Radikale Neuausrichtung ohne die Politik im Sport

Sport / 23.08.2016 • 20:42 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) will die Sportförderung in Österreich radikal umkrempeln. Foto: gepa
Sportminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) will die Sportförderung in Österreich radikal umkrempeln. Foto: gepa

Minister Doskozil fordert nach ernüchternder Rio-Bilanz gravierende Reform in Spitzensportförderung.

Wien. Erst 2013 war das Bundes-Sportfördergesetz von Hans Peter Doskozils (46) Vorgänger als Verteidigungs- und Sportminister, Gerald Klug, reformiert worden, mit dem Ziel, das Gießkannensystem zu beenden sowie Spitzen- und Breitensport klar zu trennen. Zudem war die Förderung transparenter geworden. Bei der Sportförderung in Österreich geht es bekanntlich um sehr viel Geld. An die 130 Millionen Euro werden 2016 aus den beiden großen Töpfen allgemeine und besondere Sportförderung in den heimischen Sport gepumpt. Das, was der seit 26. Jänner des Jahres im Amt befindliche Doskozil jetzt vorhat, ist aber zumindest im Spitzensportbereich eine radikale Neuausrichtung. „Es geht darum, alle Fördergeldmöglichkeiten zusammenzuziehen und in einer Gesellschaft zu fokussieren“, erklärte der Ressortchef.

„Parteipolitik muss weg“

Umsetzen soll dies künftig eine GmbH außerhalb des Ministeriums, die von Sport­experten geleitet wird und eine klare Führungsstruktur mit zwei Geschäftsführern und einem Aufsichtsrat hat. „Unser Signal ist, Parteipolitik raus aus dieser GmbH“, betont Doskozil. In der Gesellschaft können künftig auch Förderungen ähnlich wie das mit 20 Millionen Euro dotierte Olympiaprojekt „Rio 2016“, das aber nicht das gebracht hat, was man sich erhofft hat, angesiedelt sein.

Die Umsetzung soll bereits diesen Herbst geschehen, und der erst seit Jänner im Amt befindliche Minister ist zuversichtlich, dass schon in drei Wochen ein Papier vorliegen wird. „Das wird sicherlich noch diskutiert und angepasst. Aber die Grundausrichtung soll bleiben: Geld für den Spitzensport in eine Hand und nicht in eine politische Hand, sondern in die von Sportexperten.“

Die Zuversicht ist groß, denn laut Doskozil wurden mit wesentlichen Vertretern des Sports schon im Vorfeld der Sommerspiele in Brasilien Gespräche geführt, und man habe bisher nur positive Rückmeldungen bekommen. „Auch vom Koalitionspartner und dem Innenministerium“, versicherte Doskozil. Zudem gehe man selbst mit gutem Beispiel voran. „Ich bin bereit, auch die Gelder des Sportministeriums in diese neue Institution überzuführen. Ich lege in Zukunft keinen Wert darauf, dass ich Förderung vergebe. Vielmehr soll der Spitzensport professionell von Sportprofis organisiert und administriert werden“, signalisiert der Minister, dass er bereit ist, selbst ein politisches Instrument aus der Hand zu geben. Man habe aufgrund der Vorgespräche bereits ganz konkrete Vorschläge und die legistischen Vorarbeiten in Auftrag gegeben, erklärte Doskozil. Das notwendige Gesetz soll es noch in diesem Jahr geben. „Ich glaube, dass jetzt im Sport etwas gemacht werden muss, und dass die Zeit reif ist für diese Entscheidungen.“

„Es gibt viele Experten“

Wer die Experten in dieser neuen Gesellschaft sein könnten, ist natürlich noch offen. „Dazu ist es noch zu früh. Aber es gibt sehr viele österreichische Sportexperten, die auch international erfolgreich sind. Man könnte versuchen, die wieder zurückzuholen.“

Auch im Bundesheer zeichnen sich Verbesserungen hinsichtlich Sportförderung ab. Derzeit gibt es dort etwa 190 Planstellen für Sportler, die sich dank sozialer Absicherung dem Spitzensport widmen können. Diese Planstellen werden nun auch für den Behindertensport geöffnet, außerdem sollen sie auf deutlich über 200 ausgebaut werden.

Wie der Spitzen- ist Doskozil auch der Breitensport und der Nachwuchs ein Anliegen. „Sport ist ein Thema von klein auf. Spitzenathleten werden nicht erst mit 20 Jahren produziert oder fallen vom Himmel. Sie entstehen sehr früh in den Vereinen, an der Basis. Die Eltern und das ganze Umfeld haben eine Riesenaufgabe und Verantwortung.“

Das Ministerium soll Förderungen nicht mehr verteilen, sondern die Kontrollfunktion übernehmen.

Hans Peter Doskozil