Der Magier und die „Hail Mary“

Sport / 09.01.2017 • 21:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Aaron Rodgers war mit vier Touchdown-Pässen der überragende Mann und stellte Giants-Passgeber Eli Manning in den Schatten. Foto: afp
Aaron Rodgers war mit vier Touchdown-Pässen der überragende Mann und stellte Giants-Passgeber Eli Manning in den Schatten. Foto: afp

Quarterback Aaron Rodgers lässt die Green Bay Packers plötzlich vom NFL-Titel träumen.

Green Bay. Die Fans johlten, sie brüllten und sprangen in der Eiseskälte des Lambeau Fields von ihren Sitzen auf. Und der TV-Kommentator meinte nur: „Unbelievable!“ Unglaublich. Aaron Rodgers, Quarterback der Green Bay Packers mit einem goldenen rechten Arm, hat Anhänger und Experten in der National Football League (NFL) verzaubert. Schon wieder einmal: „Ich glaube jedes Mal daran, dass der Ball eine Chance hat anzukommen“, sagte Rodgers hinterher über seinen magischen 42-Yards-Pass. Sechs Sekunden waren in der ersten Hälfte des Wild-Card-Games gegen die New York Giants noch zu spielen. Rodgers schaute, die Uhr tickte, er wartete ab – bis die richtige Zeit gekommen war. Dann schmiss der 33-Jährige den Ball über das halbe Feld, Randall Cobb verwandelte zum Touchdown, das Stadion tobte. Hail Mary, so etwas wie der Buzzer Beater (zu Deutsch Sirenenbezwinger) des Football. Es war die Wende in der Partie, New York erholte sich in der zweiten Hälfte nicht mehr. Und für die Packers scheint plötzlich alles möglich – sogar der Titel.

Anwärter auf MVP-Titel

„Die Hail Mary hat uns geholfen, richtig in Schwung zu kommen“, sagte Rodgers nach dem 38:13 und dem Einzug in die Runde der besten acht. Und der Spielzug verdeutlichte, warum Rodgers der gefeierte Mann der Stunde ist. Er strahlt eine beängstigende Ruhe aus, trifft auch unter extremem Druck die richtigen Entscheidungen. Es ist die große Stärke von „A-Rod“, sich aus kniffligen Situationen zu befreien, immer eine Lösung zu finden, selbst wenn seine Offensive Line ihn nicht mehr vor den gegnerischen Spielern schützen kann. Nach jetzt sieben Siegen in Serie wird der Magier wieder als MVP-Anwärter gehandelt.

Dabei schien die Saison für das Team im US-amerikanischen Bundesstaat Wisconsin eigentlich schon gelaufen, bevor sie richtig begann. Am 20. November verloren sie in Washington 24:42, es war die vierte Niederlage nacheinander, ein Desaster, das Aus drohte. Jetzt sind sie laut USA Today das „Team, gegen das keiner spielen will“. Selbst die großen Dallas Cowboys müssen sich nächsten Sonntag (22.30 Uhr) wohl fürchten. „Es gibt in der NFL kein Team mit mehr Momentum oder einen Quarterback, der heißer ist als Rodgers“, schrieb die Chicago Tribune.

„Die Mannschaft ist hungrig und selbstbewusst“, sagte Rodgers, der bei den sieben Siegen in Serie 19 Touchdown-Pässe warf. Der Super-Bowl-Sieger von 2010, der seine ganze Profi-Karriere bei den Packers spielt, ist in der Form seines Lebens. Ob er beginnt zu glauben, dass es das Jahr der Packers werden könnte? „Ja, das tue ich“, sagte Rodgers, der schon jetzt heiß ist auf den Ritt bei den Cowboys. Auch wenn Dallas zuletzt im Oktober 30:16 bei den Packers gewann. Rodgers will wieder zaubern. „Ich kann es nicht erwarten“, sagte er.

American Football

National Football League (NFL) Internet: www.nfl.com

Play-off-Ergebnisse

» 1. Runde (Wild-Card-Spiele): Houston Texans – Oakland Raiders 27:14, Seattle Seahawks – Detroit Lions 26:6, Pittsburgh Steelers – Miami Dolphins 30:12, Green Bay Packers – New York Giants 38:13.

» Viertelfinal-Paarungen (alle Spiele live auf Puls 4 und Sat 1)

American Football Conference (AFC)

New England Patriots – Houston Texans Sonntag, 15. 1., 02.15 MEZ

Kansas City Chiefs – Pittsburgh Steelers (3) Sonntag, 15. 1., 20.05 MEZ

National Football Conference (NFC)

Atlanta Falcons – Seattle Seahawks Samstag, 14. 1., 22.35 MEZ

Dallas Cowboys – Green Bay Packers Sonntag, 15. 1., 23.40 MEZ

» Halbfinale (Conference-Finalspiele der AFC und NFC) 22. Jänner

» Finale (51. Super Bowl): 5. Februar in Houston