Die Renn-Attraktion vor 40 Jahren

Sport / 30.12.2016 • 18:04 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Der aufstrebende Ländle-Bergfex Walter Pedrazza holte sich mit einem Chevron B16 gleich zwei Mal den Klassensieg bei den Sportwagen der damaligen Gruppe 6. Foto: Noger
Der aufstrebende Ländle-Bergfex Walter Pedrazza holte sich mit einem Chevron B16 gleich zwei Mal den Klassensieg bei den Sportwagen der damaligen Gruppe 6. Foto: Noger

Von 1976 bis 1979 dröhnten zwischen Batschuns und Furx vier Mal die Motoren.

Schwarzach. Fünf Jahre nach dem letzten „Steinbock“-Berg­rennen von Gargellen fand am 3. Oktober 1976 mit dem Zwischenwasser-Rennen wieder ein groß aufgezogenes Automobil-Bergrennen mit internationaler Beteiligung auf Vorarlberger Boden statt. Mit der 3,15 km langen Straße von Zwischenwasser/Batschuns nach Furx fand die Veranstalter-Gemeinschaft des Vorarlberger-Auto-Touring-Club (VATC) und des Schweizer-Autorennsport-Club (SAR) eine geeignete Piste. Immer am ersten Oktober-Wochenende wurde das Bergrennen bis einschließlich 1979 immerhin vier Mal abgehalten. Bis zu 400.000 Schilling wurden jeweils investiert, damit für den Eventualfall Ärzte, RK-Helfer, Feuerwehr, Abschleppdienst und eine Sicherheitsstaffel mit den notwendigen Geräten einsatzbereit waren. Selbst ein Hubschrauber des Innenministeriums stand stets bereit, für den drei Landeplätze geschaffen wurden. Als Rennleiter agierte der Rankweiler Hubert Gau. Wie schon bei den Bödele-Bergrennen ab Schwarzenberg Ende der 1960er-Jahre sorgten dann die Landwirte als Grundbesitzer der Zuschauerplätze wegen zu hoher Forderungen für das Ende der beliebten Rennveranstaltung.

Fest in Schweizer Hand

Die Zwischenwasser-Rennen zählten stets zur Schweizer Bergmeisterschaft, ab 1977 zur nationalen Berg-Meisterschaft und die Veranstaltung 1979 auch erstmals zur österreichischen Rennwagenmeisterschaft. Bei der Erstlingsveranstaltung säumten 8000 Zuschauer die Rennstrecke. Der Schweizer Bergchampion von 1975, Markus Hotz, später Rennwagenkonstrukteur und Teamchef seines eigenen HORAG-Racing-Teams, holte sich im strömenden Regen mit seinem Formel-2-March-762-BMW überlegen den Tagessieg, den er ein Jahr später wiederholte. 1978 und 1979 gingen die Tagessiege, jeweils errungen durch den Genfer Garagisten André Chevalley, ebenfalls in die Schweiz. Auch Chevalley trieb in beiden Jahren jeweils einen bissigen Formel-2-Boliden den Berg hoch. Die Veranstalter hatten stets für ein attraktives Rahmenprogramm gesorgt. So sorgte Österreichs schnellster Tischler, der Altacher Konrad Stückler (damaliger Motorrad-Berg-Staats- und Europameister) mit seiner BMW, ein amerikanischer Renntraktor mit zwei einen Meter breiten Antriebsrädern, das Seitenwagen-Gespann Biland/Leutenegger oder die Mitglieder des Rennrodelverbands mit ihren Wintersportgeräten auf Rollen für Kurzweil in den Rennpausen. 1978 statteten Ski-Weltcupsiegerin Hanni Wenzel und ihr Bruder Andy Wenzel (damaliger Kombi-Weltmeister in Garmisch) aus Liechtenstein dem Event einen Besuch ab und starteten mit einer Motoguzzi- bzw. einer Kawasaki-Motorrad-Maschine als Pausenfüller. Die Preisverteilung gab es immer im Hotel „Suldis“.

Ländle-Kapazunder am Start

Mit von der Partie waren freilich immer die schnellsten Gipfelstürmer aus dem Ländle. Der Dornbirner Teppichhändler Siegfried Grabher, ein begnadeter Leichtathlet und Gründer des ULC-Dornbirn, war zu jener Zeit ein großer Mäzen vieler Vorarlberger Motorsportler. Er unterstützte die damaligen Kapazunder wie Norbert Breuß, Walter Pedrazza, Alois Pfister, Janos Kiss oder Konrad Stückler, die in Zwischenwasser immer präsent waren und für die eine oder andere Überraschung sorgten. Grabher war es auch, der dem Lustenauer Kiss den Kauf eines spektakulären Brabham-BT-40-Formel-2-Boliden ermöglichte. Zuvor hatte der Diepoldsauer Rennstall-Besitzer Rudi Wittwer den BT 40 direkt dem damaligen Teambesitzer und späteren F-1-Zampano Bernie Ecclestone abgekauft. Kiss kam mit dem Auto auf Anhieb gut zurecht, wurde damit 1976 hinter Hotz und dem Sportwagenpiloten Eugen Strähl (Sui) toller Gesamt­dritter. Im Jahr darauf bewegte Alois Pfister den F-2-Brabham. Der Altacher war im Training schnellster Vorarlberger. Nach einer anschließenden Kontrolle wurde jedoch ein Riss im Motorblock festgestellt, sodass Pfister auf einen Start verzichten musste. Pfister hatte jedoch im Jahr zuvor mit einem NSU-TT einen Klassensieg bei den Spezialproduktionswagen bis 1300 ccm erringen können. Ein weiterer Fahrer aus dem legendären Teppich-Grabher-Racing-Team, Walter Pedrazza, gelang dieses Kunststück bei den zweisitzigen Sportwagen der Gruppe 6. Der damalige Bregenzer schaffte 1977 und 1978 mit seinem Chevron-B16 als einziger Vorarlberger zwei Klassensiege hintereinander. Zu groß war einfach die Übermacht der Eidgenossen, zu groß der Budget-Unterschied zu den Schweizer Piloten. Ganz krass zeigte sich dies 1978: Von den 144 Teilnehmern waren nur ganze zwölf Fahrer aus dem Ländle.

Bei der letzten Veranstaltung bäumten sich hingegen die Ländle-Bergfexe noch ein Mal ungeheuer auf und landeten 1979 mit Kurt Hämmerle (Dornbirn/Lola), Hermann Bischof (Bizau/PRS-Formel-Ford), Hans-Jörg Brändle (Höchst/Simca Rallye), Hans Fink (Dornbirn/Alfa Romeo GTAJ) und dem Wolfurter Heinz Karl (GRD-Formel V) gleich fünf Klassensiege.

Geplantes Revival 2018

Erst vor wenigen Tagen wurde der Verein „Oldtimerfreunde Zwischenwasser“ gegründet. Vorher luden am 25. November 2016 die 17 umtriebigen Mitglieder in den Frödischsaal nach Muntlix, um bei einem gemütlichen Filmabend die legendären Bergrennen nochmals Revue passieren zu lassen. Das Interesse hat dabei alle Erwartungen übertroffen.

Nach dem 400. Besucher musste der Saal aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Es soll nicht nur bei dieser Film-Infoveranstaltung bleiben. Sobald die Straßensanierung nach Furx abgeschlossen ist, soll es 2018 zu einem Rennrevival kommen, welches laut Vereinsobmann Johannes Welte in Form einer Nostalgiefahrt ausgetragen werden soll.

Das Orginalplakat aus dem Jahres 1977. Foto: Noger
Das Orginalplakat aus dem Jahres 1977. Foto: Noger

Motorsport

Statistik Bergrennen Zwischenwasser

Streckenlänge: 3150 Meter

Höhendifferenz: 325 Meter

Mittlere Steigung: 10,3 %

Datum Zuschauer Witterung Starter Tagessieger Gesamtzeit (2 Läufe)

 3. 10. 1976: 8000 Regen 130 Markus Hotz (Sui) auf March 762-Formel 2 3:27.59 Minuten

 2. 10. 1977: 6000 trocken 155 Markus Hotz (Sui) auf March 772-Formel 2 3:05,52 Minuten

 1. 10. 1978: 6000 trocken 144 André Chevalley (Sui) auf Chevron-Formel 2 3:01,47 Minuten

30.  9. 1979: 7000 trocken 166 André Chevalley (Sui) auf Ralt-Formel 2 2:59,91 Minuten

Absoluter Streckenrekord: 1.29,45 Minuten (126,77 km/h Schnitt), aufgestellt von André Chevalley 1979 im zweiten Rennlauf