Retro ist Trumpf in Down Under

26.01.2017 • 21:53 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Oldies but Goldies: Venus und Serena Williams sowie Roger Federer (v. l.) sind zusammen 106 Jahre und haben 46 Grand-Slam-Titel geholt.  Fotos: AFP
Oldies but Goldies: Venus und Serena Williams sowie Roger Federer (v. l.) sind zusammen 106 Jahre und haben 46 Grand-Slam-Titel geholt. Fotos: AFP

Williams-Schwestern und Roger Federer im Finale der Australian Open in Melbourne.

Melbourne. Ein neuer Sister Act und ein schwebender Maestro bei den Oldie-Festspielen von Melbourne: Die Williams-Schwestern und Roger Federer haben bei den Australian Open die Zeit zurückgedreht. Während sich Serena und Venus am Samstag erstmals seit acht Jahren in einem Grand-Slam-Finale gegenüberstehen werden, sorgte Federer auf seine Weise für Retro-Stimmung in Down Under. Der 35-Jährige gewann am Australia Day das Schweizer Duell gegen Stan Wawrinka mit 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3 und greift am Sonntag nach seinem 18. Grand-Slam-Titel. „Ich könnte nicht glücklicher sein und hätte es nicht zu träumen gewagt, dass ich so schnell nach meiner Verletzungspause wieder hier stehen werde“, sagte Federer, der nach einer Knie-Operation in der zweiten Saisonhälfte 2016 pausiert hatte.

Gegner im Endspiel ist entweder sein langjähriger Dauerrivale Rafael Nadal aus Spanien oder der Bulgare Grigor Dimitrow. Beide stehen sich am Freitag im Halbfinale gegenüber. Unabhängig davon kann Federer seinen ersten Grand-Slam-Titel seit Wimbledon 2012 gewinnen, für Wawrinka ist der Maestro ohnehin eine Ausnahmeerscheinung. „Roger schwebt über den Platz. Er ist der beste Spieler aller Zeiten“, schwärmte der 31-Jährige.

Federer gegen Nadal – der eine mit 35 Jahren der älteste Major-Finalist seit 1974, der andere 30 Jahre und ebenfalls auf der Zielgeraden seiner Karriere. Es wäre so etwas wie ein Retro-Finale, eine Reise zurück in die Vergangenheit. Knapp sechs Jahre ist es her, dass sich beide in einem Major-Finale gegenüberstanden: 2011 in Paris gewann Sandplatzkönig Nadal den Klassiker, den es bislang 34 Mal gegeben hat (23 Siege Nadal). „Ein Duell gegen Rafa ist immer etwas Besonderes“, meinte Federer: „Das wäre eine unglaubliche Geschichte.“

Der 28. Sister Act

Ein Kapitel Tennisgeschichte schrieb auch Venus Williams mit ihrem 6:7, 6:2, 6:3 gegen ihre Landsfrau Coco Vandeweghe. Mit 36 Jahren ist sie nun die älteste Australian-Open-Finalistin aller Zeiten. „Im tiefsten Innern bin ich aber noch ein Kind. Mein Gott, das ist alles so verrückt. Und es bedeutet mir alles“, sagte Venus Williams, die erstmals seit 2003 wieder das Endspiel von Melbourne erreichte.

Dass sie dort am Samstag im 28. Sister Act auf ihre um 15 Monate jüngere Schwester Serena trifft, machte die Freude der beiden Amerikanerinnen am australischen Feiertag perfekt. „Damit geht für uns der größte Traum in Erfüllung. Eine Williams wird auf jeden Fall gewinnen“, sagte Serena strahlend: „Und egal, wie es ausgeht, wir sind beide schon jetzt Gewinnerinnen.“ Die 22-malige Major-Siegerin hatte das Familienduell durch ihr 6:2, 6:1 gegen Überraschungs-Halbfinalistin Mirjana Lucic-Baroni aus Kroatien ermöglicht.

Es ist das erste Mal seit 2009, dass sich Venus und Serena im Gand-Slam-Endspiel gegenüberstehen. Und es fühlt sich an, als sei inzwischen eine Ewigkeit vergangen. 2009 hatte Serena in Wimbledon ihr sechstes von insgesamt acht familieninternen Major-Endspielen gewonnen. Von einer Revanche will Venus aber nichts wissen: „Das ist ein Wort, das ich niemals benutze. Aber klar, ich will natürlich gewinnen.“ Serena könnte mit einem Erfolg ihren 23. Major-Coup landen und an Steffi Graf vorbeiziehen.

Ich habe alles versucht, aber Roger ist ein großer Kämpfer und hat einfach außergewöhnlich gespielt.

Stan Wawrinka

Tennis

Australian Open 2017 in Melbourne

Dotation: 35,15 Mill. Euro

Internet: www.ausopen.com

» Damen-Einzel, Halbfinale: Venus Williams (USA-13) – Vandeweghe (USA) 6:7(3), 6:2, 6:3, Serena Williams (USA-2) – Lucic-Baroni (CRO) 6:2, 6:1.

» Herren-Einzel, Halbfinale: Federer (SUI-17) – Wawrinka (SUI-4) 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3, Nadal (ESP-9) – Dimitrow (BUL-15).

» Damen-Doppel, Halbfinale: Hlavackova/Peng (CZE/CHN-12) – Garcia/Mladenovic (FRA-1) 7:6(4), 6:2, Mattek-Sands/Safarova (USA/CZE-2) – Hozumi/Kato (JPN) 6:2, 4:6, 6:4.

» Herren-Doppel, Halbfinale: Bob und Mike Bryan (USA-3) – Carreno Busta/Garcia-Lopez (ESP) 7:6(1), 6:3, Kontinen/Peers (FIN/AUS-4) – Polmans/Whittington (AUS) 6:4, 6:4.