„Ich bin dankbar für den Weg, den ich gehen durfte“

25.01.2017 • 21:16 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Andreas Ivanschitz (r.) mit VN-Sportchef Christian Adam.
Andreas Ivanschitz (r.) mit VN-Sportchef Christian Adam.

Als US-Meister angereist, will Andreas Ivanschitz nun auch den Titel mit Pilsen.

Oliva. Ein wenig müde wirkte er in den ersten Tagen in Oliva Nova. Kein Wunder, hatte Andreas Ivanschitz doch noch seinen Jetlag wegzustecken, ehe er sich dann schnell in den Trainingsbetrieb bei Viktoria Pilsen eingliederte. Direkt aus den USA angereist, war man sich schnell über einen Eineinhalbjahresvertrag einig. Beraten wurde der 33-jährige Ex-ÖFB-Teamkapitän von Markus Peresich von der Agentur „More than sport“. Die VN nutzten die Gelegenheit, um mit Ivanschitz ein Gespräch, auch abseits des Fußballs, zu führen.

Sie sind mit Rapid Meister geworden, haben eine Heim-EM erlebt, und nun sind Sie als frischgebackener US-Meister nach Europa zurückgekehrt. Welchen Stellenwert hat für Sie der Titel mit Seattle?

Ivanschitz: Er ist genauso hoch einzuordnen wie jener mit Rapid. Wenn du eine Meisterschaft gewinnst, dann ist es das, wofür du gearbeitet hast. Es ist das höchste Ziel, das du mit einer Mannschaft erreichen kannst. Rapid war extrem, besonders weil es mein erster Meistertitel und es damals eine unheimlich schöne Zeit war. Dies nun wieder zu erleben, als erster Österreicher in den USA den Titel zu holen, ist eine Krönung, die so nicht zu erwarten war.

Klingt nach einem überraschenden Titelgewinn?

ivanschitz: Wir zählten zum Favoritenkreis, doch wir hatten einige Probleme, vor allem nach dem Abgang von Martins. Erst als Lodeiro kam, lief es besser und wir spielten uns in einen Lauf. Es gab eine Eigendynamik, bis hin zum Endspiel mit dem Sieg im Elferschießen (Anm. d. Red.: 5:4 gegen Toronto, Ivanschitz verwandelte einen Elfer). Die Emotionen waren einfach gewaltig. Ich bin unheimlich dankbar, das miterlebt zu haben.

Sie haben in Österreich gespielt, in Griechenland, Deutschland, Spanien und den USA. Wie unterscheidet sich der Fußball?

ivanschitz: Es ist nicht nur der Fußball, auch die Kulturen sind unterschiedlich. Panathinaikos war ein international renommierter Klub, wir waren in der Gruppenphase der Champions League. Diese Ausstrahlung des Vereins spürte man überall, wo wir hingekommen sind. Für mich war es die erste Auslandstation und eine ganz neue Erfahrung. Meine vielleicht besten Jahre waren jene vier in Deutschland mit Mainz. Der Klub war ambitioniert, hatte klare Ziele und mit Thomas Tuchel einen Trainer, den heute alle kennen. Für mich war die Zeit sehr intensiv, wenn ich heute zurückdenke. Ich war im vielleicht besten Fußballalter, und wenn ich es Revue passieren lasse, das vielleicht beste Gesamtpaket. Dann ging mit Spanien wieder ein Traum in Erfüllung. Denn für mich war auch schon in jungen Jahren klar: Wenn ich die Chance als Fußballer bekomme, in verschiedenen Ländern zu spielen, dann möchte ich dies wahrnehmen. In Spanien gegen Messi oder Ronaldo zu spielen, ist schon etwas Besonderes. Auch die Stadien und die Spielkultur. Mit Amerika habe ich mir dann einen weiteren Wunsch erfüllt. Meine Familie hat sich sehr wohlgefühlt, nicht nur ob des sportlichen Happy Ends.

Sie sprechen Ihre Familie an. Sie sind dreifacher Vater, da ist es ja nicht so einfach, durch die Welt zu ziehen?

ivanschitz: Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre das auch nicht machbar gewesen. Sie hat die Entscheidungen immer mitgetragen. Die Lebenserfahrung, die wir und auch unsere Kinder machen durften, ist sehr wertvoll. Sich in eine andere Kultur einzuordnen, in eine neue Gruppe einzufügen, ohne den eigenen Charakter zu ändern, die eigene Authentizität zu verlieren, das sind wichtige Dinge. Diese Weltoffenheit spüren auch unsere Kinder, von denen jedes in einem anderen Land geboren ist. Was das Leben abseits des Fußballs betrifft, war Spanien sicherlich einmalig.

Eigentlich kennt die Öffentlichkeit den privaten Andreas Ivanschitz recht wenig?

ivanschitz: Ich bin da sicherlich anders. Private Sachen trage ich nicht gerne nach außen, da bin ich eher der verschlossene Typ. Es ist auch ein wenig ein Schutz, für die Kinder jedoch besser.

Wie nützen Sie Social Media?

ivanschitz: Mein Zugang dazu ist insgesamt ein kritischer. Jedoch nutze ich Kanäle wie Facebook, Instagramm oder Twitter, um den Fans Einblick in mein Fußballer-Leben zu geben.

Sportlich wartet jetzt Pilsen. Wie schauen die Ziele aus?

ivanschitz: Für mich ist es eine sehr reizvolle Aufgabe. Es ist ein Klub, der um die Meisterschaft mitspielt, international dabei ist. Mein Ziel ist es, mit Pilsen den Titel zu holen.

Ein Blick zurück: Erinnern Sie sich an den 2. Dezember 2000?

ivanschitz (überlegt): Mein erstes Bundesligaspiel? Nein, mein erstes Tor, ja, gegen SW Bregenz (Anm. d. Red.: 5:0-Sieg von Rapid, es war das 1:0). Ich sehe es noch vor mir, ich bin mir fast sicher, es war mit rechts (schmunzelt).

Ihr Vertrag mit Pilsen läuft bis 2018. Gibt es schon Pläne für danach?

ivanschitz: Nein, dafür lebe ich noch zu sehr in der Gegenwart. Im Fußball zu bleiben, kann ich mir aber sehr gut vorstellen. Es muss ja nicht Trainer sein.

Zur Person

Andreas Ivanschitz

69-facher ÖFB-Teamspieler, erzielte zwölf Tore für Österreichs Nationalmannschaft.

Geboren: 15. Oktober 1983 in Eisenstadt

Größe/Gewicht: 184 cm/82 kg

Laufbahn: ASK Baumgarten, SK Rapid, Rb Salzburg, Panathinaikos Athen, FSV Mainz 05, Levante UD, Seattle Sounders, Viktoria Pilsen (Vertrag bis 2018)

Familie: verheiratet mit Anja (seit 2007), drei Kinder, Sohn Ilia (9), Tochter Nahla (6), Tochter Luna (2)