Luftgewehr

16. Plätze (2)

Georg Preidler Radsport/Zeitfahren

Jennifer Wenth Leichtathletik/5000 m

17. Plätze (8)

Elisabeth Baldauf Badminton/Einzel

David Obernosterer Badminton/Einzel

Thomas Mathis Schießen/Kleinkaliber liegend

Stefan Fegerl Tischtennis/Einzel

Alexander Schmirl Schießen/Kleinkaliber-Dreistellung

Daniel Allerstorfer Judo/über 100 kg

Ludwig Paischer Judo/bis 60 kg

Sabrina Filzmoser Judo/bis 57 kg