Knüppeldick statt befreiend

28.08.2016 • 16:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zwei, die die zweite Hälfte im Duell der Tabellenführer prägten: Altachs Patrick Salomon (rechts) im Kopfballduell mit Sturm-Torschütze Stefan Hierländer. Foto: gepa
Zwei, die die zweite Hälfte im Duell der Tabellenführer prägten: Altachs Patrick Salomon (rechts) im Kopfballduell mit Sturm-Torschütze Stefan Hierländer. Foto: gepa

Cashpoint Altach verpasste nicht nur Sieg bei Sturm, sondern zog mit 1:3 den Kürzeren.

Graz. 103, 78 und jetzt 96 Sekunden. Die Altacher sind die Schnellstarter der Liga. Keine andere Mannschaft ist vom Anpfiff weg so im Spiel wie die Cashpoint-Truppe. Das gilt aber nicht nur für die bislang drei Saisontreffer innert der ersten beiden Minuten, das gilt gleichermaßen auch für den Wiederanpfiff nach der Pause. Zweimal Dimitri Oberlin und nun Nikola Dovedan – das sind die Torschützen der Rheindörfler. Allein beim dritten Mal, im Spitzenduell gegen Sturm, reichte es trotz der frühen 1:0-Führung nicht einmal für einen Punkt. „Nur auf einen Konter zu warten und sich darauf verlassen, dass Oberlin was gelingt, ist zu wenig“, ärgerte sich SCRA-Trainer Damir Canadi nach dem 1:3 von Graz nicht nur über die verpasste Sieg-Möglichkeit, sondern auch über die Lethargie, die seine Mannschaft nach dem Blitzstart über weite Strecken der ersten Halbzeit an den Tag gelegt hatte.

Rasche Umstellungen

Dabei war man hellwach in der „Sauna“ Merkur Arena, denn Dovedan war da, als es kurz nach Anpfiff nach einem kapitalen Fehler des Sturm-Duos Lykogiannis und Schulz etwas zu erben gab. Blitzsauber und abgeklärt erzielte der U-21-Teamspieler die Führung. Es blieb aber bei der kurzzeitigen Demonstration Altacher Fußballkunst, denn minütlich zogen sich die Mannen um Kapitän Philipp Netzer, der erstmals in der Saison im Mittelfeld begann, zurück. Eine „Einladung“, die die Grazer, die sehr nervös wirkten und anfangs eine Reihe von Fehlpässen produzierten, gerne annahmen. Vor allem der nur 165 cm große Sascha Horvath bereitete den Vorarlbergern in weiterer Folge der ersten Halbzeit mehr und mehr Kopfzerbrechen.

Dominant, wenig effektiv

„Selbst bei diesen Temperaturen hätten wir aggressiver dagegenhalten müssen“, verstand auch Canadi den Rückzug nicht ganz. Zudem eröffnete man Sturm durch Stellungsfehler Möglichkeiten, die von den Grazern auch prompt genutzt wurden. Etwa beim Ausgleich, als Andreas Lienhart bei einem Freistoß von Horvath auf Gegenspieler Christian Schulz vergaß und der Deutsche ungehindert per Kopf erfolgreich sein konnte (20).

Canadi reagierte und beorderte seinen Kapitän auf die zentrale Abwehrposition zurück. Für Netzer rückte Lukas Jäger ins Mittelfeld. Der gewünschte Erfolg der Umstellung ließ aber noch etwas auf sich warten, nicht dafür der zweite Gegentreffer. Deni Alar war es, der nach einer starken ersten Abwehr von SCRA-Goalie Andreas Lukse kühlen Kopf bewahrte und im zweiten Versuch das Tor erzielte (37.). Der Treffer war schließlich der gewünschte Weckruf – und plötzlich war Altach nicht nur wieder im Spiel, sondern dominierend. Erst mit zwei Kopfball-Möglichkeiten noch vor der Pause durch Oberlin (43.) und Boris Prokopic (45./+ 1) und dann vor allem auch spielerisch nach dem Seitenwechsel.

Altach zog einen feinen Kombinationsfußball auf und stellte unter Beweis, warum man den Anspruch hat, sich hinter den „großen vier“ im österreichischen Fußball zu etablieren und jede Schwäche des Quartetts Salzburg, Rapid, Austria oder Sturm zu nutzen. Allein die Effizienz scheint ein wenig abhanden gekommen zu sein. Etwa bei einem Dovedan-Kopfball (53.), der doch weit am langen Pfosten vorbeistrich, oder bei einem Schuss von Lienhart, der von Sturm-Schlussmann Christian Gratzei entschärft wurde (63.), und schließlich bei einem herrlichen Kopfball von Louis Ngwat-Mahop, bei dem die berühmten Zentimeter gefehlt hatten (69.). Es kam noch schlimmer: Sturm brauchte nur einen Torschuss, um den Endstand (3:1) herzustellen und Altach kassierte den ersten Ausschluss in dieser Saison.

Altachs Nikola Dovedan erzielt nach nur 96 Sekunden den Führungs­treffer, Sturm-Goalie Christian Gratzei ist machtlos. Foto: gepa
Altachs Nikola Dovedan erzielt nach nur 96 Sekunden den Führungs­treffer, Sturm-Goalie Christian Gratzei ist machtlos. Foto: gepa
Nicht nur einmal trafen Philipp Netzer und Osagie Bright Edomwonyi aufeinander. Foto: apa
Nicht nur einmal trafen Philipp Netzer und Osagie Bright Edomwonyi aufeinander. Foto: apa

Fußball

Die Zahlen zum Spiel

SK Sturm Graz Cashpoint SCR Altach

17 Schüsse gesamt 12

 6 Schüsse auf das Tor 3

49 % Ballbesitz 51 %

 3 Ecken 4

 6 Flanken aus dem Spiel 10

56 % Zweikampfquote 44 %

 2 Abseits 4

73 % Passquote 74 %

11 Freistöße 12

 9 Fouls 15