Bei der Christl geht die Post ab

Sport / 20.12.2016 • 22:12 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Christine Scheyer im Vollgas-Modus – die junge Götznerin fuhr in den ersten sechs Saisonrennen immer in die Weltcup-Punkteränge.  Foto: gepa
Christine Scheyer im Vollgas-Modus – die junge Götznerin fuhr in den ersten sechs Saisonrennen immer in die Weltcup-Punkteränge. Foto: gepa

Christine Scheyer ist im österreichischen Damen-Skiteam die Entdeckung der Saison.

Götzis. „Merci Val d’Isere.“ Christine Scheyer bedankte sich artig beim Weltcup-Schauplatz. Der Olympia-Ort von 1992 hatte ihr dreimal Weltcuppunkte und die ersten Schlagzeilen ihrer Karriere beschert: 15. im Super-G, Elfte in der Kombination und gar Neunte in der Abfahrt. Damit war die 22-Jährige Götznerin die konstanteste ÖSV-Dame in Val d‘Isere.

Scheyer hat schon in der Vorbereitung in Chile ein wenig gespürt, dass in dieser Saison der Knopf aufgehen könnte. „Ich war in den Trainings mit der Weltcupgruppe schnell. Aber oft ist es dann, wenn man in den Weltcup kommt, völlig anders.“ Videostudium oder die Besichtigung, das habe mit der Renn-Realität wenig zu tun. „Man schaut sich natürlich die Linie der besten Läuferinnen am Video an. Aber das Rennen ist dann doch etwas völlig anderes“, bemerkt Scheyer.

Fürs Risiko belohnt

Bei der Weltcupabfahrt in Lake Louise betrat die ehemalige Sportgymnasiastin Neuland. „Da war ich schon ein wenig nervös. Aber ich habe gewusst, ich darf nicht zu viel nachdenken. Dann passt es nicht. Wenn ich nicht zu hundert Prozent Vollgas gebe, funktioniert es bei mir nicht“, muss bei der Christl immer die Post abgehen. Und sie hat sich an den Rat von Trainer Roland Assinger gehalten: „Gib alles“, hat er Scheyer für die Abfahrtspremiere mitgegeben. Als Lohn stand Platz 18.

Die Älteste eines Fünfmäderlhauses stand mit zweieinhalb Jahren erstmals auf den Skiern. Zuerst am Hügel hinter dem Haus, später auf der Spalla, dem Götzner Hausberg. Reiten, Tennis und Turnen waren Alternativprogramme. „Das Skifahren hat mir immer am besten gefallen“, erzählt Christine, die ihr Wirtschaftsstudium momentan unterbrochen hat. „Beim WSV Koblach waren wir sieben oder acht Kinder, gute Freunde, eine coole Truppe, wir wurden von den Trainern Markus Jenni und Karl Gächter sehr gut betreut.“ Im Alter von acht Jahren lief bei Bezirksrennen erstmals die Stoppuhr mit, der Weg über den VSV-Schülercup zu den ÖSV-Test- und Schülerrennen war vorgezeichnet. In der Saison 2010/11 gab es den ersten Sieg bei einem Citizen-Bewerb, 2012 wurde Scheyer ÖSV-Jugendmeisterin in der Kombination. Auf sieben Siege bei FIS-Rennen folgten mit zwei Kreuzbandrissen 2013 und 2014 herbe Rückschläge. „Wenn ich jetzt zurückblicke, war ich schon sehr geduldig. Aber die Verletzungen haben mich auch stärker gemacht.“

Skifahren ist bei den Scheyers Programm. Auch die Schwestern Alexandra, Julia, Lina und Ella haben sich dem Sport mit den zwei Brettln verschrieben. Alexandra fuhr sogar auf FIS-Basis, hing mit einem Slalomsieg – noch nicht 17-jährig – die Ski früh an den Nagel. Das sechsjährige Nesthäkchen Ella ist noch in der Findungsphase.

Weihnachten genießen

Weihnachten gehört bei den Scheyers der Familie, wird traditionell gefeiert. „Den Baum bringt bei uns noch das Christkind“, schmunzelt Christine. Fürs Fest ist sie gerüstet, nur mehr ein Geschenk fehlt. Und die paar freien Tage werden genossen. Denn bald geht es, wie von Scheyer bevorzugt rasant, im Weltcupkalender weiter.

Wenn ich nicht Vollgas gebe, funktioniert es bei mir nicht.

Christine Scheyer