Die Renaissance des Klassikers

27.01.2017 • 21:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nach einer fast fünfstündigen Marathonpartie über die volle Distanz sank Rafael Nadal erschöpft, aber glücklich zu Boden. Foto: AFP
Nach einer fast fünfstündigen Marathonpartie über die volle Distanz sank Rafael Nadal erschöpft, aber glücklich zu Boden. Foto: AFP

Rafael Nadal folgt mit Fünfsatzerfolg Roger Federer ins Australian-Open-Finale.

Melbourne. Als das Retro-Finale bei den Australian Open im Tennis in Melbourne nach einem knapp fünfstündigen Fünfsatzkrimi besiegelt war, ließ sich Rafael Nadal an der Grundlinie auf den Bauch fallen und konnte sein Glück kaum fassen. „Das bedeutet mir so viel. Ich weiß gar nicht, wie ich meine Emotionen beschreiben soll. Ich bin einfach nur happy, aber auch müde“, sagte der Spanier nach dem 6:3, 5:7, 7:6, 6:7, 6:4 im Halbfinale gegen den Bulgaren Grigor Dimitrow.

Im Endspiel trifft Nadal am Sonntag (9.30 Uhr MEZ) im ewigen Klassiker auf seinen Dauerrivalen Roger Federer aus der Schweiz. „Das ist ein Privileg und ein ganz besonderes Spiel für uns beide“, sagte Nadal, nachdem er nach 4:56 Stunden gegen Dimitrow seinen dritten Matchball verwandelt hatte.

Der 14-malige Grand-Slam-Champion steht damit erstmals seit Juni 2014 wieder in einem Major-Finale. „Das Duell mit Roger ist sicher eine einmalige Situation. Lasst sie uns genießen, weil das wahrscheinlich nicht noch einmal passieren wird“, betonte der 30-Jährige wenige Minuten nach dem Matchball.

Nadal im Head-to-Head vorne

Einen Tag zuvor hatte der um fünf Jahre ältere Grand-Slam-Rekordchampion Federer in fünf Sätzen seinen Landsmann und US-Open-Sieger Stan Wawrinka ausgeschaltet. Knapp sechs Jahre ist es her, dass sich Nadal und Federer im Endspiel eines Majors gegenüberstanden: Im Juni 2011 bei den French Open entschied Sandplatzkönig Nadal den Klassiker mit 7:5, 7:6, 5:7, 6:1 für sich. In den bisherigen 34 direkten Duellen liegt Nadal mit 23:11 Siegen vorn.

Federer hatte sich in Down Under als größter Fan von Erzrivale Nadal geoutet. „Er ist ein unglaublicher Spieler. Rafa hat Schläge, die sonst niemand hat. Das macht ihn einzigartig und speziell“, schwärmte Federer und meinte: „Ich habe in vielen Bereichen großen Respekt vor ihm.“ Nicht zuletzt weil sich Nadal nach Blessuren immer wieder zurückgekämpft hat. In seiner Karriere hat er insgesamt schon fast zweieinhalb Jahre verletzt pausieren müssen. Im vergangenen Jahr zwangen Nadal Probleme mit dem Handgelenk zu Pausen. „Als ich von den French Open zurückziehen musste, saß ich weinend im Auto zurück ins Hotel“, berichtete er. Auch Federer schwächelte und beendete bereits im Juni seine Saison vorzeitig.

Vor exakt einem Jahr hatten die beiden Superstars letztmals an selber Stelle bei einem Major-Event aufgeschlagen. „Unser Sport hat die beiden vermisst. Sie sind Legenden, die Fans lieben sie“, sagte der früh gescheiterte Serbe Novak Djokovic.

Nadal sorgte mit dem Finaleinzug zudem für ein Novum in der Open Era: Es ist das erste Mal seit 1968, dass alle Finalisten des Männer- und des Frauen-Endspiels 30 Jahre oder älter sind. Im Endspiel der Damen kommt es am Samstag (9.30 Uhr MEZ) im 28. Sister Act seit 1998 zu Aufeinandertreffen der 35-jährigen Serena und ihrer um 15 Monate älteren Schwester Venus Williams.

Für mich ist der Finaleinzug ein Privileg – und für uns beide ist das etwas ganz Besonderes.

Rafael Nadal

Tennis

Australian Open 2017 in Melbourne

Dotation: 35,15 Mill. Euro

Internet: www.ausopen.com

» Damen-Einzel, Halbfinale: Venus Williams (USA-13) – Vandeweghe (USA) 6:7(3), 6:2, 6:3, Serena Williams (USA-2) – Lucic-Baroni (CRO) 6:2, 6:1.

» Herren-Einzel, Halbfinale: Federer (SUI-17) – Wawrinka (SUI-4) 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3, Nadal (ESP-9) – Dimitrow (BUL-15) 6:3, 5:7, 7:6(5), 6:7(4), 6:4.

» Damen-Doppel, Halbfinale: Hlavackova/Peng (CZE/CHN-12) – Garcia/Mladenovic (FRA-1) 7:6(4), 6:2, Mattek-Sands/Safarova (USA/CZE-2) – Hozumi/Kato (JPN) 6:2, 4:6, 6:4; Finale: Mattek-Sands/Safarova – Hlavackova/Shuai 6:7(4), 6:3, 6:3.

» Herren-Doppel, Halbfinale: Bob und Mike Bryan (USA-3) – Carreno Busta/Garcia-Lopez (ESP) 7:6(1), 6:3, Kontinen/Peers (FIN/AUS-4) – Polmans/Whittington (AUS) 6:4, 6:4.

» Mixed, Halbfinale: Mirza/Dodig (IND/CRO-2) – Stosur/Groth (AUS) 6:4, 2:6, 10:5, Spears/Cabal (USA/COL) – Switolina/Guccione (UKR/AUS) 7:6(1), 6:2.