„Wilde Abfahrt“ ging an Ganong

Sport / 27.01.2017 • 23:04 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Travis Ganong gewann als erster Amerikaner eine Abfahrt auf der Kandahar-Piste in Garmisch-Partenkirchen. Foto: reuters
Travis Ganong gewann als erster Amerikaner eine Abfahrt auf der Kandahar-Piste in Garmisch-Partenkirchen. Foto: reuters

Die Kandahar in Garmisch überraschte die Abfahrer – Reichelt
auf dem vierten Rang.

Garmisch. Schwere Stürze haben die erste von zwei Abfahrten auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen überschattet. Mit dem Steven Nyman und Valentin Giraud Moine wurden zwei Athleten per Ackja geborgen und mit dem Rettungshubschrauber ins Spital gebracht. Den Weltcupsieg holte sich Travis Ganong aus den USA, bester Österreicher wurde Hannes Reichelt als Vierter.

Die Abfahrt war um einiges schneller als das einzige Training bei noch deutlichen Minusgraden am Vortag. Die aufgrund wärmerer Temperaturen stark veränderten Pistenverhältnisse überraschten viele Rennläufer. Zudem ging vor allem der Kramersprung zu weit, obwohl er bereits um ein paar Zentimeter abgegraben worden war.

„Es war brutal schnell“

„Es geht sicher noch schneller“, sagte der achtplatzierte Matthias Mayer, „aber das steht heute nicht im Vordergrund. Die Verhältnisse haben sich von gestern auf heute sehr geändert, dadurch ist es ein Chaos, ein wildes Rennen geworden. Es gab viele Stürze, bei den beiden Sprüngen ist sehr viel passiert. Oben ist der Eric raus (Seilbahnstadelsprung/Anm.), unten der Steven (Kramersprung), und bei der Kompression der Valentin“, sagte der Abfahrts-Olympiasieger, der im Kampf um ein WM-Ticket sehr gute Chancen hat.

Ganong fuhr mit Nummer zwölf und unmittelbar nach dem Sturz seines Landmannes und nach langer Wartezeit zum Sieg. Er setzte sich bei seinem zweiten Weltcup-Erfolg nach Santa Caterina 2014 mit 0,38 Sekunden vor Kjetil Jansrud und 0,52 vor Peter Fill durch. „Wenn es hier nur ein bisschen schneller wird, ist alles gleich viel schwieriger, das hat heute einige überrascht. Mich auch. Es war brutal schnell“, sagte Jansrud. „Heute habe ich ein paar Fehler gemacht, das hat jeder. Der Einzige, der keine gemacht hat, war Travis.“

Reichelt fuhr mit Startnummer eins und patzte oben gleich gehörig, wie es ihm auch schon in Kitzbühel passiert war, holte unten aber mächtig auf. „Immer wieder der Rechtsschwung, das ist ein bisserl zum Ärgern. Aber ich bin froh, dass die anderen Teile gut gelaufen sind. Die perfekte Fahrt schafft hier keiner, kleine Fehler macht jeder, es kommt drauf an, wie man die Ski laufen lässt“, sagte der Salzburger, der sich sein WM-Ticket endgültig gesichert haben dürfte.

Nicht alles riskiert

Romed Baumann kam mit Rang sieben (0,89) der Nominierung für das WM-Abfahrtsteam näher, auch er sah ein komplett verändertes Pistenbild. „Es ist dunkel, da siehst bei der Besichtigung schon nichts, denkst dir, das ist ein Teppich und geht fein. Dann siehst du den Hannes mit Nummer eins und denkst dir: Alter, was ist da los?“ Der Kramersprung sei am Limit gewesen, meinte auch er. Der Vorteil einer Doppelabfahrt sei, dass man es am nächsten Tag gleich noch einmal besser machen könne.

Vincent Kriechmayr musste nach dem Sturz von Guay am Start länger warten, klassierte sich als 13. (1,44) und gab zu, nicht alles riskiert zu haben. „Beim Kramersprung hab’ ich bewusst rausgenommen und ein bisserl gebremst. Es sind noch eine paar Rennen in der Saison, ich wollte sie nicht vorzeitig beenden.“

Komplett unzufrieden war Max Franz (23./2,60): „Ich war eigentlich topmotiviert, ich habe die Ski gewechselt und schon in der ersten Kurve null Grip gehabt. Volltopfen. Für mich ist es da herunter brutal schwierig.“ Die vierte Abfahrt hat damit den vierten verschiedenen Sieger nach Jansrud (Val d’Isere), Franz (Gröden) und Dominik Paris (Kitzbühel) gebracht.

Der Einzige, der keine Fehler gemacht hat, war Travis.

Kjetil JAnsrud