Problem mit der Kompaktheit

Sport / 10.10.2016 • 22:51 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch das Knie schmerzt: Eine OP ist bei Teamchef Marcel Koller unumgänglich. fOTO. GEPA
Auch das Knie schmerzt: Eine OP ist bei Teamchef Marcel Koller unumgänglich. fOTO. GEPA

ÖFB-Teamchef Marcel Koller übt Kritik an der Laufbereitschaft seiner Spieler in der Defensive.

Wien. Der wichtigste negative Aspekt war wohl das oftmalige Auseinanderdriften der Mannschaftslinien. „Wir waren viel zu weit auseinander“, kritisierte der 55-Jährige. In diesem Zusammenhang sei die Psyche ein wesentlicher Faktor. „Das ist immer eine Kopfsache. Zurück ist halt immer ein Scheißweg“, sagte Marcel Koller und meinte wenig später: „Ich kann nicht in sie reinprügeln, dass sie immer nach hinten gehen. Da geht es um Wahrnehmung und Bewusstsein.“

Da es genau an diesen Dingen haperte, kam es auch zu zahlreichen unnötigen Ballverlusten in der Vorwärtsbewegung. „Das haben die Serben mit ihrer Klasse ausgenützt“, erklärte Koller.

Allerdings wies der Coach auch darauf hin, dass seine Mannschaft die eine oder andere hochkarätige Chance vorgefunden hatte. Zudem sah Koller elferwürdige Vergehen an Marcel Sabitzer und Marko Arnautovic sowie einen nicht geahndeten Rückpass zum serbischen Tormann im Finish. „Schlussendlich haben die Serben ein Tor mehr geschossen, doch ich glaube, ein Unentschieden wäre gerecht gewesen.“

Fünfte Niederlage 2016

So aber setzte es in diesem Jahr die bereits fünfte Niederlage im zehnten Länderspiel. Demgegenüber stehen lediglich Siege gegen Albanien, Malta und Georgien. „Wir können das nicht mehr ändern. Teilweise haben wir nicht so gut gespielt, wie wir können“, gab Koller zu. Angesichts des Auftritts in Belgrad relativierte sich auch Kollers Aussage nach dem 2:2 gegen Wales, wonach die ÖFB-Auswahl erwachsen geworden sei. „Aber erwachsen wird man nicht an einem Tag, das dauert ein bisschen“, sagte der Schweizer.

Zwei Problemkinder

Koller stellte sich hinter seine Spieler und verteidigte speziell David Alaba, der neuerlich eine durchwachsene Leistung im zentralen Mittelfeld ablieferte. „Ich habe ihn gut gesehen. Er hat ein gutes Spiel gemacht, war aktiv und hatte viele Ballbesitze.“ Ein Nationalteam-Einsatz des Bayern-Stars auf seiner angestammten Klub-Position dürfte auch künftig nicht infrage kommen. „Wenn er links hinten spielt, hat er weniger Ballkontakte. Er ist ein Weltklassespieler, und so viele haben wir nicht.“ Außerdem sagte Koller zu diesem Thema: „Österreich ist nicht Bayern München. Die Bayern haben auf dieser Position drei, vier Weltklassespieler, das ist bei uns anders.“

Ein weiterer Kicker, der in der ÖFB-Elf schon bessere Zeiten erlebt hat, ist Zlatko Junuzovic. „Aber er hat gegen Wales nicht schlecht gespielt und deswegen war es eine Überlegung, in Serbien wieder mit der gleichen Aufstellung zu beginnen“, erzählte Koller. Die schwierige Phase, die Junuzovic im Moment in Bremen durchmacht, sei kein Grund gewesen, auf den 29-Jährigen zu verzichten. „Wenn einer ein Tief hat, hat er schon oft bei der Nationalmannschaft gezeigt, dass er das drehen kann.“

Allerdings hätte Koller mit Alessandro Schöpf eine passende Alternative auf der Junuzovic-Position – der Schalke-Legionär bringt nach seinen Einwechslungen regelmäßig Schwung in das ÖFB-Spiel. „Er hat es sich verdient, von Beginn an zu spielen, aber er ist auch einer, der gleich ins Spiel findet, wenn er reinkommt“, sagte Koller über den 22-Jährigen.