Warner-Datei von Ermittlern geknackt

Sport / 15.12.2016 • 22:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Hoffnung auf neue Erkenntnisse in der WM-Affäre 2006.

Frankfurt am Main. Dass die Datei von den Ermittlern aber in weniger als einem Monat geöffnet werden konnte, weckt erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in diesem Skandal. Denn der DFB hatte nach mehreren vergeblichen Versuchen darauf verzichtet, das Dokument zu öffnen. Zur Begründung hieß es, der „finanzielle und zeitliche Aufwand“ dafür sei möglicherweise sehr hoch.

Die „Warner“-Datei war in der DFB-Zentrale in einem Ordner mit dem Titel „Erdbeben“ abgelegt worden. Zusammengestellt wurde sie mutmaßlich von dem langjährigen stellvertretenden Generalsekretär Stefan Hans. Der mittlerweile gekündigte Funktionär war von der alten DFB-Führung um Wolfgang Niersbach damit beauftragt worden, interne Recherchen zu den dubiosen Geldflüssen rund um die WM 2006 durchzuführen.

Der nachweislich korrupte langjährige FIFA-Funktionär Jack Warner ist möglicherweise eine der Schlüsselfiguren in dem Skandal. Vor einem Jahr tauchte ein Vertragsentwurf zwischen ihm und dem DFB auf, der aus den Tagen kurz vor der WM-Vergabe datiert und Warner u. a. 1000 WM-Tickets der teuersten Kategorie zusichern sollte. Deshalb erhofft sich die Staatsanwaltschaft von der Auswertung der Warner-Datei wichtige Erkenntnisse in der gesamten Affäre.

Vorwürfe zurückgewiesen

Bei der Datei geht es auch noch um eine andere Frage: Wie groß ist der Aufklärungswillen der neuen DFB-Führung um den Niersbach-Nachfolger Reinhard Grindel tatsächlich? Die Warner-Datei wurde den Ermittlern erst im November ausgehändigt. Auch deshalb warf die Staatsanwaltschaft dem Verband zuletzt vor, „seine ursprüngliche Kooperationsbereitschaft mit den Ermittlungsbehörden ab Anfang 2016 stark eingeschränkt“ zu haben. Der DFB wies diesen Vorwurf zurück. Man habe „jederzeit umfassend mit der Staatsanwaltschaft und der Steuerfahndung kooperiert“, verlautbarte man.