Ein „Erdbeben“ im WM-Skandal

Sport / 18.11.2016 • 22:37 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Für große Schlagzeilen sorgen jetzt in Deutschland verschlüsselte Dateien.

Frankfurt/Main. Entgegen allen Versprechen droht dem Deutschen Fußball-Bund das nächste „Erdbeben“ im Skandal um das Sommermärchen 2006. Die Süddeutsche Zeitung berichtete von verschlüsselten Dateien, die vom Namen her brisanten Inhalt offenbaren könnten. In jedem Fall beweist der Fund, dass der DFB eben nicht „alles“ getan hat, um die WM-Affäre aufzuklären.

Die im Ordner „Erdbeben“ gespeicherten Dateien ruhten seit dem 12. November 2015 auf den DFB-Servern und wurden der Staatsanwaltschaft Frankfurt fast genau ein Jahr später zugänglich gemacht. Die Behörden hatten bereits am 3. November 2015 zur Razzia an der Tür zur DFB-Zentrale geklopft – und konnten deshalb die Dateien, unter anderen mit dem Namen „Komplex Jack Warner“, noch nicht finden. Der lebenslang gesperrte und in den USA angeklagte Warner spielte in verschiedenen Skandalen bei der FIFA eine zentrale Rolle. In der WM-Affäre wurde er durch einen von Franz Beckenbauer gezeichneten dubiosen Vertrag, der kurz vor der Vergabe der WM 2006 geschlossen wurde, zur Schlüsselfigur. Auch dieser Vertrag führte letztlich zum Rücktritt des damaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach am 9. November 2015.

Selbst wenn die Dokumente am Ende keine neuen Erkenntnisse bringen, bleibt die entscheidende Frage, warum der DFB die Dateien so lange zurückgehalten hat. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Steuerhinterziehung, es geht um die dubiosen 6,7 Millionen Euro, die von den WM-Organisatoren um Beckenbauer wohl illegalerweise falsch deklariert worden waren. Nun sind die staatlichen Ermittler an der Reihe. Deren Arbeit wurde aber offensichtlich vom DFB – ob mutwillig oder nicht – erschwert.