Zauberlehrling fordert den Rekord-Titelträger

Sport / 02.02.2017 • 20:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Das Duell der Quarterbacks Tom Brady gegen Matt Ryan „elektrisiert“ den Kampf um den Super Bowl.

Houston. Die 51. Auflage des Super Bowl ist nicht nur das Aufeinandertreffen von zwei der offensivstärksten Mannschaften im US-amerikanischen Profi-Football. Das Spektakel in der Nacht auf Montag (0.30 Uhr MEZ) ist auch ein Duell zweier grundverschiedener Quarterbacks: Tom Brady bei den Patriots, Matt Ryan bei den Falcons. Nur in der Spielanlage ähnlich, gehen sie mit sehr unterschiedlichen Erwartungen aufs Feld.

Für Brady geht es darum, seinen Namen in den Geschichtsbüchern zu zementieren. Für „Matty Ice“ Ryan wäre ein Triumph dagegen zunächst nur krönender Abschluss der besten Saison seiner Karriere. Brady hat den Olymp des American Football bereits viermal mit den Patriots erklommen.

Mit einem weiteren Triumph wäre der 39-Jährige der erste Quarterback mit fünf Super-Bowl-Titeln. Eine historische Marke: Brady würde die NFL-Größen Joe Montana (San Francisco 49ers) und Terry Bradshaw (Pittsburgh Steelers) hinter sich lassen, die je viermal die Vince-Lombardi-Trophäe hochhielten.

Insgesamt ist es für Brady die siebte Super-Bowl-Teilnahme, schon das ist ein Rekord. Zu seinen vier Super-Bowl-Siegen reihen sich drei Super-Bowl-MVP-Trophäen, die an den besten Spieler des Endspiels vergeben wird, sowie zwei NFL-MVP-Auszeichnungen für den besten Spieler in der Liga. Brady ist ohne Frage ein Superstar und gilt als einer der besten Quarterbacks überhaupt. Verheiratet mit Ex-Supermodel Gisele Bündchen, ausgestattet mit millionenschweren Werbeverträgen, ist er ein strahlender All-American-Boy. Und ein scharf kritisierter: Seine Unterstützung Donald Trumps stößt vielen sauer auf, der aktuelle US-Präsident brüstet sich mit der Freundschaft zu dem Athleten.

Ganz anders dagegen Matt Ryan, dem dieses Rampenlicht fremd ist. Er wird seinen ersten Super Bowl bestreiten. Der 31-Jährige führte die Falcons mit hochpräzisem Passspiel zu elf Siegen während der regulären Saison. Und auch in den Play-offs konnten weder die Seattle Seahawks noch die Green Bay Packers ein Mittel gegen den auf Hochtouren laufenden Angriff aus Atlanta finden. Die Falcons kamen in ihren beiden Play-off-Begegnungen auf 80 Punkte.

Anwärter auf den MVP-Titel

Ryan rangiert in allen wichtigen Quarterback-Statistiken an erster oder zweiter Stelle, und er ist der heißeste Anwärter auf die diesjährige MVP-Auszeichnung des besten Spielers der Liga. Zwar kann Ryan mit Bradys prestigeträchtiger Trophäensammlung nicht mithalten. Aber er hat eine Auszeichnung, die Brady verwehrt blieb: die für den besten offensiven Nachwuchsspieler des Jahres.

„Matty Ice“ im Privatleben und auf dem Feld gelten als zwei verschiedene Personen. Von stiller Zurückhaltung der eine, von extremem Wettkampfgeist der andere. Beliebte Interviewaussage: „Ich bin ziemlich langweilig.“ Belege? Lieblingspizza: Käse. Lieblingseis: Vanille. Sein Vater, schreibt die New York Times, muss bei diesen Sätzen immer lachen. „Matt ist einfach auf dem Boden geblieben. Er ist nicht langweilig. Jetzt hat einen Millionen-Dollar-Vertrag – aber er hat nicht vergessen, wie oft er angerufen hat, weil er kein Geld mehr für Benzin hatte.“

Beide haben Gardemaße

In ihrer physischen Erscheinung sind sich Brady und Ryan ähnlich: Beide sind 1,93 Meter groß und wiegen um die 100 Kilogramm – und sie agieren auf dem Spielfeld auch ähnlich – zumindest zeigen dies die Statistiken. Im Gegensatz zu anderen Quarterbacks der Liga ist der Lauf nur eine Notfall-Option. Beide Spielmacher werfen ihre Pässe überwiegend aus der „Pocket“ heraus, so wird der Raum um den Quarterback genannt.

38:28 Touchdowns

Ryan brachte während der regulären Saison 373 seiner 534 Passversuche an den Mann. In 16 Spielen warf er für insgesamt 4994 Yards und 38 Touchdowns. Dem stehen sieben Interceptions gegenüber, die von gegnerischen Spielern abgefangen wurden.

Brady, der zu Beginn der Saison wegen der Verwicklung in das sogenannte „Deflategate“ vier Spiele gesperrt war, sammelte 28 Touchdowns und gab sogar nur zwei Interceptions ab. Insgesamt brachte es Brady auf 3554 Yards mit seinen Passversuchen.

Fragen und Antworten zum 51. Super Bowl

Das Finale der US-Football-Profiliga NFL ist eines der größten Einzelsport-Ereignisse der Welt.

» Wo und wann wird gespielt?
Im NRG Stadium in Houston/Texas. Kickoff ist in der Nacht auf Montag (6. Februar) um 0.30 Uhr MEZ.

» Wer sorgt für das Rahmenprogramm?
Lady Gaga sorgt für die Halbzeitshow. Im Vorjahr hatte die sechsmalige Grammy-Gewinnerin vor dem Spiel die Nationalhymne gesungen.

» Wie viel kostet ein Ticket?
Das billigste Ticket im Oberrang kostet um die 2000 Dollar, direkt am Spielfeldrand auf Höhe der Mittellinie werden bis zu 18.000 Dollar bezahlt.

» Wie viele Zuschauer sitzen vor dem Fernseher?
Vor einem Jahr lockte das Endspiel im Schnitt 111,9 Millionen Amerikaner vor den Fernseher, knapp drei Millionen weniger als im Rekordjahr 2015 (114,4). Weltweit ist fast eine Milliarde Zuschauer dabei. 1967 hatten sich 51,1 Millionen den ersten Super Bowl angeschaut.

» Was kostet ein Werbespot?
Die eigens für den Super Bowl produzierten Clips werden im Schnitt für eine Million Dollar produziert. Ein 30-Sekunden-Sendeplatz in der Halbzeitpause kostete im vergangenen Jahr 4,8 Millionen. Den bisher teuersten Werbespot produzierte der amerikanische Autobauer Chrysler 2011 mit Rapper Eminem für 12,4 Millionen.

» Was bekommt der Sieger?
Die Vince Lombardi Trophy, der Pokal aus Sterling-Silber, hat einen Materialwert von 3500 Dollar. Jeder Profi der siegreichen Mannschaft erhält eine Prämie von rund 100.000 Dollar. Für den Verlierer springen immer noch rund 50.000 Dollar pro Spieler heraus.