Scheyer schrieb ein Skimärchen

Sport / 15.01.2017 • 20:37 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Christine Scheyer als strahlende Siegerin der Weltcupabfahrt in Altenmarkt-Zauchensee. Platz zwei ging durch Tina Weirather (l.) ebenfalls ins Rheintal, Dritte wurde die junge Amerikanerin Jacqueline Wiles. Foto: gepa
Christine Scheyer als strahlende Siegerin der Weltcupabfahrt in Altenmarkt-Zauchensee. Platz zwei ging durch Tina Weirather (l.) ebenfalls ins Rheintal, Dritte wurde die junge Amerikanerin Jacqueline Wiles. Foto: gepa

Die Götznerin gewann die Abfahrt in Zauchensee und damit ihr erstes Weltcuprennen.

Zauchensee. Sie stellte selbst das Comeback von Lindsey Vonn in den Schatten. Christine Scheyer schrieb mit ihrem Sensationssieg in der Abfahrt von Altenmarkt-Zauchensee ein Skimärchen. Die 22-jährige aus Götzis gewann bei ihrer erst vierten Weltcup-Abfahrt zum ersten Mal und setzte sich dabei 0,39 Sekunden vor Tina Weirather durch. Es war im 20. Saisonrennen der erste Sieg für Österreichs Alpindamen.

„Unbeschreiblich“ sei das Gefühl des ersten Sieges, staunte Scheyer in der Zauchenseer Weltcup-Arena, nachdem ihr Sensationserfolg feststand. „An das hätte ich wirklich nicht geglaubt. Es ist einfach nur cool“, sagte sie kopfschüttelnd, obwohl sie schon davor im einzigen Training als Zweite groß aufgezeigt hatte.

Gratulation von Vonn

Nachdem wegen Neuschnees drei Tage lang alles abgesagt hatte werden müssen, begann auch der Sonntag in Zauchensee schwierig. Zwar war das Wetter erstmals gut, der einzige Trainingslauf endete aber erst knapp eine halbe Stunde vor dem Rennen, weil dabei mit Nadia Fanchini und Edit Miklos zwei
WM-Medaillenkandidatinnen schwer stürzten und den Rettungshubschrauber benötigten.

Bestzeit erzielte dabei auf schneller werdender Piste mit Startnummer 49 sensationell die Ski fahrende Snowboarderin Ester Ledecka aus Tschechien vor den beiden ÖSV-Hoffnungen Scheyer und Sabrina Maier. Im Rennen legte aber nur Scheyer nochmals nach, und das gewaltig.

Denn die Christl vom WSV Koblach, die im Dezember 2014 im Weltcup debütiert hatte und nach zwei Kreuzbandrissen erst diese Saison im Speed antritt, raste auf verkürzter Kälberloch-Piste ohne den steilen Startschuss nicht nur zu ihrem ersten Weltcupsieg, sondern damit auch zur WM in St. Moritz.

Positiv aufgefallen war sie diesen Winter schon mit den Plätzen 23 und 18 in Lake Louise und neun in Val d‘Isere. „Ich wollte nochmals voll andrücken und alles auf Zug fahren. Das hat ziemlich gut funktioniert“, berichtete Scheyer. Eine der ersten Gratulantinnen war im Ziel Vonn. „Es ist brutal cool, wenn dir so eine gratuliert“, freute sich die Absolventin des Dornbirner Sportgymnasiums. Weirather gratulierte ebenfalls. „Ich habe gewusst, dass Christine stark ist und mit dem Licht das nötige Glück hat – dann wird sie schwer zu schlagen sein“, sagte die von Andreas Evers gecoachte Liechtensteinerin.

Lang ist es her

17 Jahre nach dem letzten Vorarlberger Sieg im Damen-Weltcup durch Anita Wachter und gar 42 Jahre und 42 Tage nach dem letzten Abfahrts-Weltcuperfolg durch Wiltrud Drexel schrieb Scheyer Skigeschichte. Die letzte Podestfahrt einer VSV-Läuferin gelang Katja Wirth am 1. März 2003 mit einem zweiten Paltz in der Weltcupabfahrt in Innsbruck.

Schon vor Scheyers Fahrt mit Startnummer 25 war klar, dass Ilka Stuhec erstmals in dieser Saison geschlagen ist. Die bisherige Speed-Dominatorin aus Slowenien wurde in Salzburg Fünfte. Als Vierte machte Lara Gut in der Weltcup-Gesamtwertung weniger Punkte als erhofft auf Mikaela Shiffrin gut, deren Vorsprung immer noch 315 Zähler beträgt.

Beste Amerikanerin in der ersten Damen-Weltcupabfahrt nach einem Monat Pause war überraschend Jacqueline Wiles als Dritte. Lindsey Vonn hingegen musste sich bei ihrem großen Comeback nach 323 Tagen mit Platz 13 begnügen. „Das ist schon okay. Das Timing hat noch gar nicht gepasst. Ich weiß, was ich besser machen muss“, gab sich die Rekord-Weltcupsiegerin dennoch versöhnlich. „Es war ein guter Start.“

Ich wollte alles auf Zug fahren. Das hat gut funktioniert.

Christine Scheyer

Ski_weltcup

Weltcup-Damenabfahrt Altenmarkt

1. Christine Scheyer (AUT) 1:21,15 Min.

2. Tina Weirather (LIE) 1:21,54 +0,39

3. Jacqueline Wiles (USA) 1:21,69 +0,54

4. Lara Gut (SUI) 1:21,70 +0,55

5. Ilka Stuhec (SLO) 1:21,73 +0,58

6. Johanna Schnarf (ITA) 1:22,30 +1,15

7. Nicole Schmidhofer (AUT) 1:22,34 +1,19

8. Priska Nufer (SUI) 1:22,38 +1,23

9. Nicol Delago (ITA) 1:22,40 +1,25

10. Jasmine Flury (SUI) 1:22,47 +1,32

11. Elena Fanchini (ITA) 1:22,50 +1,35

12. Laurenne Ross (USA) 1:22,58 +1,43

13. Lindsey Vonn (USA) 1:22,69 +1,54

14. Joana Hählen (SUI) 1:22,75 +1,60

15. Corinne Suter (SUI) 1:22,81 +1,66

16. Breezy Johnson (USA) 1:22,95 +1,80

17. Francesca Marsaglia (ITA) 1:23,09 +1,94

18. Sofia Goggia (ITA) 1:23,12 +1,97

Mirjam Puchner (AUT) 1:23,12 +1,97

20. Elisabeth Görgl (AUT) 1:23,16 +2,01

21. R. Mowinckel (NOR) 1:23,18 +2,03

22. Fabienne Suter (SUI) 1:23,20 +2,05

23. Elena Curtoni (ITA) 1:23,23 +2,08

Stephanie Venier (AUT) 1:23,23 +2,08

Tiffany Gauthier (FRA) 1:23,23 +2,08

26. Kajsa Kling (SWE) 1:23,26 +2,11

27. Tamara Tippler (AUT) 1:23,37 +2,22

28. Ramona Siebenhofer (AUT) 1:23,42 +2,27

29. Stacey Cook (USA) 1:23,51 +2,36

Valerie Grenier (CAN) 1:23,51 +2,36

31. Rosina Schneeberger (AUT) 1:23,59 +2,44

33. Sabrina Maier (AUT) 1:23,73 +2,58

Ausgeschieden: Viktoria Rebensburg (GER), Aleksandra Prokopjewa (RUS)

Nicht gestartet: Nadia Fanchini (ITA/nach Sturz im Training), Edit Miklos (HUN)